Auf einmal in Berlin :) – Weiter geht’s !

Am 22. Februar bin ich mit dem Zug nach Salzburg gefahren und ziemlich genau 3 Monate später startete ich jetzt mit dem Fahrrad ins Blaue. Mehr als der Plan über Umwegen ans Meer zu kommen gab es nicht und gibt es bisher auch noch nicht. Nach 20 Tagen, die ich nun schon wieder unterwegs bin, sitze ich in Potsdam am alten Markt in einem Café (11. Juni). Hätte mir das jemand vor 4 Wochen gesagt, dann hätte ich gesagt: „Vielleicht besuche ich mal Potsdam, wenn ich mal wieder in Berlin bin.“ An eine Fahrradreise mit über 1000km habe ich damals noch nicht gedacht!

Nachdem ich mich für meinen Drahtesel entschieden habe, war klar, dass ich auf unbestimmte Zeit mit undefinierten Ziel unterwegs sein werde. In der aktuellen Phase wollte ich nichts planen und mir somit einen innerlichen Druck aufbauen, der bei meinem Ehrgeiz automatisch hoch kommt. Wenn ich an die letzten Tage zurück denke, dann sehe ich es einfach als Geschenk reisen zu können. Auch wenn die Wanderschuhe erst einmal am Nagel hängen, kann ich zwar schneller, aber immer noch langsam reisen. Ein Gefühl, dass ich immer mehr zu schätzen lerne.

Der erste Tag meiner Reise war ein stark verregneter Samstag, doch ich wollte los und nicht noch mehr Zeit vergehen lassen und so radelte ich trotz der Nässe los. Am ersten Tag ging es also vom Elternhaus los, mit dem Ziel zum Main zu kommen um dort entlang in den Osten zu meiner Oma zu gelangen. Wann, wo und wie war noch nicht geplant. So kam schon die erste spontane Wende in Lauda, wo ich nicht nach Wertheim weiter fuhr, sondern nach Würzburg abbog. Die Nacht verbrachte ich im Wald an einer Wanderhütte. Mein kleines Zelt sollte wieder mein Zuhause werden. Die erste Nacht war aber noch komisch und so war ich immer wieder wach. Mit den Vögeln aufzustehen, war dennoch ein tolles Gefühl. So kam ich schon früh in Würzburg an. Dort angekommen, wollte ich mein Hinterreifen aufpumpen, doch durch ein verbogenes Ventil ging die Luft eher raus als rein. So wechselte ich meinen Schlauch, da es sich um ein Flexschlauch handelte wurde der mit einer Handpumpe nicht voll. So entschied ich in Würzburg ein Abend zu bleiben, da Sonntag ist und am Tag drauf die Fahrradläden aufmachen. Am folgenden Tag fuhr ich dann mit aufgepumpten Reifen und Adapter für das Aufpumpen an Tankstellen los. Der Main war dann bis Bischofsgrün im Fichtelgebirge mein Begleiter. Es ging über die Ortschaften Ochsenfurt, Kitzingen, Volkach, Bamberg, Kronach, Kulmbach. Neben diesen Städten gab es natürlich auch kleine schöne Ortschaften. Die Ortschaften am Main haben sehr schöne Fachwerkhäuser und einladende Marktplätze. Das Highlight war natürlich Bamberg! Die Insel- und die Bergstadt sind total schön und dank Patricia konnte ich über Couchsurfing die Stadt einen Tag länger genießen. Habe eine Wanderung zur Altenburg machen können und bin durch die Gassen geschlendert. Abends waren wir bei einem Italiener essen. 🙂 Auch ein großes Dankeschön geht an Anna und Ronja in Kulmbach, auch hier konnte ich übernachten und es gab eine leckere vegetarische Lasagne für mich! Mein Zelt wurde nach 2 weiteren Nächten immer mehr mein Zuhause. Auf den Weg nach Bischofsgrün hatte ich dann meine ersten richtigen Steigungen. Dort konnte ich mit einer Wanderung den Tag auf dem Ochsenkopf ausklingen lassen. Mich erinnerte das an das damalige Schullandheim. Wir waren da in einer Jugendherberge bei Bischofsgrün. Der Main bietet schöne Landschaften. Um Würzburg herum mit Weinbergen und ab Kitzingen wurde es flacher und spätestens seit Bamberg kam dann die Bierregion. Links und rechts hast du jeweils verschieden Mittelgebirge in Franken. Der schönste Abschnitt war die Mainschleife bei Volkach mit seiner Auenlandschaft. Hier durfte ich auch auf einer Wiese am Main zelten. Das war wunderschön abends am Bootanlegeplatz zu chillen!

