Willkommen im Norden!

Seit Berlin sind nun 11 Tage vergangen. Das waren 11 Tage die einfach wunderschön waren und durch spontane Entscheidungen und Treffen zu einem unvergesslichen Abschnitt der Reise werden. Doch eines nach dem anderen! 😉

Als ich in Berlin gestartet fuhr ich von Falkensee den Mauerweg weiter entlang. Der Ort Falkensee gehörte zur damaligen DDR und hat seine Geschichte von 1945 bis 1990 auf Tafel aufgeschrieben und Aussagen von Zeitzeugen hinzugefügt. Die Aussage von einer Oma, dass Sie das Tischtuch bewegt hat, wenn ihre Enkel gewunken haben, hat mich sehr berührt. Sie durfte nicht zurück winken… Auch der Ort Heiligensee, wo ich durchfuhr war vom Berlin durch eine Mauer getrennt. In Heiligensee ist noch ein Wachturm erhalten und dient als Museum. Das krasseste an diesem Turm war die Zelle, wo dunkel war und sehr eng. Ein langes und tiefes Gespräch hatte ich mit dem ehrenamtlichen Helfer. Er hat mir einige Geschichten erzählt. Der Mauerweg führt immer vorbei an den Zaunpfahlen von früher. Bei manchen Gärten existieren die damaligen Zäune immer noch als Grundstückeinzäunung zum Weg hin. Neben dem geschichtlichen Aspekt ist der Weg auch landschaftlich sehr schön. Doch der Tag sollte heute weiter mit Geschichte gefüttert werden und so ging es nach Oranienburg zum KZ Sachsenhausen. Die Stadt Oranienburg ist früher Bötzow und wurde durch das Geschenk an Louise Henriette von Oranien in „Oranienburg“ abgeändert. Die Stadt selbst hat einen schönen Schlosspark, aber der Eintritt war mir es nicht wert und außerdem wollte ich mir Zeit für das KZ nehmen. Ich werde keine großen Worte darüber verlieren. Wenn ich heute noch an einige Geschichten denke, wird mir mulmig und übel. Jeder sollte einmal in so einem KZ gewesen sein und sich das anschauen. In diesem ist der Audio Guide sehr gut und wird von Berichten durch Zeitzeugen gefüllt. Sehr interessant ist auch die Nutzung in der DDR, da waren viele neue Dinge für mich dabei, wo ich nicht wusste. Das KZ war riesig und diente als Muster für alle weiteren. Ein Thema möchte ich beschreiben, was mich heute immer noch bewegt… Es gab nach dem Tor den Appellplatz und ein Kreis mit verschiedenen Untergründen. Immer ein Quadrat war anders beschaffen in diesem Kreis. Die Häftlinge, vor allem Juden und Homosexuelle mussten mit Militärstiefeln, die oft nicht passten den ganzen Tag den Kreis entlang laufen. Das makabere war, dass dieser Marsch immer an der SS-Küche vorbei ging… Der Grund war das Testen von den Stiefeln für den Krieg. Im Grunde war es nur zur Belustigung der Soldaten. Es gibt viele solche makaberen Geschichten die ich gehört habe. Wichtig ist nur eines, bitte tut alles daran nie wieder Fremdenhass und solch eine Gewalt in unserem Land zuzulassen. Einfach nur grausam. Der Tag war sehr heiß und die Tour nach Zehdenick auf den Campingplatz an der Havel entlang war schön, aber ich konnte das Erlebte nicht aus dem Kopf bekommen… Auf einer alten Ziegelei und an der Havel ging es früh ins Bett. Am nächsten Morgen ging es erst bei leichten Schauer und später mit drohendem Gewitter Richtung Mecklenburg-Vorpommern. Eigentlich war der Plan bis nach Neubrandenburg auf einen Campingplatz zu fahren, aber das Gewitter nahte bei Neustrelitz. So suchte ich mir dort ein billiges Zimmer und kurz nach der Dusche brach das Gewitter los. Mehrmals den Abend und die Nacht kam ein richtig krasser Schauer herunter. In der Nähe gab es auch Überflutungen. Die Stadt Neustrelitz entdeckte ich nur bei meinem Spaziergang als es kurz trocken war.

