Auf einmal in Berlin :) – Weiter geht’s !

Am 22. Februar bin ich mit dem Zug nach Salzburg gefahren und ziemlich genau 3 Monate später startete ich jetzt mit dem Fahrrad ins Blaue. Mehr als der Plan über Umwegen ans Meer zu kommen gab es nicht und gibt es bisher auch noch nicht. Nach 20 Tagen, die ich nun schon wieder unterwegs bin, sitze ich in Potsdam am alten Markt in einem Café (11. Juni). Hätte mir das jemand vor 4 Wochen gesagt, dann hätte ich gesagt: „Vielleicht besuche ich mal Potsdam, wenn ich mal wieder in Berlin bin.“ An eine Fahrradreise mit über 1000km habe ich damals noch nicht gedacht!

Nachdem ich mich für meinen Drahtesel entschieden habe, war klar, dass ich auf unbestimmte Zeit mit undefinierten Ziel unterwegs sein werde. In der aktuellen Phase wollte ich nichts planen und mir somit einen innerlichen Druck aufbauen, der bei meinem Ehrgeiz automatisch hoch kommt. Wenn ich an die letzten Tage zurück denke, dann sehe ich es einfach als Geschenk reisen zu können. Auch wenn die Wanderschuhe erst einmal am Nagel hängen, kann ich zwar schneller, aber immer noch langsam reisen. Ein Gefühl, dass ich immer mehr zu schätzen lerne.

Der erste Tag meiner Reise war ein stark verregneter Samstag, doch ich wollte los und nicht noch mehr Zeit vergehen lassen und so radelte ich trotz der Nässe los. Am ersten Tag ging es also vom Elternhaus los, mit dem Ziel zum Main zu kommen um dort entlang in den Osten zu meiner Oma zu gelangen. Wann, wo und wie war noch nicht geplant. So kam schon die erste spontane Wende in Lauda, wo ich nicht nach Wertheim weiter fuhr, sondern nach Würzburg abbog. Die Nacht verbrachte ich im Wald an einer Wanderhütte. Mein kleines Zelt sollte wieder mein Zuhause werden. Die erste Nacht war aber noch komisch und so war ich immer wieder wach. Mit den Vögeln aufzustehen, war dennoch ein tolles Gefühl. So kam ich schon früh in Würzburg an. Dort angekommen, wollte ich mein Hinterreifen aufpumpen, doch durch ein verbogenes Ventil ging die Luft eher raus als rein. So wechselte ich meinen Schlauch, da es sich um ein Flexschlauch handelte wurde der mit einer Handpumpe nicht voll. So entschied ich in Würzburg ein Abend zu bleiben, da Sonntag ist und am Tag drauf die Fahrradläden aufmachen. Am folgenden Tag fuhr ich dann mit aufgepumpten Reifen und Adapter für das Aufpumpen an Tankstellen los. Der Main war dann bis Bischofsgrün im Fichtelgebirge mein Begleiter. Es ging über die Ortschaften Ochsenfurt, Kitzingen, Volkach, Bamberg, Kronach, Kulmbach. Neben diesen Städten gab es natürlich auch kleine schöne Ortschaften. Die Ortschaften am Main haben sehr schöne Fachwerkhäuser und einladende Marktplätze. Das Highlight war natürlich Bamberg! Die Insel- und die Bergstadt sind total schön und dank Patricia konnte ich über Couchsurfing die Stadt einen Tag länger genießen. Habe eine Wanderung zur Altenburg machen können und bin durch die Gassen geschlendert. Abends waren wir bei einem Italiener essen. 🙂 Auch ein großes Dankeschön geht an Anna und Ronja in Kulmbach, auch hier konnte ich übernachten und es gab eine leckere vegetarische Lasagne für mich! Mein Zelt wurde nach 2 weiteren Nächten immer mehr mein Zuhause. Auf den Weg nach Bischofsgrün hatte ich dann meine ersten richtigen Steigungen. Dort konnte ich mit einer Wanderung den Tag auf dem Ochsenkopf ausklingen lassen. Mich erinnerte das an das damalige Schullandheim. Wir waren da in einer Jugendherberge bei Bischofsgrün. Der Main bietet schöne Landschaften. Um Würzburg herum mit Weinbergen und ab Kitzingen wurde es flacher und spätestens seit Bamberg kam dann die Bierregion. Links und rechts hast du jeweils verschieden Mittelgebirge in Franken. Der schönste Abschnitt war die Mainschleife bei Volkach mit seiner Auenlandschaft. Hier durfte ich auch auf einer Wiese am Main zelten. Das war wunderschön abends am Bootanlegeplatz zu chillen!

Von Bischofsgrün ging es sehr früh in Richtung Erzgebirge nach Zwönitz. Mein sportlicher Ehrgeiz hat mich hier gepackt und ich wollte an meinem Geburtstag bei meiner Oma und meinem Dad sein. So knackte ich an diesem Tag die 100km mit genau 150km. Die 2.000hm waren natürlich anstrengender als am Main entlang zu fahren. Die Fahrt durch das Fichtelgebirge, durch das Vogtland ins Erzgebirge war sehr schön. Das Vogtland hat mich sehr positiv überrascht! Bisher kannte ich es nur vom Namen und von der Autobahn aus. Die Fahrt über die ehemalige Grenze war ein besonderer Moment. In diesem kleinen Moment habe ich verstanden, was es wieder heißt frei unterwegs zu sein. Das Gefühl kann man nur schwer in Worte fassen. Hier begriff ich wieder was langsam reisen und etwas aus eigener Kraft zu erreichen bedeutet. Das sind Glücksgefühle die einfach viel stärker sind als die Eindrücke, wenn ich mit dem Auto, Zug oder Flugzeug reise. An dem Tag kam ich erst um 18 Uhr an bei Rainer und Annette. Am Abend fiel ich erschöpft in einen tiefen Schlaf. Am Sonntagmorgen (Pfingstsonntag) startete ich in den Tag mit einem tollen Geburtstagsfrühstück. Frisch gestärkt ging es dann nur 50km, über Chemnitz nach Erdmannsdorf. Auf dem Weg sah ich viele Familien mit dem Bollerwagen wandern und traf zufällig einen alten Kollegen aus Chemnitz. So klein ist die Welt. Meine Oma war natürlich total überrascht und es tat so gut Sie zu sehen und mir ihr zu reden, auch wenn wir wegen Corona den gesunden Abstand hielten. Natürlich hat eine Umarmung gefehlt… Ich blieb 2 weitere Tage bei meinem Dad und meiner Oma um danach die Reise von meinem Elternhaus bis zu meinem Geburtsort Dresden zu vollenden! Die Fahrt aus dem Erzgebirge in das „Elbflorenz“ ging es über die Augustusburg durch Freiberg, welches ein schönes kleines Bergbaustädtchen ist. Auf dem Markt angekommen, klingelte am Rathaus das Steigerlied. Es ging auch hier bergauf und bergab. Hauptsächlich durch schöne Wälder und Dörfer. Typisch für das Erzgebirge sind langgezogene Dörfer, wo es oft nur eine Dorfstraße gibt und dafür der Ort mal mehrere Kilometer lang ist. Als ich in Dresden angekommen war musste ich die Faust ballen und mal einen Schrei rauslassen. 🙂 An der Frauenkirche aß ich im Kaffee erst einmal eine „Eierschecke“. Der Klassiker muss sein!!! Die Tage in Dresden genoß ich mit Papa bei Karli und Johanna. Es war eine sehr schöne Zeit mit tollen Gesprächen und viel Zeit als Vater und Sohn. Es war einfach toll! Seit Jahren war ich mal wieder in der Dresdner Neustadt. Dresden ist einfach schön!