Von Bischofsgrün ging es sehr früh in Richtung Erzgebirge nach Zwönitz. Mein sportlicher Ehrgeiz hat mich hier gepackt und ich wollte an meinem Geburtstag bei meiner Oma und meinem Dad sein. So knackte ich an diesem Tag die 100km mit genau 150km. Die 2.000hm waren natürlich anstrengender als am Main entlang zu fahren. Die Fahrt durch das Fichtelgebirge, durch das Vogtland ins Erzgebirge war sehr schön. Das Vogtland hat mich sehr positiv überrascht! Bisher kannte ich es nur vom Namen und von der Autobahn aus. Die Fahrt über die ehemalige Grenze war ein besonderer Moment. In diesem kleinen Moment habe ich verstanden, was es wieder heißt frei unterwegs zu sein. Das Gefühl kann man nur schwer in Worte fassen. Hier begriff ich wieder was langsam reisen und etwas aus eigener Kraft zu erreichen bedeutet. Das sind Glücksgefühle die einfach viel stärker sind als die Eindrücke, wenn ich mit dem Auto, Zug oder Flugzeug reise. An dem Tag kam ich erst um 18 Uhr an bei Rainer und Annette. Am Abend fiel ich erschöpft in einen tiefen Schlaf. Am Sonntagmorgen (Pfingstsonntag) startete ich in den Tag mit einem tollen Geburtstagsfrühstück. Frisch gestärkt ging es dann nur 50km, über Chemnitz nach Erdmannsdorf. Auf dem Weg sah ich viele Familien mit dem Bollerwagen wandern und traf zufällig einen alten Kollegen aus Chemnitz. So klein ist die Welt. Meine Oma war natürlich total überrascht und es tat so gut Sie zu sehen und mir ihr zu reden, auch wenn wir wegen Corona den gesunden Abstand hielten. Natürlich hat eine Umarmung gefehlt… Ich blieb 2 weitere Tage bei meinem Dad und meiner Oma um danach die Reise von meinem Elternhaus bis zu meinem Geburtsort Dresden zu vollenden! Die Fahrt aus dem Erzgebirge in das „Elbflorenz“ ging es über die Augustusburg durch Freiberg, welches ein schönes kleines Bergbaustädtchen ist. Auf dem Markt angekommen, klingelte am Rathaus das Steigerlied. Es ging auch hier bergauf und bergab. Hauptsächlich durch schöne Wälder und Dörfer. Typisch für das Erzgebirge sind langgezogene Dörfer, wo es oft nur eine Dorfstraße gibt und dafür der Ort mal mehrere Kilometer lang ist. Als ich in Dresden angekommen war musste ich die Faust ballen und mal einen Schrei rauslassen. 🙂 An der Frauenkirche aß ich im Kaffee erst einmal eine „Eierschecke“. Der Klassiker muss sein!!! Die Tage in Dresden genoß ich mit Papa bei Karli und Johanna. Es war eine sehr schöne Zeit mit tollen Gesprächen und viel Zeit als Vater und Sohn. Es war einfach toll! Seit Jahren war ich mal wieder in der Dresdner Neustadt. Dresden ist einfach schön!

Nun ging die Reise weiter und das nächste große Ziel war Berlin! Doch nicht über die Elbe und die Havel am Fluss entlang, sondern ich wollte durch die Lausitz und den Spreewald. Von Dresden ging es an der rechten Elbseite entlang in die „Porzellanstadt“ Meißen. Der Dom und die Altstadt sind toll. Vorher hielt ich noch spontan in Radebeul im „Karl-May Museum“ an. Die Filme liebte ich als Kind und somit war für das kleine Museum genug Zeit. Die Strecke an der rechten Elbseite ist ohne Autos und dadurch sehr ruhig. Von Meißen ging es durch die Wälder zum Jagdschloss Moritzburg. Wer das Märchen „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ kennt, weiß wie schön das Schloss. Ich hasse den Film ja insgeheim, weil der immer an Weihnachten lief… 😀

Bei Moritzburg campte ich an einem See und es gab leckeren Norddeutschen/Sächsischen Kartoffelsalat mit Bockwurst. Lecker!!! Der nächste Tag war verregnet, aber sehr schön. Es ging fast nur durch Wälder auf einsamen Fahrradstraßen. Das war einfach wundervoll. Dann die kleinen, alten Dörfer. Die Lausitz hat neben den vielen Wäldern auch sehr schöne Seen zu bieten. Früher waren das Gebiete für den Braunkohleabbau und bis heute wird an der künstlich geschaffenen See- und Waldlandschaft gearbeitet. Leider ist es aber dort wie auch in Brandenburg sehr trocken, daher tat der Regen gut! Am Senftenberger See konnte ich mein Zelt aufschlagen und fühlte mich schon so wohl, dass der Regen in der Nacht beruhigend wirkte. 😀