Die nächsten 3 Tage an der Seenplatte in Mecklenburg waren wunderschön. Die Landschaft ist einfach toll und die Seen laden zum Baden ein! Bei Dietmar kam ich in Waren (Müritz) unter und durfte neben Grillbuffet auch mal mit dem Boot auf der Müritz fahren. Die Zeit bei Gaby und Dietmar war spitze und der freie Tag in Waren am Strand und später mit der Bootstour fühlte sich wie Urlaub an! Am dritten Tag ging es dann mit dem Fahrrad weiter nach Krakow am See über Malchow und dem Drewitzer See zum Zelten. Als Kinder waren wir mal an diesem See Baden und er ist immer noch genauso schön klar und der Boden ist mit Sand bedeckt. Herrlich! Die Natur ist dort so toll, dass ich froh bin dieses Gebiet mitgenommen zu haben. In Krakow am See hatte ich tolle Gespräche mit meinen Zeltnachbarn. Leider war die Nacht scheisse, weil eine 82-jährige Probleme mit dem Herz hatte beim Zelten und somit der Krankenwagen sie abholen musste. Ich fand es sehr krass, wie alt Sie ist und hoffe Ihr geht es gut! So war es nur eine sehr kurze Nacht. Doch es stand Rostock an – also nix wie los!

Die Tour nach Rostock war gegen Mittag schon fertig, da ich früh los bin und somit die 80km schnell hatte. Mit Bea, mein Gastgeber, tranken wir einen Kaffee und bald waren auch 2 andere mit dabei und wir chillten bis gegen 16 Uhr um dann in einer Kneipe später die 2. Liga anzuschauen. Der VfB gewann!💪🙌 Vor der Kneipe zeigte mir Bea noch Rostock und ich war echt positiv überrascht. Es ist eine schöne Stadt und mit der teilweise erhaltenen Stadtmauer und dem Tor echt toll! Krass war, dass in der alten Kirche nun Wohnungen mit Balkon existieren. Sachen gibts! 😉 Bea wohnt direkt am Stadion und da Hansa daheim spielte hörte man die Schreie der Spieler bis ins Zimmer! Die Corona Zeit ist verrückt.

Da Rostock keinen Sandstrand hat, sondern erst in Warnemünde, kam noch kein anbaden in der Ostsee in Frage. Ich überlegte erst den Berlin – Kopenhagen Radweg, welche ich von Berlin aus gefolgt bin, zu vollenden, aber in Dänemark benötigt man aktuell 6 Tagesbuchungen im Voraus. Da ich aktuell alles spontan mache und nicht weit voraus plane, war das keine Option. Von Rostock aus ging es über Warnemünde, die Insel Poel nach Wismar zu Enrico. Die Strecke war vor allem stark durch viel Touristen überlaufen. Das Ostseebad Heiligendamm war um 10 Uhr schon brechend voll. In Warnemünde hatte ich frühs gegen 8 Uhr viel Glück. Das Fischbrötchen genoss ich ohne Touris. Der schönste Teil war die Umrundung der Insel Poel. Es ist eine kleine, ruhige Insel und nur wenige Leute waren an diesem Tag dort. So genoss ich die Rundfahrt auf der Insel mit den bunten Wiesen in vollen Zügen! Ein Bad in der Ostsee gab es jedoch leider nicht, da es zu dem Zeitpunkt kühl und schattig war. Ein Kaffee und ein kleines Mittagessen am Strand war aber drin! 🙂 Später traf ich noch Christian, auch ein alter Kollege auf der Insel. Er kam mit dem Motorrad und wir machten eine kleine Rast. Mit Enrico und seinen WG Kollegen hingen wir noch in der Küche ab, nachdem ich Wismar mir angeschaut habe und wir beim Chinesen was kleines aßen. Es war ein toller Abend und auch das Frühstück in einem Café war super! Mit Enrico fand ich einen Gleichgesinnten, weil er selber hat sogar schon 11.000km durch Europa zurückgelegt! Somit entstanden spannende Gespräche und er empfiehlte mir „Warmshowers“. Die Plattform ist ähnlich wie Couchsurfing nur für und von Radfahrer. Die Stadt Wismar ist total schön, zwar klein, aber mit den Bürgerhäusern und den Ziegelbauten echt ein kleines Schmuckstück. Die Altbauwohnung hat mir auch sehr gefallen!