Nun ging die Reise weiter und das nächste große Ziel war Berlin! Doch nicht über die Elbe und die Havel am Fluss entlang, sondern ich wollte durch die Lausitz und den Spreewald. Von Dresden ging es an der rechten Elbseite entlang in die „Porzellanstadt“ Meißen. Der Dom und die Altstadt sind toll. Vorher hielt ich noch spontan in Radebeul im „Karl-May Museum“ an. Die Filme liebte ich als Kind und somit war für das kleine Museum genug Zeit. Die Strecke an der rechten Elbseite ist ohne Autos und dadurch sehr ruhig. Von Meißen ging es durch die Wälder zum Jagdschloss Moritzburg. Wer das Märchen „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ kennt, weiß wie schön das Schloss. Ich hasse den Film ja insgeheim, weil der immer an Weihnachten lief… 😀

Bei Moritzburg campte ich an einem See und es gab leckeren Norddeutschen/Sächsischen Kartoffelsalat mit Bockwurst. Lecker!!! Der nächste Tag war verregnet, aber sehr schön. Es ging fast nur durch Wälder auf einsamen Fahrradstraßen. Das war einfach wundervoll. Dann die kleinen, alten Dörfer. Die Lausitz hat neben den vielen Wäldern auch sehr schöne Seen zu bieten. Früher waren das Gebiete für den Braunkohleabbau und bis heute wird an der künstlich geschaffenen See- und Waldlandschaft gearbeitet. Leider ist es aber dort wie auch in Brandenburg sehr trocken, daher tat der Regen gut! Am Senftenberger See konnte ich mein Zelt aufschlagen und fühlte mich schon so wohl, dass der Regen in der Nacht beruhigend wirkte. 😀

Der 12. Tag ging nun durch die Lausitzer Seenlandschaft, über den Spreewald nach Cottbus. Dort hatte ich wieder ein Quartier bei Reinhard. Die Tour war mit 114km zwar lang, aber durch den frühen Start im Zelt war ich um 16 Uhr rum in Cottbus. Die Dörfer im Spreewald sind einfach toll und mit den kleinen Kanälen und Flüssen ist es einfach einer sehr spezielle und einzigartige Gegend! Hier gibt es sogar noch Ortschaften die als „Kolonie“ gelten, weil die früher dort angesiedelt wurden um die Moorlandschaft zu bewirtschaften. Die Ortsschilder, sind wie auch in der Lausitz, jeweils in Deutsch und Slawisch angeschrieben. Die Slawen sind als Minderheit schon seit Jahrhunderten in diesem Gebiet anerkannt. In Cottbus plante ich mit Reinhard meine Tour nach Woltersdorf bei Berlin. Anstatt direkt an der Spree entlang ging es über die Heidelandschaft nordöstlich von Cottbus. Zwar waren es am Ende 160km, aber die Heidelandschaft und die Abgeschiedenheit der Dörfer zu erleben war eindrucksvoll! Auch lange Waldabschnitte waren dabei und ab Beeskow ging es dann entlang der Spree über Fürstenwalde nach Woltersdorf. Ich muss aber sagen, dass erst der letzte Abschnitt bei Grünheide (nach Fürstenwalde) schön war. Ansonsten war der Radweg nicht so besonders und die Spree oft nicht zu sehen. Bei Lydia und Jimmy konnte ich mein Erbseneintopf machen und hatte ein Gästezimmer für mich. Der Ort Woltersdorf ist mit seiner kleinen, alten S-Bahn und seiner alten Schleuse am Flakensee was besonderes. Die S-Bahn erinnerte mich an die in Lissabon. Von dort aus ging es dann am Folgetag über Köpenick und den Mauerweg nach Berlin Mitte. Ich erlebte so zum ersten Mal die Stadtteile Köpenick und Treptow. Ich lies mir Zeit beim Fahrrad fahren und auch wenn ich den Alexanderplatz, die East Side Gallery usw. kannte, war es mit dem Fahrrad etwas besonderes. Am Brandenburger Tor traf ich andere Radfahrer und als der eine fragte: „Start oder Ziel?“ und ich mit „Weder noch!“ antwortete, kapierte ich was ich hier mache und ich war stolz auf mich. Ich stand am Brandenburger Tor bin über 1.200km gestrampelt von der Haustüre aus. Krass! Steffen, mein Gastgeber für die nächsten 2 Tage, riet mir den Teufelsberg. Eine der Schuttberge im Grunewald. Dort war von den Amerikanern eine Abhöranlage errichtet wurden und heute steht diese als Kunstobjekt für die Graffitiszene zur Verfügung. Nebenbei hat man für 5€ einen tollen Ausblick auf Berlin. Spitze!

Den heutigen Tag war ich erst in Berlin am Marienviertel und dem Nikolaiviertel. Eine der Gründungsviertel Berlins. Im Nikolaiviertel gibt es eigentlich tolle, günstige Museen und Cafés. Aber diese hatten wegen Corona noch zu. Auch das jüdische Museum. So entschied ich kurzerhand nach Potsdam mit der S-Bahn zu fahren und genoss dort die restaurierte Altstadt. Die Stadt sollte in der DDR eine sozialistische Stadt sein und somit wurde, wie auch in Berlin alte Bauten abgerissen. Heute noch wird die Altstadt herausgeputzt und wieder an früher angeglichen. Die große Kirche ist wunderschön, doch auch die Friedenskirche am Schloß Sans Souci hatte seinen Charme.

Ja, wie geht es jetzt weiter? Ich habe aus den ersten Tagen meiner Tour gelernt, dass jede Landschaft und jeder Tag etwas besonderes ist und ich ohne großartigen Plan diese Eindrücke aufsaugen und genießen kann! Auch wenn ich nicht jedes Museum und jedes Gebäude anschaue, bleibt der äußerliche Eindruck bestehen. Und manchmal denke ich auch, dass das ausreicht. Wie wenn man einen Gipfel von unten oder einer gewissen Höhe bestaunt. So geht es morgen weiter nördlich durch Brandenburg nach Mecklenburg-Vorpommern und an die Ostsee. Meine zurück gelegten Strecken könnt Ihr hier einsehen:

https://www.komoot.de/collection/891992/-footsteps-for-happiness

An der Seenplatte werde ich 1-2 Tage chillen. 🙂 Mehr ist weiterhin nicht geplant. Wenn aber alles klappt bin ich in ein paar Tagen am Meer!!! 🙂

Mir geht es gut und ich genieße die sozialen Kontakte und die Gespräche. Bedanke mich bei allen für die herzliche Gastfreundschaft! Die Landschaft in Deutschland ist so abwechslungsreich und schön! Auch wenn mir Südeuropa fehlt, lerne ich auf jeden Tag was unser Land zu bieten hat. 🙂

Bis die Tage und bleibt gesund!

Gruß Michi 🙂

Traum futsch – Aufgeben? Nie im Leben, man muss sich nur zu helfen wissen! ;)

Vor genau 70 Tagen stieg ich in den Flieger in Richtung Frankfurt! Das sind 70 Tage, welche ich unterwegs hätte sein können. In diesen 70 Tagen hätte ich es aus eigener Kraft auf das italienische Festland geschafft und wäre aktuell auf dem Weg nach Rom. Ein paar Wetteinsätze wären schon eingelöst wurden. Die Situation ist sehr irreal und abundzu kann ich es immer noch nicht fassen, wie sich das Blatt gedreht hat. Ich habe natürlich gewusst, dass es kein leichter Weg wird und einem auch mal Steine in Weg gelegt werden. Auf einen Rückflug nach Deutschland und nicht weitergehen zu können, war ich aber nicht vorbereitet!

Abends, wenn ich wach liege, dann überfällt einem natürlich die Traurigkeit, dass der „eine Traum“ so nicht mehr möglich ist. Wenn wir es ganz nüchtern betrachten, ist es nicht möglich zu Fuß noch rechtzeitig in den Süden zu gelangen um einen milden Winter zu erleben und somit im nächsten Frühling/Sommer wieder nach Norden aufzubrechen. Dieser Traum und diese Idee ist dahin. Von Anfang an wollte ich zu Fuß unterwegs sein, da man hier auf Pfaden untwerwegs ist, die nur schwer mit dem Fahrrad zu befahren sind und es auch ein langsameres Reisen an sich ist. Daher habe ich mich auch dazu entschieden, mein Projekt „Footsteps for Happiness“ zu nennen. Der Spendenlauf war ein tiefgehegter Wunsch, der nun leider auf Eis liegt!