Der 12. Tag ging nun durch die Lausitzer Seenlandschaft, über den Spreewald nach Cottbus. Dort hatte ich wieder ein Quartier bei Reinhard. Die Tour war mit 114km zwar lang, aber durch den frühen Start im Zelt war ich um 16 Uhr rum in Cottbus. Die Dörfer im Spreewald sind einfach toll und mit den kleinen Kanälen und Flüssen ist es einfach einer sehr spezielle und einzigartige Gegend! Hier gibt es sogar noch Ortschaften die als „Kolonie“ gelten, weil die früher dort angesiedelt wurden um die Moorlandschaft zu bewirtschaften. Die Ortsschilder, sind wie auch in der Lausitz, jeweils in Deutsch und Slawisch angeschrieben. Die Slawen sind als Minderheit schon seit Jahrhunderten in diesem Gebiet anerkannt. In Cottbus plante ich mit Reinhard meine Tour nach Woltersdorf bei Berlin. Anstatt direkt an der Spree entlang ging es über die Heidelandschaft nordöstlich von Cottbus. Zwar waren es am Ende 160km, aber die Heidelandschaft und die Abgeschiedenheit der Dörfer zu erleben war eindrucksvoll! Auch lange Waldabschnitte waren dabei und ab Beeskow ging es dann entlang der Spree über Fürstenwalde nach Woltersdorf. Ich muss aber sagen, dass erst der letzte Abschnitt bei Grünheide (nach Fürstenwalde) schön war. Ansonsten war der Radweg nicht so besonders und die Spree oft nicht zu sehen. Bei Lydia und Jimmy konnte ich mein Erbseneintopf machen und hatte ein Gästezimmer für mich. Der Ort Woltersdorf ist mit seiner kleinen, alten S-Bahn und seiner alten Schleuse am Flakensee was besonderes. Die S-Bahn erinnerte mich an die in Lissabon. Von dort aus ging es dann am Folgetag über Köpenick und den Mauerweg nach Berlin Mitte. Ich erlebte so zum ersten Mal die Stadtteile Köpenick und Treptow. Ich lies mir Zeit beim Fahrrad fahren und auch wenn ich den Alexanderplatz, die East Side Gallery usw. kannte, war es mit dem Fahrrad etwas besonderes. Am Brandenburger Tor traf ich andere Radfahrer und als der eine fragte: „Start oder Ziel?“ und ich mit „Weder noch!“ antwortete, kapierte ich was ich hier mache und ich war stolz auf mich. Ich stand am Brandenburger Tor bin über 1.200km gestrampelt von der Haustüre aus. Krass! Steffen, mein Gastgeber für die nächsten 2 Tage, riet mir den Teufelsberg. Eine der Schuttberge im Grunewald. Dort war von den Amerikanern eine Abhöranlage errichtet wurden und heute steht diese als Kunstobjekt für die Graffitiszene zur Verfügung. Nebenbei hat man für 5€ einen tollen Ausblick auf Berlin. Spitze!

Den heutigen Tag war ich erst in Berlin am Marienviertel und dem Nikolaiviertel. Eine der Gründungsviertel Berlins. Im Nikolaiviertel gibt es eigentlich tolle, günstige Museen und Cafés. Aber diese hatten wegen Corona noch zu. Auch das jüdische Museum. So entschied ich kurzerhand nach Potsdam mit der S-Bahn zu fahren und genoss dort die restaurierte Altstadt. Die Stadt sollte in der DDR eine sozialistische Stadt sein und somit wurde, wie auch in Berlin alte Bauten abgerissen. Heute noch wird die Altstadt herausgeputzt und wieder an früher angeglichen. Die große Kirche ist wunderschön, doch auch die Friedenskirche am Schloß Sans Souci hatte seinen Charme.

Ja, wie geht es jetzt weiter? Ich habe aus den ersten Tagen meiner Tour gelernt, dass jede Landschaft und jeder Tag etwas besonderes ist und ich ohne großartigen Plan diese Eindrücke aufsaugen und genießen kann! Auch wenn ich nicht jedes Museum und jedes Gebäude anschaue, bleibt der äußerliche Eindruck bestehen. Und manchmal denke ich auch, dass das ausreicht. Wie wenn man einen Gipfel von unten oder einer gewissen Höhe bestaunt. So geht es morgen weiter nördlich durch Brandenburg nach Mecklenburg-Vorpommern und an die Ostsee. Meine zurück gelegten Strecken könnt Ihr hier einsehen:

https://www.komoot.de/collection/891992/-footsteps-for-happiness

An der Seenplatte werde ich 1-2 Tage chillen. 🙂 Mehr ist weiterhin nicht geplant. Wenn aber alles klappt bin ich in ein paar Tagen am Meer!!! 🙂

Mir geht es gut und ich genieße die sozialen Kontakte und die Gespräche. Bedanke mich bei allen für die herzliche Gastfreundschaft! Die Landschaft in Deutschland ist so abwechslungsreich und schön! Auch wenn mir Südeuropa fehlt, lerne ich auf jeden Tag was unser Land zu bieten hat. 🙂

Bis die Tage und bleibt gesund!

Gruß Michi 🙂

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