Schon am Abend in Wismar fing es an stark zu regnen und es hielt die ganze Nacht und bis Mittag an. Ich bin dennoch gefahren und lies mich dadurch nicht beirren. Mit Musik auf den Ohren ging es nach Travemünde. Der Ansporn war, dass ich dort Hans-Georg (HG) traf von unserer IT Truppe. Das war total spontan und echt genial! Auch wenn es nur kurz war, war es echt cool! Das lustige war als ich mit Sandalen und pitsch nass in das Lokal reinlief und fragte ob ein Tisch frei ist und als er mir meinen Tisch zeigte, meinte ich, dass ich mich erst mal frisch mache und er schaute an mir herab und musste grinsen. Durch die nassen Feldwege war ich mit Dreckspritzern gepunktet und alles war nass und wenn dann jemand mit Sandalen reinkommt sieht das bestimmt behämmert aus 😀 Das mit den Sandalen habe ich mir aber angewöhnt, weil ich somit schnell bei Sand die Dinger ausziehen kann und es nichts macht, wenn sie dreckig werden. Ich habe solche Regenüberziehschuhe zwar, aber was soll’s 😀

Nach dem kleinen Plausch und einer Stärkung ging es für mich weiter zum Segelboot von Andreas. Er lud mich über das Wochenende auf seinem Boot ein. Was mich so freute, weil segeln einfach total Laune macht und es sollten zwei wunderbare Tage werden! Das Boot lag an der Herreninsel und somit musste ich mit dem Bus Shuttle dort hin, da der Herrentunnel für Fahrräder verboten ist. Über Videotelefonie überraschte ich dann noch Vanessa, die an dem Tag heiratete! Leider war die mobile Verbindung im Kochertal bescheiden 😀 Als ich am Boot ankam, gab es erst mal Kaffee und Kuchen und danach konnte ich frisch geduscht den Abend auf dem Boot mit Claudia und Andreas genießen!

Der nächste Tag war Urlaub pur! Es ging nach einem super Frühstück mit dem Segelboot auf der Trave hinaus auf die Ostsee in Richtung Grömitz. In der Trave durfte ich auch mal steuern. Auf dem Meer waren wir dann richtig sportlich unterwegs, was total Laune machte! Kurz vor Grömitz holten wir die Segel ein und machten uns die Pizza vom Vorabend warm. In Grömitz genossen wir den Nachmittag und grillten abends auf dem Boot. Der Sonnenuntergang mit einem Regenbogen krönte diesen wundervollen Tag! Ich hätte die Zeit an Bord länger genießen können, aber es ging am nächsten Tag weiter mit dem Boot! Ein tolles Wochenende!

Am Montag ging es dann von Grömitz nach Heiligenhafen zu Tim. Tim traf ich vorab um 13 Uhr auf Fehmarn um mit ihm gemeinsam die Insel zu erkunden. Wir fuhren durch Burg und Puttgarden und am Strand beobachteten wir die Fähren und gingen baden. Übrigens begann der Tag um halb 8 mit einer Runde schwimmen in der Ostsee! 🙂 Die Insel ist auch sehr schön und hat schöne Strände! Natürlich war an diesem Sonntag noch zusätzlich der „Fast“ Aufstieg vom VfB ein Highlight, vor allem als ich weitere Schwaben traf. 😀 Arme Nordmänner (HSV), aber selbst Schuld… In Heiligenhafen chillten wir bei einem Bier noch am Strand. Das Fahrrad fahren an der Küste ist einfach besonders. Natürlich ist oft der Wind dein Gegner und es ist anstrengend, aber die Belohnung mit dem Blick aufs Meer und auch einmal schwimmen zu gehen ist einfach Freiheit pur! Ich genieße es in vollen Zügen hier oben!!!