In den letzten Wochen dachte ich viel darüber nach, wie es weitergeht. Natürlich habe ich „Zeit“, weil ich keinen Termin habe, an dem ich wieder an einen Arbeitsplatz zurückkehren müsste, aber „Zeit“ ist relativ. Die Zeit in Deutschland kostet natürlich auch mehr Geld, da eine Krankenversicherung in Deutschland nicht gerade günstig ist. Sagen wir es so: 2 Monate krankenversichert in Deutschland und du hast den Jahresbetrag einer guten Auslandskrankenversicherung. Dies im Hinterkopf zu haben ist nicht gerade positiv um den weiteren Weg zu planen. Du rechnest Routen durch und planst deine Wege. Etwas, dass ich nie so genau wollte. Meinen Weg wollte ich grob wissen, aber die Dauer und wie viel KM am Tag wollte ich von Anfang an nie planen. Ich machte mir in den letzten Tagen sehr viel Druck, weil ich wusste, dass die Lockerungen in Deutschland ein Neubeginn ab Pfingsten wieder zulassen. Selbst bei den Wanderungen in Rheinland-Pfalz musste ich jeden Tag planen, wie ich mit den Zug hin und zurück komme. Diese Art von wandern bzw. reisen ist nicht die, die ich für meine Auszeit wollte. So plane ich normale Rundwanderungen in einem geregelten Alltag, wenn man zum Beispiel an einem Wochenende unterwegs sein möchte, aber nicht eine Reise, die mehrere Monate dauern soll. In der letzten Woche war mir dann klar, dass ich das so nicht will. Ich will mich frei bewegen können und ich will vor allem noch nicht aufgeben! Die Chance, dass ich dieses Jahr noch in den Süden kann ist theoretisch da, auch wenn mir bewusst ist, dass nochmals eine 2. Welle der Corona Pandemie ausbrechen könnte. Ich möchte jetzt noch nicht aufgeben und dazu muss ich schneller unterwegs sein, aber dennoch frei und ohne Druck.

Vom Bodensee bis zum Genfer See, um den Mont-Blanc herum und auf der Skipiste am Matterhorn ins Tal. Das war der Weg, den ich mit meinem Fahrrad vor knapp 2 Jahren (Ende Juni 2018) zurücklegte. Der Ursprung dieses Projekts! An diesen Tourtagen fuhr ich zwischen 40 – 60km pro Tag auf Wanderwegen. Das hieß, bergauf oft schieben und tragen und bergrunter „krachen lassen“. Ich habe es damals geschafft und konnte die Tage und die Landschaft sehr genießen! Nach diesen Sätzen wisst Ihr denke ich auf was es hinausgeht. Viele haben zu mir vor der Tour gesagt: „Ich wusste du ziehst es durch, aber ich dachte mit dem Fahrrad…“ Die Idee war immer evtl. mal auf das Fahrrad umzusteigen, wenn ich möchte bzw. die Tour länger wird. Komischerweise kam mir dieser Gedanke über diese Möglichkeit erst vor ein paar Tagen. Nach einem kurzen Telefonat mit meinem Bruder klärte ich die Übernachtung ab und bestellte mir 2 Gepäckträgertaschen und einen Gepäckträger für mein Mountainbike. Es wird nun eine Fahrradreise und genauso wie ich bei meiner Transalp an mehreren Tagen wanderte, werde ich es auch auf dieser „neuen“ Tour machen. Ich schnüre mir nun zwar nicht jeden Tag meine Wanderschuhe, aber ab und zu wenn ich möchte, werde ich mit Rundwanderungen meine Pausentage füllen. Ich weiß, dass ein „Spendenlauf“ geplant war und das Fahrrad auch nicht zu „Footsteps for Happiness“ passt, aber es die einzige Möglichkeit meinen Traum am Leben zu lassen. Seitdem ich mich dafür entschieden habe, ist der innere Druck total abgefallen. Ich muss keine Tour mehr nach km planen, sondern nach den Zwischenzielen. Es tut sehr gut!

Leider sind aktuell viele der Wetteinsätze nicht einlösbar, da entweder der zu enge soziale Kontakt ein Thema ist oder weil der Ort nicht erreichbar ist, da ich die Tour abbrechen musste. Ich hoffe, dass wenn auch erst im nächsten Jahr, eure Wetteinsätze noch gelten. Ich würde mich sehr freuen! Dennoch möchte ich nicht einfach meine Reise fortsetzen und keine Spenden generieren. Das ist und war der Grundgedanke hinter meiner Auszeit. Aktuell leiden viele von uns unter den Coronaeinschränkungen. Der eine mehr und der andere weniger. Viele Mütter haben natürlich einen komplett anderen Tagesablauf und den Kindern fällt es schwer ohne Schule einen geordneten Alltag zu haben. Viele sind auch leider nur noch mit Kurzarbeit beschäftigt und müssen somit mit weniger Gehalt zurecht kommen. Aber auch wenn es uns mit der Situtation gerade nicht gut geht, ging es anderen Menschen schon vor Corona schlecht und mit Corona nun noch schlechter. Natürlich sind viele Organisationen aktuell auf Spenden angewiesen und ich könnte für jede einzelne Personengruppe sammeln, aber ich möchte mich auf zwei Organisationen beschränken. Die Hygiene ist in Zeiten von Corona noch wichtiger geworden und sowohl in vielen Gebieten auf der Welt, als auch in Flüchtlingslagern in Griechenland ist die Hygienelage schlecht! Durch die abgesagten Festivals und Konzerte in diesem Jahr fehlt der Organisation „Viva con Agua“ aus St. Pauli die Einnahmen aus den Pfandbechern. Ich selber bin bei dieser Organisation Fördermitglied und habe mir auf www.goldeimer.de ein paar Mund-Nasenmasken für meine Tourfortsetzung gekauft. Der Erlös geht hier an Viva con Agua oder an die Zivile Seenotrettung. Auch die zivile Seenotrettung ist weiterhin ein wichtiges Thema! Auch Corona verhindert die Flucht vor Gewalt, Krieg und Hunger nicht. Wenn jemand gerne für die zivile Seenotrettung (#LeaveNoOneBehind) spenden möchte, darf das gerne tun. Hauptsächlich unterstützt Ihr hier die Maßnahmen gegen Corona in den Flüchtlingslagern. Wie Ihr für Viva con Agua und die zivile Seenotrettung spenden könnt, erfahrt Ihr hier!

Am Samstag wird es voraussichtlich losgehen und ich werde mit meinem Drahtesel aufbrechen. Grob gesagt geht es in Richtung Norden zur Ostsee. Wie der Weg ist und wie es danach weitergeht plane ich nicht. Ich werde dankbar um jeden Tag sein und diese Zeit genießen. Mit Abstand und Solidarität, werde ich reisen und ich hoffe trotz Corona nette Menschen kennenzulernen! Der Weg ist das Ziel und ich werde mich überraschen lassen! Die Taschen am Fahrrad werden am Freitag fertig gepackt. Die neuen Fahrradtaschen von Ortlieb sind der letzte Baustein der Bikepacking Produktpalette. Die anderen Dinge hatte ich schon vorher. Ich kann damit alles transportieren, was ich auch in meinem Wanderrucksack gepackt hatte. Neben einer größeren Powerbank kann ich nun auch ein paar Dinge mitnehmen die vorher weichen mussten. Mein gewonnenes MTB Trikot, mit der Unterschrift des deutschen Meisters von 2018 darf natürlich nicht fehlen. Ich gewann es damals über Instagram, als ich die Skipiste am Matterhorn herunterfuhr. 🙂

Also, seid weiter dabei bei meinem neuen Abschnitt und vor allem bleibt gesund! Leider konnte zur Zeit von Corona nicht alle besuchen, aber wir holen das nach, wenn ich wieder heimkomme. Ein positiver Nebeneffekt ist nun, dass ich wirklich von der Haustür aus aufbreche! 😉

Bleibt gesund!

Euer Michi

14 Tage – Vom Sentiero Italia in die Quarantäne

Genau vor 14 Tagen saß ich morgens in Salerno am Mittelmeer und habe meinen letzten Beitrag geschrieben. An diesem Tag klang noch meine Entschlossenheit durch dennoch in Italien zu wandern. Doch wie so viele Menschen auf der Welt haben auch die Folgen der Corona-Krise vor mir kein Halt gemacht. Vorab kurz zur Info, dass es mir gut geht und ich gesund bin bzw. keine Symptome habe/hatte. Gerne möchte ich aber meine Erlebnisse und Gedanken mit euch teilen.

