Traum futsch – Aufgeben? Nie im Leben, man muss sich nur zu helfen wissen! ;)

Vor genau 70 Tagen stieg ich in den Flieger in Richtung Frankfurt! Das sind 70 Tage, welche ich unterwegs hätte sein können. In diesen 70 Tagen hätte ich es aus eigener Kraft auf das italienische Festland geschafft und wäre aktuell auf dem Weg nach Rom. Ein paar Wetteinsätze wären schon eingelöst wurden. Die Situation ist sehr irreal und abundzu kann ich es immer noch nicht fassen, wie sich das Blatt gedreht hat. Ich habe natürlich gewusst, dass es kein leichter Weg wird und einem auch mal Steine in Weg gelegt werden. Auf einen Rückflug nach Deutschland und nicht weitergehen zu können, war ich aber nicht vorbereitet!

Abends, wenn ich wach liege, dann überfällt einem natürlich die Traurigkeit, dass der „eine Traum“ so nicht mehr möglich ist. Wenn wir es ganz nüchtern betrachten, ist es nicht möglich zu Fuß noch rechtzeitig in den Süden zu gelangen um einen milden Winter zu erleben und somit im nächsten Frühling/Sommer wieder nach Norden aufzubrechen. Dieser Traum und diese Idee ist dahin. Von Anfang an wollte ich zu Fuß unterwegs sein, da man hier auf Pfaden untwerwegs ist, die nur schwer mit dem Fahrrad zu befahren sind und es auch ein langsameres Reisen an sich ist. Daher habe ich mich auch dazu entschieden, mein Projekt „Footsteps for Happiness“ zu nennen. Der Spendenlauf war ein tiefgehegter Wunsch, der nun leider auf Eis liegt!

In den letzten Wochen dachte ich viel darüber nach, wie es weitergeht. Natürlich habe ich „Zeit“, weil ich keinen Termin habe, an dem ich wieder an einen Arbeitsplatz zurückkehren müsste, aber „Zeit“ ist relativ. Die Zeit in Deutschland kostet natürlich auch mehr Geld, da eine Krankenversicherung in Deutschland nicht gerade günstig ist. Sagen wir es so: 2 Monate krankenversichert in Deutschland und du hast den Jahresbetrag einer guten Auslandskrankenversicherung. Dies im Hinterkopf zu haben ist nicht gerade positiv um den weiteren Weg zu planen. Du rechnest Routen durch und planst deine Wege. Etwas, dass ich nie so genau wollte. Meinen Weg wollte ich grob wissen, aber die Dauer und wie viel KM am Tag wollte ich von Anfang an nie planen. Ich machte mir in den letzten Tagen sehr viel Druck, weil ich wusste, dass die Lockerungen in Deutschland ein Neubeginn ab Pfingsten wieder zulassen. Selbst bei den Wanderungen in Rheinland-Pfalz musste ich jeden Tag planen, wie ich mit den Zug hin und zurück komme. Diese Art von wandern bzw. reisen ist nicht die, die ich für meine Auszeit wollte. So plane ich normale Rundwanderungen in einem geregelten Alltag, wenn man zum Beispiel an einem Wochenende unterwegs sein möchte, aber nicht eine Reise, die mehrere Monate dauern soll. In der letzten Woche war mir dann klar, dass ich das so nicht will. Ich will mich frei bewegen können und ich will vor allem noch nicht aufgeben! Die Chance, dass ich dieses Jahr noch in den Süden kann ist theoretisch da, auch wenn mir bewusst ist, dass nochmals eine 2. Welle der Corona Pandemie ausbrechen könnte. Ich möchte jetzt noch nicht aufgeben und dazu muss ich schneller unterwegs sein, aber dennoch frei und ohne Druck.

Vom Bodensee bis zum Genfer See, um den Mont-Blanc herum und auf der Skipiste am Matterhorn ins Tal. Das war der Weg, den ich mit meinem Fahrrad vor knapp 2 Jahren (Ende Juni 2018) zurücklegte. Der Ursprung dieses Projekts! An diesen Tourtagen fuhr ich zwischen 40 – 60km pro Tag auf Wanderwegen. Das hieß, bergauf oft schieben und tragen und bergrunter „krachen lassen“. Ich habe es damals geschafft und konnte die Tage und die Landschaft sehr genießen! Nach diesen Sätzen wisst Ihr denke ich auf was es hinausgeht. Viele haben zu mir vor der Tour gesagt: „Ich wusste du ziehst es durch, aber ich dachte mit dem Fahrrad…“ Die Idee war immer evtl. mal auf das Fahrrad umzusteigen, wenn ich möchte bzw. die Tour länger wird. Komischerweise kam mir dieser Gedanke über diese Möglichkeit erst vor ein paar Tagen. Nach einem kurzen Telefonat mit meinem Bruder klärte ich die Übernachtung ab und bestellte mir 2 Gepäckträgertaschen und einen Gepäckträger für mein Mountainbike. Es wird nun eine Fahrradreise und genauso wie ich bei meiner Transalp an mehreren Tagen wanderte, werde ich es auch auf dieser „neuen“ Tour machen. Ich schnüre mir nun zwar nicht jeden Tag meine Wanderschuhe, aber ab und zu wenn ich möchte, werde ich mit Rundwanderungen meine Pausentage füllen. Ich weiß, dass ein „Spendenlauf“ geplant war und das Fahrrad auch nicht zu „Footsteps for Happiness“ passt, aber es die einzige Möglichkeit meinen Traum am Leben zu lassen. Seitdem ich mich dafür entschieden habe, ist der innere Druck total abgefallen. Ich muss keine Tour mehr nach km planen, sondern nach den Zwischenzielen. Es tut sehr gut!