Von Heiligenhafen ging es nach Kiel zu Morlin. Der Tag war windig, aber sehr schön und auch hier war schwimmen gehen ein Muss! Bevor ich nach Kiel fuhr schaute ich mir noch das U-Boot in Laboe an und das Marinemahnmal. Für 10€ ein sehr gutes Museum und wem Kriegsgeschichte interessiert kann hier sehr viel lernen! 😉 Kiel selbst ist an der Kiellinie sehr schön, doch die Innenstadt bzw. Altstadt ist leider sehr zerstört wurden im Krieg und somit nichts besonderes. Auch der Abend war wieder total cool. Neben Bier im Strandkorb redeten wir viel über das Reisen, Musik und Politik. Sie studiert Politik und Sozialwissenschaften. Sehr interessant und beim quatschen vergaßen wir die Zeit, sodass ich hundemüde am nächsten Morgen Brötchen holte und wir frühstückten noch zusammen.

Der gestrige Tag war dann mit dem Ziel Flensburg angesetzt dort traf ich Tristan mein ersten „Warmshowers“ Kontakt. Doch bevor es nach Flensburg ging, fuhr ich entlang der Küste nach Eckernförde. Dort traf ich mich mit Stippi und seiner Freundin am Strand. Total cool! 🙂 Doch auch nach 1h ging es wieder weiter… Das letzte Bad in der Ostsee genoss ich noch einmal! Über Schleswig ging es im Inland an der Schlei entlang und dann nach Norden in Richtung Flensburg. Dort traf ich auf Wald und viele Schafe! Es war ein heißer und langer Tag mit 120km. Abends gab es was total leckeres zu essen (Irgendetwas indisches ;)) und wir spielten Botcha mit anderen Studenten. Tristan selbst ist bis nach Istanbul gefahren, was auch eine echt coole Reise und Strecke war!

So, dass waren die letzten 2 Wochen und ich bin total happy mich auf das Rad geschwungen zu haben! Es ist einfach toll zu reisen. Tatsächlich wusste ich bis gestern Mittag nicht wie es weiter geht, weil es wie gesagt in Dänemark nur mit den 6 Tagen im Voraus geht. Ich entschied mich dann kurzerhand auf Westerland anzurufen und dort nach freien Plätzen auf dem Campingplatz zu fragen. Sie haben welche und ich freue mich total, dass es jetzt nach dem Frühstück von der Ostsee rüber an die Nordsee nach Sylt geht! Ich werde in den Dünen für ein paar Tage campen und Sylt mit dem Rad erkunden! 🙂 Somit sind es heute nur knappe 60km bis zum Bahnhof in Klanxbüll und dann werde ich von dort nach Westerland fahren und mein Zelt aufbauen! Da wollte ich schon immer mal hin, daher freue ich mich total. Danach geht es ziemlich sicher weiter an der Nordsee entlang, wenn Dänemark nicht die Regeln ändert. Aber Dänemark bringt am Freitag neue Regeln raus, daher chille ich erst einmal auf Sylt und plane von da aus wie es weiter geht. Das planen in kurzen Abständen gibt einen das totale Freiheitsgefühl! Durch die Leute, welche mich einluden und ich schlafen durfte hat sich meine Strecke entwickelt und so lief alles spontan ab und nach 2.200km bin ich hier in der nördlichsten Stadt Deutschlands! Krass! Ich hoffe die 2. Welle bleibt weg von Corona und ich kann noch weiter unterwegs sein! Bis dahin, bleibt gesund und munter!!!

Grüße aus dem Norden! 😉

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5 Kommentare

  1. > Die Aussage von einer Oma, dass Sie das Tischtuch bewegt hat, wenn ihre Enkel gewunken haben, hat mich sehr berührt.

    Habe ich nicht ganz verstanden. Wie das Tischtuch bewegt? Und warum durfte sie nicht zurückwinken? Gab es da über die Grenze hinweg entsprechende Kontaktverbote oder wie?

    Liken

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