Der Dienstag (10. März 2020) letzte Woche, war ein krasser Tag und ich werde diesen nicht so schnell in meinem Leben vergessen. Als ich in Salerno in den frühen Vormittagsstunden los lief in Richtung des Kastells, war ich wie gesagt noch frohen Mutes und ging davon aus, dass ich weiter in Mittelitalien unterwegs sein kann. Ich selber wusste damals noch nichts von den neuen Maßnahmen, welche an diesem Tag in Kraft traten. So wanderte ich bis 11 Uhr und hatte dann vor nach Pompeij mit dem Zug zu fahren. Soweit so gut, spürte ich dann in Pompeij, was auf mich in den nächsten Wochen zukommen wird. Die Straßen war so leer an diesem Ort. Ich konnte mir auch nicht die Ausgrabungsstätte anschauen, da dies ein öffentlicher Ort ist. Auch der Nationalpark Vesuv wurde gesperrt. Sofort fing ich an, mir Gedanken über meine Rückreise zu machen und ich entschied mich nach Wien zu reisen und dort weiter zu wandern. Als Notlösung war der Heimflug nach Deutschland geplant und daher checkte ich Schlafmöglichkeiten in der Familie ab. So fuhr ich nach Neapel und mit den nächstmöglichen Zug nach Rom, da der Nachtzug nach Wien von Rom aus startet. Der Zug nach Rom war gespenstisch leer und ich saß tatsächlich nur mit einer Person im Abteil… Das war verrückt! Um kurz nach 17 Uhr kam ich nun am Hauptbahnhof in Rom an. Während der Fahrt probierte ich schon die Karte nach Wien zu buchen, aber es ging nicht. Ich probierte es bei meiner Ankunft in Rom, aber auch am Automat ging das Ticket nicht zu lösen. Mit Hilfe der Polizei fand ich die Ansprechpersonen der dortigen Bahn und erfuhr, dass Österreich alle Einreisen aus Italien verboten hat. Zu diesem Zeitpunkt war ich natürlich sehr niedergeschlagen und ich begriff, dass ich nun auch in einem Risikogebiet war. Leider war nach dem Spießrutenlauf nun auch alle Geschäfte zu, da ab heute das Schließzeit 18:00 Uhr galt. Ich hatte zum Glück noch zwei Brötchen, Nutella und etwas Aprikosenmarmelade im Rucksack. Das erste Problem war gelöst, aber das zweite sollte folgen… Was mach ich heute Nacht? Ein Flug ging nicht mehr nach Deutschland, daher muss ich irgendwo übernachten. Die Hotels hier waren aber alle ausgebucht, da es nur so an Touristen wimmelte die nach Hause wollten. Ich buchte schnell meinen Flug für den nächsten Abend nach Frankfurt und klärte mit meiner Mutter ab, dass ich bei Ihr schlafen könnte. Erste Regel beim Reisen bzw. Wandern ist, wenn du gerade mit der Situation überfordert bist – Erst einmal den Hunger stillen und etwas essen!

Meine Mahlzeit im Bahnhof von Rom. Die Polizisten waren sehr nett und lächelten bei meiner Aktion. 😉

Ich entschied mich dann während dieser Mahlzeit zum Flughafen zu fahren und dort zu übernachten. Ich fühlte mich bei dem Gedanken sicherer als am Bahnhof zu übernachten. Mir war es gleich, wo ich schlafen würde, weil ich eh kein Auge zu machen werde und am Flughafen habe ich wenigstens WLAN und die Möglichkeit mein Handy aufzuladen. Also machte ich mich auf in Richtung Flughafen. Dort angekommen, musste ich feststellen, dass einige Menschen dort bereits gestrandet sind. Einer Obdachlosen aus Deutschland, welche schon länger in Rom „lebt“, schenkte ich einen Kaffee. Ich selber schaute mal beim Hilton Hotel vorbei, aber die hatten nur noch Zimmer für eine Nacht mit 185 € ohne Frühstück. Ich musste leider ablehnen und machte mich zurück zum Flughafengebäude. Die Kosten für die Unterkunft hätten meine bisherigen Kosten auf meiner Wanderung an einem Abend überstiegen… Mir war das nicht Wert und so verbrachte ich den Abend als „Gestrandeter“ im Flughafen. Der Abend bestand aus Luft schnappen im Außenbereich, Netflix schauen, Musik hören und versuchen zu schlafen. An diesem Abend war ich so glücklich darüber meine Schaumstoffmatte zu haben. Ich konnte erstaunlich gut auf dem Boden schlafen und wusch mich so gut es ging vor der Öffnung des Café auf der öffentlichen Toilette… Wer braucht schon Luxus 😀

Ich checkte dann relativ früh ein und vertrieb mir die Zeit im DutyFree-Bereich. Auch wir war Musik und Netflix mein Freund. 😀 Ach und nur mal nebenbei: So eine Nacht am Flughafen ist schon interessant. Man lernt die verschiedenen Abläufe kennen. 😀 Im Nachhinein kann ich natürlich darüber schmunzeln, aber jeder wird sich vorstellen können, dass ich ziemlich niedergeschlagen war. Der Flug verlief reibungslos und ich glaube meine Mutter hat mich noch nie so still erlebt. Neben der Niedergeschlagenheit war ich natürlich auch entsetzlich müde. Erst eine Nacht im Schlafwagen, welche nicht ruhig ablief und dann die Nacht im Flughafen hinterließen natürlich ihre Spuren. Nach einer kurzen Dusche und einem Abendessen ging es sofort ins Bett.

Die nächsten Tage waren für mich alles andere als leicht. Ich musste natürlich zusamen mit meiner Mutter in Quarantäne und versteckte mich somit hinter Bücher. Ich war fast 3 Wochen frei, ich spürte die pure Freiheit in der Natur und dann bist du auf einmal eingesperrt. Das war nicht leicht… Innerhalb von ein paar Tagen hatte ich mehr als 1000 Seiten hinter mir. Als erstes laß ich natürlich „Der Pate“, da ich nochmal die Erinnerungen an Sizilien haben wollte. Ich kann den Moment nicht beschreiben als ich die Stellen las, wo Mario Puzo beschrieb, wie Michael Corleone die Zeit auf Sizilien verbrachte. Jeder der den Film kennt, sollte dringend das Buch lesen! Die Erzählungen wie Michael Sizilien kennen lernt und durch den Wald von Ficuzzia wandert, waren für mich nochmal eine Reise zurück. Durch den selben Wald lief ich auch und ich kann die Schönheit einfach nur teilen! Ach, ich vermisse Sizilien… Es ist eine wunderbare Insel, welche ich definitiv nochmals besuchen werde in meinem Leben! Das steht fest! Noch jetzt wenn ich darüber schreibe, liegt der Frühlingsduft in meiner Nase – selbst wenn ich gerade die Mandelblüte in der Pfalz erleben darf!

Viel zu erzählen aus der Zeit in Quarantäne gibt es nicht. Nach „Der Pate“, „Im Meer schwimmen Krokodile“ und „Fabian“ bestellte ich mir neue Bücher. Diese hatte ich zum Glück meiner Mutter zur Verwahrung geschickt. Auch die letzten beiden empfehle ich. Ich möchte euch auch kurz zwei Ausschnitte der beiden Bücher wiedergeben:

„Fabian“ von Erich Kästner ist ein Buch, welches 1930 erschien und überspitzt die Lage in Berlin bzw. auf der Welt darstellen sollte. Es ist ein starkes Buch, wo Kästner das Kinderbuch-Autor-Dasein hinter sich ließ und als Satiriker auftrat. Dieses Buch wurde damals auch von den Nazis verboten und verbrannt. Mich wunderte es wirklich, dass er deswegen nicht inhaftiert wurde. Versetzt euch kurz in die damalige Lage und ihr werdet merken, wie erschreckend, stark die Aussagen auf die Krisen 2020 passen!