Leider sind aktuell viele der Wetteinsätze nicht einlösbar, da entweder der zu enge soziale Kontakt ein Thema ist oder weil der Ort nicht erreichbar ist, da ich die Tour abbrechen musste. Ich hoffe, dass wenn auch erst im nächsten Jahr, eure Wetteinsätze noch gelten. Ich würde mich sehr freuen! Dennoch möchte ich nicht einfach meine Reise fortsetzen und keine Spenden generieren. Das ist und war der Grundgedanke hinter meiner Auszeit. Aktuell leiden viele von uns unter den Coronaeinschränkungen. Der eine mehr und der andere weniger. Viele Mütter haben natürlich einen komplett anderen Tagesablauf und den Kindern fällt es schwer ohne Schule einen geordneten Alltag zu haben. Viele sind auch leider nur noch mit Kurzarbeit beschäftigt und müssen somit mit weniger Gehalt zurecht kommen. Aber auch wenn es uns mit der Situtation gerade nicht gut geht, ging es anderen Menschen schon vor Corona schlecht und mit Corona nun noch schlechter. Natürlich sind viele Organisationen aktuell auf Spenden angewiesen und ich könnte für jede einzelne Personengruppe sammeln, aber ich möchte mich auf zwei Organisationen beschränken. Die Hygiene ist in Zeiten von Corona noch wichtiger geworden und sowohl in vielen Gebieten auf der Welt, als auch in Flüchtlingslagern in Griechenland ist die Hygienelage schlecht! Durch die abgesagten Festivals und Konzerte in diesem Jahr fehlt der Organisation „Viva con Agua“ aus St. Pauli die Einnahmen aus den Pfandbechern. Ich selber bin bei dieser Organisation Fördermitglied und habe mir auf www.goldeimer.de ein paar Mund-Nasenmasken für meine Tourfortsetzung gekauft. Der Erlös geht hier an Viva con Agua oder an die Zivile Seenotrettung. Auch die zivile Seenotrettung ist weiterhin ein wichtiges Thema! Auch Corona verhindert die Flucht vor Gewalt, Krieg und Hunger nicht. Wenn jemand gerne für die zivile Seenotrettung (#LeaveNoOneBehind) spenden möchte, darf das gerne tun. Hauptsächlich unterstützt Ihr hier die Maßnahmen gegen Corona in den Flüchtlingslagern. Wie Ihr für Viva con Agua und die zivile Seenotrettung spenden könnt, erfahrt Ihr hier!

Am Samstag wird es voraussichtlich losgehen und ich werde mit meinem Drahtesel aufbrechen. Grob gesagt geht es in Richtung Norden zur Ostsee. Wie der Weg ist und wie es danach weitergeht plane ich nicht. Ich werde dankbar um jeden Tag sein und diese Zeit genießen. Mit Abstand und Solidarität, werde ich reisen und ich hoffe trotz Corona nette Menschen kennenzulernen! Der Weg ist das Ziel und ich werde mich überraschen lassen! Die Taschen am Fahrrad werden am Freitag fertig gepackt. Die neuen Fahrradtaschen von Ortlieb sind der letzte Baustein der Bikepacking Produktpalette. Die anderen Dinge hatte ich schon vorher. Ich kann damit alles transportieren, was ich auch in meinem Wanderrucksack gepackt hatte. Neben einer größeren Powerbank kann ich nun auch ein paar Dinge mitnehmen die vorher weichen mussten. Mein gewonnenes MTB Trikot, mit der Unterschrift des deutschen Meisters von 2018 darf natürlich nicht fehlen. Ich gewann es damals über Instagram, als ich die Skipiste am Matterhorn herunterfuhr. 🙂

Also, seid weiter dabei bei meinem neuen Abschnitt und vor allem bleibt gesund! Leider konnte zur Zeit von Corona nicht alle besuchen, aber wir holen das nach, wenn ich wieder heimkomme. Ein positiver Nebeneffekt ist nun, dass ich wirklich von der Haustür aus aufbreche! 😉

Bleibt gesund!

Euer Michi

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