„…In Amerika verbrennt man Getreide und Kaffee, weil sie sonst zu billig würden. In Frankreich jammern die Weinbauern, dass die Ernte zu gut gerät. Stellen Sie sich vor. Die Menschen sind verzweifelt, weil der Boden zu viel trägt! Zu viel Getreide, und andere haben nichts zu fressen! Wen in so eine Welt kein Blitz fährt, dann können sich die historischen Witterungsverhältnisse begraben lassen… Wenn das, woran unser geschätzter Erdball heute leidet, einer Einzelperson zustößt, sagt man schlicht, sie habe die Paralyse. Und sicher ist Ihnen allen bekannt, dass dieser äußerst unerfreuliche Zustand mitsamt seinen Folgen nur durch eine Kur heilbar ist, bei der es um Leben und Tod geht. Was tut man mit unserem Globus? Man behandelt ihn mit Kamillentee. Alle wissen, dass dieses Getränk nur bekömmlich ist und nichts hilft. Aber es tut nicht weh. Abwarten und Tee trinken, denkt man, und so schreitet die öffentliche Gehirnerweichung fort, dass es eine Freude ist. Wir werden nicht zugrunde gehen, dass einige Zeitgenossen besonders niederträchtig sind, und nicht daran, dass einige von diesen und jenen mit einigen von denen identisch sind, die den Globus verwalten. Wir gehen an der seelischen Bequemlichkeit aller Beteiligen zugrunde. Wir wollen, dass es sich ändert, aber wir wollen nicht, dass wir uns ändern. „Wozu sind die anderen da?“ denkt jeder und wiegt sich im Schaukelstuhl. Inzwischen schiebt man von dorther, wo viel Geld ist, dahin Geld, wo wenig ist…. Der Blutkreislauf ist vergiftet… „Sie werden einwenden, es gebe ja zwei große Massenbewegungen. Diese Leute, ob sie nun von rechts oder links anmarschieren, wollen die Blutvergiftung heilen, indem sie dem Patienten mit einem Beil den Kopf abschlagen. Allerdings wird die Blutvergiftung dabei aufhören zu existieren, aber auch der Patient, und das heißt, die Therapie zu weit treiben.“

Das zweite Buch „Im Meer schwimmen Krokodile“ ist von Fabio Geda und erzählt eine Geschichte von einem Flüchtling aus Afghanistan. Man hört immer wieder viele Geschichten und viele die mich kennen, wissen wie stark mich dieses Thema immer wieder umtreibt. Diese Geschichte hat für den Jungen zwar ein Happy End, aber es zeigt deutlich den Preis, den er dafür hat bezahlen müssen. Es ist kein großes Buch und sehr einfach geschrieben, doch man wird es nie vergessen… Ich habe hier ein Auszug, welches davon handelt, wo Enaiat entscheidet auszuwandern. Der Autor stellt Ihm immer wieder Fragen in diesem Buch und dadurch wird das Buch sehr persönlich… Er war als Kind (9 Jahren) auf sich gestellt und verdiente sich Geld auf Baustellen im Iran. Zu diesem Augenblick war ca. 4 Jahre im Iran und brach von der Baustelle aus los nach Europa:

„Wie kann man so mir nichts, dir nichts sein Leben ändern, Enaiat? Sich an einem ganz normalen Vormittag von allen verabschieden?“ Man tut es einfach, Fabio, und denkt nicht weiter darüber nach. Der Wunsch auszuwandern entspringt dem Bedürfnis, frei atmen zu können. Die Hoffnung auf ein besseres Leben ist stärker als alles andere. Meine Muter zum Beispiel wusste, dass ich ohne sie in Gefahr bin. Aber dafür war ich unterwegs in eine andere Zukunft. Und das war besser, als in ihrem Beisein stets in Gefahr zu sein und ständig in Angst leben zu müssen.“

Ja, und jetzt? Ich lese derzeit „Anne Frank – Das Tagebuch“. Ich will hier jetzt keine Stelle zitieren, aber wer meint daheim ist es so schlimm und die Decke fällt mir auf dem Kopf, der sollte sich das Buch nehmen, welches die Zeit im Versteck der jüdischen Familie in Amsterdam beschreibt…

Ich persönlich freue mich über die außerordentliche Solidarität in diesem Land, welche es aber überall in Europa gibt. Das einzige was es nicht gibt, ist der Reichtum den wir in Deutschland haben. Ich habe schon vor 2 Wochen die Gesichter der Italiener gesehen, die leeren Straßen und die verzweifelten Blicke der Menschen lassen mich auch ehrlich gesagt nicht los. Durch diese Zeit in Italien, wo man wirklich „live“ mitbekommen hat, was dieser Virus anrichtet, bringt dich näher an das Land und lässt dich über das ein oder andere anders Denken. Wir sind aktuell wirklich nicht schlimm dran, wenn wir es mit Italien vergleichen. Unsere Wirtschaft ist stärker und auch die Mehrzahl der Deutschen haben mehr Geld auf der Seite. Ich hoffe, dass wir nicht so schlimme Todeszahlen wie in Italien haben werden und dennoch sollten wir alle an die Länder und Hinterbliebenen denken, hoffen und beten, dass der Virus besiegt wird.

Ich für meinen Teil bin seit heute wieder auf den Beinen und helfe beim Spargel stechen hier in der Nähe bei meiner Mutter. So kann ich die Flug- und Zugkosten wieder reinholen und muss nicht daheim rumsitzen. Es tut gut wieder an der frischen Luft zu sein und anderen Menschen zu helfen.

Bleibt gesund, lest das eine oder andere Buch, anstatt nur vor dem Fernseher oder dem Smartphone zu kleben und lasst euch nicht unterkriegen! Euch und eurer Familie alles Gute! Mir geht es gut und ich denke allein schon die Zeilen oben sagen aus, dass uns diese Entschleunigung vielleicht auch mal wirklich gut tut!

Euer Michi 😉

Wie Corona nun doch die Planungen geändert that

Ich sitze nun gerade in Salerno am Pier, wo ich heute mit dem Nachtzug von Messina aufgebrochen bin. Es war gestern keine leichte Entscheidung kehrt zu machen von der schönen Insel… Um ehrlich zu sein bin ich momentan sehr traurig darüber, weil es mir den Plan kaputt machte durch Sizilien zu laufen und den Ätna zu sehen. Doch alles nacheinander…

Die erste Woche auf Sizilien werde ich nie mehr vergessen und lieferte schon mehrere tolle Geschichten. Jeden einzelnen Menschen, den ich auf der Tour traf wird mir in Erinnerung bleiben! Die Landschaft ist total schön und die Menschen sind überaus freundlich und hilfsbereit! Insgesamt habe ich ca. 250km zu Fuß zurück gelegt in 8 Tagen. Dazwischen hatte ich am Sonntag einen Pausentag in Cefalu. Schon dort habe ich die Auswirkungen von Corona gemerkt. Die Gassen waren für einen Sonntag sehr leer und in den Restaurants wenig bis gar nichts los. Mit großer Hoffnung machte ich mich nun auf Richtung Nebrodi Nationalpark. Nach fast 30km zu Fuß musste ich, nach einem Gespräch mit Einheimischen feststellen, dass der öffentlich Nahverkehr nicht mehr wirklich fährt und die Hütten dort nicht mehr auf sind. Da ich noch an der Küste war, hatte ich schnellen Zugriff auf die Bahn. Ich entschied mich dafür die Insel zu verlassen und den Ätna ein anderes Mal zu sehen. Denn neben der Tatsache, dass es kein Winter gab und nun auch noch Corona dazwischen funkt sind viele Hütten zu. Das bestätigten mir heute auch 2 Österreicher, die dort waren mit dem Rennrad. So habe ich mich gestern, früher als geplant aufgemacht Richtung Salerno. Das war sowieso so angedacht, aber in 2 Wochen…

Als ich dann gestern vor der Abfahrt in einem Restaurant war, hörte ich auch die Rede von Minister Conte. Ich denke es ist richtig, weil ich von Neapel und Rom immer noch überall hinkomme. So werde ich mich nun Richtung Neapel aufmachen und hoffen, dass der Vesuv offen ist und ich wenigstens diesen sehen kann. Ich möchte weiterhin nicht zurück fliegen, aber zur Not geht es mit dem Nachtzug nach Wien.

Abschließend noch die Information, dass es mir gut geht und ich weiterhin positiv denke! Solche Rückschläge tun natürlich weh, aber ich werde das beste daraus machen. Die Tage auf Sizilien waren schön und ich werde es nie bereuen dort begonnen zu haben!

Am Pier in Salerno

Gruß Michi

P. S. Bilder findet ihr auf Instagram und meine Wege hier: https://www.komoot.de/collection/891992/-footsteps-for-happiness

Sentiero Italia – Startschuss

Morgen früh um 08:20 werde ich in den Bus nach Trapani steigen und Palermo hinter mir lassen! Die letzten Tage waren der perfekte Start in mein Abenteuer. Neben der langsamen Fortbewegung im Gegensatz zum Flugzeug, war auch die Zeit mit Jochen einfach super und es war cool nicht allein zu starten!

Die Zeit in Palermo möchte ich nicht missen und hat mir persönlich geholfen in Italien anzukommen. Die Stadt hat eine gewisse Schönheit, die schwer zu beschreiben ist. Viele denken durch die Vergangenheit der Mafia sehr negativ über diese Stadt. Natürlich ist die sizilianische Mafia noch aktiv, aber Palermo ist schon lange nicht mehr unter den Städten mit den meisten Straftaten in Italien und die Einwohner sind gewillt ein besseres Bild abzugeben. Die Menschen waren stets freundlich und zuvorkommend und wenn ich an Palermo denke, dann sind das die Nebenstraßen mit den Märkten und den kleinen Restaurants oder auch den kleinen Verkaufsläden. Natürlich hatten wir auch echt ein tolles Wetter in den letzten Tagen und so konnten wir den Flair dieser Stadt voll aufsaugen. Die Stunden am Theater, als ich meine Bücher gelesen habe oder einem Italiener ein Schmunzeln geschenkt habe, wenn ich nicht mehr weiter wusste mit meinem Italienisch, aber es wird von Tag zu Tag besser. 😀 Imposant über allen Sehenswürdigkeiten dieser Stadt thront die gewaltige Kathedrale! Ein sehr schönes Bauwerk, dass die verschiedenen Stile von Palermo in ein Bauwerk vereinigt. Der arabische Stil wird deutlich durch die Malereien an den Wänden und Türmen. Früher stand während der arabischen Herrschaft eine Moschee, aber diese wurde nach einem großen Erdbeben und dem damit verbundenen Neuaufbau, abgerissen.

Doch auch so schön die Stadt ist, wird Sie ab morgen Früh hinter mir liegen und das Abenteuer wird erst richtig losgehen! Ich freue mich auf die ersten Schritte und somit auf den Start meiner Wanderung. Jochen wird meine gelesenen Bücher und andere Kleinigkeiten mit heim nehmen und somit bin ich 1kg los, der aber durch Essen wieder gefüllt wird. ;D

Auf Instagram habt Ihr ein paar Bilder und somit Eindrücke von Palermo! Eine lustige Anekdote ist noch, dass ich in meinem Profil auf Instagram einen Spruch habe, welche mich das Jahr über bei den Planungen begleitet hat. Als ich dann am Mittwoch in unser Appartement eintrat und mich umdrehte las ich auf italienisch ein Spruch und als ich in meinem Kopf die Übersetzung machte, entdeckte ich genau diesen Spruch! Was für ein genialer Zufall!

Il mondo è un libro e chi non viaggia legge solo un pagina.

(Die Erde ist ein Buch und wer nicht reisen wird, liest nur die erste Seite.)

Also ich würde sagen: Morgen 01. März 08:20 fällt der Startschuss!!

Gute Nacht und bleibt gesund!

Die ersten Tage meiner Reise

Hi,

nach einer tollen Feier am Freitagabend mit all meinen Freunden, Kollegen und der Familie startete am Samstag, den 22. Februar meine Reise! Mit der Familie frühstückte ich noch in Ruhe, als mich Jochen und seine Mutter abholte und Würzburg fuhr. Bis heute kann ich es noch nicht einordnen und denke ich befinde mich einfach im Urlaub. 😀

Nach einer ruhigen Zugfahrt kamen wir pünktlich in Salzburg an. Die Altstadt ist echt sehr schön! Die Festung Hohensalzburg thront pompös über der Altstadt mit dem Dom, dem Glockenspiel und natürlich dem Mozarthaus. Per Aufzug fuhren wir auch auf den Mönchsberg, einer der Stadtberge von Salzburg. Auf dem Weg zur unserem Hostel, was eine Art Hütte war, konnten wir einen schönen Blick auf die Berge bei Berchtesgaden genießen! Doch der Blick von unserer Unterkunft und sogar direkt aus unserem Zimmer auf Salzburg war sensationell!! Für so wenig Geld den besten Blick auf die Altstadt! Lustig war, dass andere Gäste ausversehen in unserem Zimmer waren und die erst einmal umquartiert wurden. In der Nacht durfte Jochen es den 2 Frauen erklären. Ich schlief bereits. 😀 Nach dem beziehen der Zimmer wollten wir uns die Altstadt uns anschauen und etwas essen. Leider fanden wir nur teure Geschäfte und so hofften wir noch etwas in unserer Unterkunft zu erhalten, aber dort gab es leider nichts mehr und so war es gut, dass ich mit meinen bereits gekauften Proviant den Hunger von uns beiden etwas stillen konnte. Ich merkte an diesem Abend wir anstrengend die letzten Wochen waren.

Nächster Halt Venedig

Bevor es weiter in den Süden geht, werden wir uns Venedig anschauen für einen Tag. Die Fahrt nach Venedig war durch die unbequemen Plätze zwar nicht so bequem, aber verlief reibungslos. Abends trafen wir dann in Mestre, einen Vorort von Venedig ein. Hier haben wir auf einem Campingplatz ein sogenanntes „Mobiles Heim“, was eine Art Container ist und als „Tiny House“ dient unseren Schlafplatz gefunden. Mit einer eigenen Dusche und einem Klo haben wir hier vollen Luxus! Ich schlief, wie gestern auch schon, um kurz nach 20 Uhr ein. Daran werde ich mich gewöhnen, dachte ich mir, weil die Augen nach einem langen Tag sehr schnell zufallen. 😀 Der Tag in Venedig startete um 9 bei ca. 6° und einem kalten Wind. Leider sollte es den ganzen Tag bewölkt sein. Nach einem Frühstück und dem ersten Kaffee ging es zu Fuß durch die schöne Lagunenstadt! Wir genossen die Gassen abseits des Tourismus und waren erstaunt über die Ruhe, die uns umgab. Gegen 13 Uhr kamen wir Markusplatz an. Wie schon erwähnt, waren die Gassen und Kanäle schon vorher echt schön, aber der Markusplatz mit dem Markusdom und nebendran der Dogenpalast sind echt wunderschön! Die Wandmalereien an der Außenwand und die kleinen Türmchen sind einfach toll! Auch die Gänge unterhalb des Dogenpalastes mit Ihren Bögen in den Decken, haben mich begeistert! Am Dogenpalast war es dann auch, wo ich meine erste Wette eingelöst habe! Mein Neffe Nathanel verlangte als Wetteinsatz ein Foto mit einer Gondel. Das reinsetzen war leider nicht möglich, da so eine Gondelfahrt sehr teuer ist, aber ich denke, dies geht in Ordnung 😉 Den Rest des Tages schlenderten wir fernab der Tourismuswege durch die Gassen, tanken Kaffee und ließen uns echt Zeit. Als dann später doch die Sonne raus kam hatten wir einen schönen Blick von der Rialto Brücke aus. Der Weg zurück zum Bahnhof Santa Lucia führte über den Sestiere (Stadtteil) Cannaregio und die Insel Gheto. Die Insel ist durch die Kanäle nur über 3 Brücken erreichbar und war bis zu seiner Aufhebung 1796 unter Napoleon das abgeschlossene Wohngebiet für die jüdische Bevölkerung in Venedig. Sie lebten zwar getrennt von der Bevölkerung, aber würden dadurch auch geschützt. Alle dort lebenden Juden wurden damals von den Nazis in Konzentrationslager geschafft und die meisten sollten diese nie mehr verlassen… Heute ist das jüdische Leben in Venedig völlig frei und einige Synagogen befinden sich abseits der Insel in Cannaregio.

Wir ruhen uns nun nach diesem langen Tag aus, da selbst ich nach 20.000 Schritten meine Waden spüre. 😉 Für mich ist es gut um langsam in den Rhythmus zu finden und meinen Körper darauf einzustellen den Tag über in Bewegung zu sein. Morgen früh geht es dann weiter nach Neapel und dann über Nacht nach Palermo! Wir freuen uns sehr darauf und heute nach diesem Tag kann ich schon sagen, dass ich es nicht bereue mein Flug storniert zu haben. Alleine schon die ersten 3 Tage waren super schön und daher ein perfekter Start in die Reise! Nebenbei hilft es mir auch, dass ich mich langsam von allem entferne. Ich merke, dass es mir gut tut langsam zu starten und vor allem zusammen mit einem Freund!

Ich möchte mich auch nochmal bei allen bedanken, die am Freitag da waren und an die, die mir geholfen haben, Salat spendeten und meine Kaffeekasse füllten! Vielen Dank!

Weitere Bilder findet Ihr wie immer auf http://www.instagram.com/mkehr91 ! Auch ohne Account 😉

Bis bald,

Euer Michi 😉

365 Tage später…

Am 10. Januar, also vor knapp 1 Jahr landete ich in München nach unserem Trip in der USA. Das Erlebnis in der USA war neben meiner Transalp im vorherigen Sommer das Abenteuer meines Lebens – bis jetzt. Dennoch kam ich daheim an und wollte sofort mit meinem Projekt starten. Leider hatte ich nach dem Flug einen Jetlag und konnte nicht schlafen. Jeder kann sich bestimmt vorstellen mit was ich probierte müde zu werden. Neben dem Schauen von Serien war das Sammeln von Ideen einer Route und das erstellen eines Blogs ein Thema. So wurde der 12. Januar 2019 zu einem speziellen Tag.

Ich gründete mein Blog!

Erst viele Monate später wurden die meisten Personen eingeweiht und mit meinem Projekt und der Homepage vertraut gemacht! Diese Tage voller Schlafmangel durch den Jetlag waren so intensiv und auch die Wochen danach, dass ich an nichts anderes mehr dachte! Es war mein Traum und den konnte mir zu diesem Zeitpunkt niemand mehr nehmen. Heute, 1 Jahr später sind es nur noch wenige Tage/Wochen bis ich diesen Traum leben werde. Es sind wirklich nur noch 41 Tage und ich kann es kaum erwarten! Es ist alles vorbereitet und die Kleinigkeiten, die noch fehlen, werden in den nächsten Tagen erledigt sein. Ich freue mich schon sehr darauf endlich nicht mehr nur von den Vorbereitungen zu reden, sondern unterwegs zu sein und für eine gewisse Zeit in die Freiheit als „Vagabund“ einzutauchen. Die Tage mit all ihren Geschichten und Erlebnissen in mir aufsaugen. Die 41 Tage werden nun wie im Flug vorbei ziehen und so lange werde ich die Zeit mit Familie und Freunden nochmal in vollen Zügen genießen!

Bis dann,

Michi

Vortrag und Planänderungen

Heute haben wir den 15.12.2019 und somit auch den 3. Advent. Es sind somit noch 68 Tage bis zu meinem letzten Arbeitstag und der Abschiedsfeier. Die Zeit hier fliegt und schwindet dahin. Ich merke in den letzten Tagen, wie wichtig mir meine Familie ist. Wenn ich zu meinem Bruder gehe, dann genieße ich die Zeit und probiere jeden Moment zu genießen. Ob das Gespräche sind oder den Kindern Geschichten vor zu lesen oder einfach miteinander spielen. Wenn ich mit Rahel, der jüngsten, die ersten Gehversuche starte und Sie dabei lächelt und von ganzen Herzen lacht. Das sind Erlebnisse bzw. Ereignisse die man oft als alltäglich sieht, aber wenn du weißt, dass Sie älter sein werden, wenn du wieder zurückkommst, dann ist das was besonderes! Eigentlich sollten genau diese kleinen Dinge uns wichtig sein, weil jene das Leben lebenswert machen! Wir genießen solche Momente oft nur zu wenig, weil der alltägliche Stress uns oft im Griff hat!

Vortrag

Am Freitag war ich auf einem Vortrag von Witali. Er ist 4300km durch Europa auf verschiedenen Wegen gewandert. Die geplante Strecke sollte bei Ihm von Trondheim bis nach Porto gehen. Bei Ihm dauerte es von der Idee bis zum Startdatum ca. 8 Monate. Mit seiner Freundin flog er nach Trondheim und die beiden wanderten den Olavsweg entlang nach Oslo. Die beiden liefen jedoch erst Ende August los und somit kamen sie gerade rechtzeitig vor Wintereinbruch nach Oslo. Mit Schlafsäcken, die eine Komforttemperatur von nur 14° hatten, ging es nicht mehr weiter und daher flogen die beiden nach Frankreich um von Le Puy-en-Velay den fast 800 km langen Pilgerweg „Via Podiensis“ nach Saint-Jean-Pied-de-Port zu wandern, danach ging es über die Pyrenäen die Küste entlang über Stantiago de Compestela nach Porto. Diese mehr als 2.500 km lange Strecke meisterten die beiden zusammen. Es gab tolle Geschichten zu erzählen und es tut einfach gut die Richtung zu kennen, aber es nicht bis in das allerfeinste Detail geplant zu haben. Einer der besten Sätze war dieser: „Du lernst nicht nur dich selber besser kennen, sondern auch die Personen mit denen du wanderst. Du redest über alles, währenddessen du wanderst, weil du Zeit hast.“ Ich freue mich wirklich sehr, dass einige Personen gemeint haben, dass Sie mich besuchen werden und ein paar Schritte mit mir zusammen gehen wollen. Beide Arten zu reisen haben ein gewisses etwas und als Alleinreisender sprichst du einfach mit Tieren, singst laut oder führst Selbstgespräche. Ich kenne das von meiner Transalp 😀

Nach einem halben Jahr ging er alleine los von Oslo nach Köln. Er hatte so eine Energie nach der Tour, dass er in seine Arbeit viel Zeit investierte. Nach einem halben Jahr war er wieder total erschöpft und auch nicht mehr körperlich fit, da er kein einziges Mal mehr wanderte. Somit packte er seinen Rucksack und lief die Route von Oslo aus weiter. Auf dieser Route besuchten ihn sein Cousin, seine Freundin und seine Eltern. In allen Ländern war die Gastfreundlichkeit super, aber die schönste Zeit war in Portugal. Ich selber freue mich auch total auf Portugal, da ich die Algarve schon kenne und weiß wie die Menschen dort sind! 🙂

Der Vortrag war sehr gut und ich fand mich auch selber wieder. Letztes Jahr im Sommer machte ich meine Transalp. Die Vorbereitung darauf im Fitnessstudio ging ein halbes Jahr und die Reise selbst ja 22 Tage mit über 1000 km. Du sprühst nach dieser Reise mit so einer Energie und Lebensfreude. Sogar so stark, dass es andere bemerken und dich darauf ansprechen. Wie auch bei Ihm, dauerte es bei mir ein halbes Jahr bis ich in New York merkte, dass ich wieder los muss. Es ist komisch die Gefühle in Worte zu fassen, aber du spürst einen Drang danach deine Abenteuerlust zu stillen. Die Personen, mit denen ich über Neujahr, Januar und Februar darüber redete, haben bestimmt gedacht: „Der spinnt!“. Du kannst dich dagegen nicht wehren und es wäre auch nicht richtig, weil wenn du so einen Drang hast, dann musst du den Traum leben! Jedem dem ich damals damit genervt habe, sage ich hiermit: „Es tut mir Leid!“ 😀

Planänderungen

Lange machte ich mir die Gedanken, ob es richtig ist mit einem Billigflieger nach 2 h in Catania zu sein um einen Tag später loszuwandern. Das sind mal kurz mehrere 1000 km und somit genau das Gegenteil von „Slow Travel“. Außerdem würde ich den Ätna sehen, bevor ich überhaupt los gelaufen bin. Schlussendlich soll er doch das Ziel am Horizont sein, da kurz darauf schon Messina kommt und somit die Überfahrt auf das italienische Festland. Geplant war ja damals, dass ich mit dem Flieger nach Palermo reise um dann von da aus nach Trapani mit dem Zug weiter reise. Ich freue mich nun aber, dass ich mit meinem Kumpel Jochen, der auch mit mir in Amerika war, diese Reise bis nach Trapani antreten werde. Wir zwei werden nun schon am 22. Februar, also am Tag nach meiner Feier, nach Salzburg aufbrechen. Es gibt zwei Zugstrecken nach Italien. Die eine führt über Zürich nach Mailand und die zweite von München über Salzburg nach Venedig. Da wir zwei schon lange einmal Venedig sehen wollten, ist dies aktuell die Chance. An diesem Abend und Vormittag werden wir uns Salzburg anschauen und dann nach Venedig aufbrechen. In Venedig werden wir dann 2 Nächte sein und hoffentlich eine schöne Zeit ohne viel Kreuzfahrtschiffe und Hochwasser zu haben. Nach diesen 2 Tagen werden wir nach Palermo aufbrechen. Zusammen werden wir uns Palermo anschauen und nach Trapani bzw. Marsala fahren. Am 01. März wird Jochen nach Hause fliegen und ich mich auf meine Reise zu Fuß begeben. Es ist einfach genial, dass ich nun meinen Flug stornieren kann und dann sogar die Anreise nicht alleine antreten muss. Auch gibt es einem doch das Gefühl von der „Haustüre“ aus aufzubrechen. 😉

100 Tage…

Hey, heute haben wir den 13. November und es wird langsam winterlich von den Temperaturen her. Der 13. November bedeutet aber auch, dass in 100 Tagen und 58 Arbeitstagen mein letzter Arbeitstag ist und der neue Abschnitt in meinem Leben beginnt!

In den letzten Wochen war ich noch einmal viel mit Freunden unterwegs und habe meine Oma und meinen Dad besucht. Es waren überall schöne Tage und ich habe diese sehr genossen! Meine Oma wurde von mir über das 1. Novemberwochenende überrascht und wir hatten eine sehr schöne Zeit. Wir lachten und redeten viel. Schon seit ich ein kleines Kind bin setzen wir uns hin und machen Kreuzworträtsel zusammen. Solche Tage zeigen mir, dass mir die Familie und Freunde sehr fehlen werden auf meiner Reise. Vor allem aber wird mir meine Oma fehlen, da Sie mich aufjedenfall nicht besuchen kann. Mit fast 87 Jahren ist dies nicht mehr möglich. Im Januar werde ich nochmal eine Woche bei Ihr sein und diese Zeit in vollen Zügen genießen!!!

Bei meiner Ausrüstung hat sich auch etwas getan. Auf der Muswiese konnte ich mir einen gebrauchten Bundeswehr Poncho kaufen. Die sind sehr robust und besser als jede Regenjacke, außerdem schützt Sie mein Zelt auf dem Rucksack vor kleineren Regenschauern, indem ich es darin einrolle. Auch kann ich es als Tarp nutzen. Total verrückt ist, dass ich mich im Oktober für einen Schlafsack entschieden habe! Es war ein langes hin und her… Ich habe zwar schon einen, aber dieser ist aus Kunstfaser und nur bis 10°… Im Frühling, Herbst und Winter natürlich zu wenig. So schaute ich die letzten Monate nach den besten Modellen für Thru Hiker und las mehrere Berichte durch. Am Ende des Tages bestellte ich mir aber ein Modell, was ich erst vor kurzem entdeckt habe. Es handelt sich um den Grüezi Bag ICE. Dieses Unternehmen wurde 2012 gegründet, mit dem Gedanken nachhaltig und mit Wolle zu arbeiten. Die Schlafsackfüllung besteht aus 30% Wolle und 70 % Daunen und wiegt nur 1.100g. Die Wolle kann mit Feuchtigkeit sehr gut umgehen und verhindert dadurch, dass die Daune verklumpt und ich somit nicht friere, wenn es Mal eine nasse Angelegenheit wird! Ich freue mich über den speziellen Schlafsack und bin gespannt, ob er mich durch mein Abenteuer bringt. Ein weiteres Feature ist, dass ich unterhalb an den Füßen den Schlafsack separat öffnen kann, wenn es zu warm ist. Außerdem kann ich durch Innentaschen meine Akkus bei Kälte schützen und durch eine Öffnung meine Kleidungsstücke vorwärmen und als Kopfkissen nutzen. Hier geht es zum Schlafsack:

Biopod DownWool Ice 175

Eine weitere Neuigkeit ist, dass ich meine Wohnwand an eine Organisation geben konnte für Sozialschwache Familien. Gestern wurde diese bei mir abgeholt. Einerseits erspart mir es Zeit diese wegzuschmeißen und andererseits kann sich jemand daran erfreuen und sie weiterhin nutzen! 🙂 Jetzt muss ich nur noch meine Waschmaschine und mein Auto loswerden. Falls Ihr jemanden kennt, dann meldet euch bei mir! 😀

Ich freue mich jeden Tag mehr auf mein Abenteuer! Bis bald! 🙂 #footstepsforhappiness

Mut oder doch Vertrauen?

Wie oft höre ich in letzter Zeit den Satz „Du bist mutig? So ganz alleine und dann auch noch in Sizilien!“. Auf diesen Satz antworte ich oft wie aus der Pistole geschossen. „Ach was, das kann doch jeder machen, wenn er möchte und die Umstände es zulassen.“

Wenn ich dann für mich bin und mir über dieses Wort „Mut“ wieder Gedanken mache, dann merke ich wie mein Kopf verschiedene Verbindungen herstellt zu diesem einen Wort. Natürlich gehört viel Überwindung dazu ein sicheres Leben gegen ein Abenteuer einzutauschen und ja, eine gewisse Portion Mut gehört dazu. Andererseits könnte aber auch der Gedanke hoch kommen, dass es feige ist nicht sesshaft zu werden. Es kommt immer auf die Sichtweise an.

Wenn dieses Wort alleine steht, ist es sehr mächtig und vermittelt oft Angst neue Wege zu gehen. Für mich bedeutet Mut nicht nur, dass ich etwas wage, sondern auch Vertrauen. Nicht nur Vertrauen in mich selbst und meine Stärken, sondern auch Vertrauen in andere Menschen. Es ist auch mutig auf andere Menschen zu zugehen. Es ist mutig mit jemand seine Gedanken, Sorgen und Nöte zu teilen. Es ist mutig zu seiner Meinung zu stehen, auch wenn andere Menschen einer anderen sind. – Und ja, es ist mutig neue Wege zu gehen und alles hinter sich zu lassen. Wenn ich es aber anders formuliere, dann ist da auch Vertrauen. Ich vertraue darauf, dass ein Mensch mich nicht abweist, wenn ich auf Ihn zugehe. Ich vertraue darauf, dass jemand sich meine Gedanken, Sorgen und Nöte anhört. Ich vertraue darauf, dass der andere Mensch meine Meinung respektiert. Ich vertraue auf meinen Körper, dass er mich Schritt für Schritt durch das Abenteuer leitet.

Die Kombination Mut und Vertrauen gibt mir an Tagen, an denen ich zweifel oder ich zum zigsten Mal meine Ausrüstung checke, das richtige Gefühl! Deswegen sage ich jedes Mal zu mir selber: „Umso mehr Vertrauen ich in mich und andere habe, umso weniger Mut ist notwendig den nächsten Schritt zu tun!“. Leich ist das nicht, aber mit jedem bisschen wird es besser.

Unter den sogenannten „Thru Hiker“, so nennen sich Menschen die Fernwanderwege komplett von Anfang bis Ende laufen, gibt es den Spruch: „The trail provides!“. Schon während meiner Transalp letztes Jahr hat mich dieser Satz getragen und am Ende kam ich immer gesund und wohlbehalten an meinem Ziel an. Es ist ein gewisses Vertrauen in diesen Spruch, der dir in schwierigen Phasen Kraft geben soll. Ich habe bisher weiterhin nur einen groben Zeitplan der nach Kilometer geht und auch nur grobe Ziele, die ich auf jedenfall sehen und erleben möchte. Ansonsten werde ich mich buchstäblich überraschen lassen und Schritt für Schritt meinen Weg gehen 🙂

P. S. Ist der Spruch „The trail provides!“ nicht auch passend für den normalen Lebensalltag? Mal darüber nachdenken 😉

Gruß Michi

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