Falsch oder richtig abgebogen? – Gibt es das?

In den letzten Wochen war es, außer einige Statusmeldungen in WhatsApp und Instagram, ruhig um mich. Es hat sich auch mittlerweile sehr viel getan und alles werde ich in diesem Eintrag nicht rein packen können. Jeder Tag könnte mit einem ganzen Blatt füllen. Wo fange ich an?

Der Jakobsweg

Am 21. August entschied ich mich den Jakobsweg zu gehen, wie ich es auch kurz in einem Eintrag erwähnt habe. Er hatte einige Rechtschreibfehler, dafür möchte ich mich schon einmal entschuldigen. Das Korrekturlesen kam hier zu kurz… 😀 Ja, zurück zum Jakobsweg. Wie Ihr im Betreff schon herauslesen könnt traf ich hier eine wegweisende Entscheidung, denn ich lies mein Fahrrad zurück und bestellte meinen Rucksack, Wanderschuhe und Stöcke. Voller Motivation und Freude auf das Wandern ging es über die Pyrenäen nach Spanien. Ein Land, das ein kompletter Tapetenwechsel für mich war. Hier, wo sonst Hunderte Menschen aus verschiedenen Ländern und Kontinenten an das eine glauben und den Weg zusammen gehen, ist es leer und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass nur noch der typische Einspann in einem Westernfilm mit einer Windrose gefehlt hat. Diese Szene, wenn ein Revolverhelden in ein Dorf reitet und alle sich im Haus einschließen. Umso weiter ich mich von den Pyrenäen und Navarra entfernte war dies so. Ich traf zwar hier und da mal einen Pilger und konnte mit Norbert (58) aus dem Allgäu ein paar Tage zusammen laufen, aber wie oft war ich alleine oder wir zu zweit in einem Matratzenlager untergebracht… Die Menschen sind herzlich, aber man merkt ihnen an, dass die Pilger und somit das Geld fehlt. In jedem Ort hat mindestens eine Herberge geschlossen und jede hat die Preise erhöht und selten bekommt man ein gemeinsames Abendessen. Dieser Flair, der diesen Weg ausmacht ist durch Corona leider ausgelöscht, dass kann man wirklich so sagen. Einzelne Menschen probieren die Flamme am Leben zu halten und genau die sind es, die für mich den Jakobsweg geprägt haben und auch diese Reise bereichert haben. Nach den ersten beiden Tagen in den Pyrenäen war ich begeistert von der Natur. Auch später noch, waren die Ausblicke auf die Bergketten in Spanien sehr schön. Leider ging mir persönlich der Weg zu sehr an belebten Straßen entlang, teilweise sogar an Autobahnen. Wie Ihr schon merkt spreche ich vom Jakobsweg in der Vergangenheit. Ja, ich habe ihn im Burgos nach 200km verlassen. Warum?

Am Anfang war der Drang, dass ich jetzt bis Portugal gehen werde und dort überwintern kann oder zumindest die „Rota Vicentina“ wandern kann. Dieser Weg ist neben dem „Pacific Crest Trail“, der Weg den ich gehen will! Es ist ein Weg an der portugiesischen Atlantikküste entlang, südlich von Lissabon. Der Drang war so stark, dass ich den Jakobsweg nur als Zwischenstation sah und als mein Rucksack nicht ankam, musste ich lernen und realisieren, dass ich innerlich gerade auf dem „Holzweg“ bin. Warum muss ich den Weg jetzt unbedingt erreichen? Er war als Ziel von einer großen Reise gedacht, die in Italien anfangen sollte. Er ist kein langer Wanderweg und ich kann ihn jederzeit in einer Urlaubsreise erfüllen und dann ist Portugal aktuell nicht so offen gegenüber Spanien und den Grenzen, sodass ich Angst hatte jetzt einen Weg zu laufen, der mich gar nicht an das eigentliche Ziel brachte. Ich muss nicht nach Santiago und einen vollen Pilgerausweis haben. Ich habe mir auch nie eine Muschel gekauft. Für mich war das nicht das Ziel… Dann, als ich das Paket kam und neben einem tollen Lesestoff von meiner Schwägerin und einem Bild von meinem kleinen Neffen Benni, kam ich ins Grübeln. Ich fragte mich mehrere Tage und Nächte, was das richtige ist. Mein Herz machte mir deutlich, dass es Zeit ist heim zu kehren und die Rückkehr selber in die Hand zu nehmen und langsam anzukommen. Ich kann es riskieren um dann in Winter per Flieger oder Zug vor der Haustüre ausgespuckt zu werden. Meine Mutter weiß noch ganz genau, wie ich die ersten Tage nach meiner Rückkehr drauf war. Das will ich nicht nochmal. Ich will heim laufen. Langsam zu Hause ankommen um Zeit zu haben diese Reise, welche ein grandioser „Plan B“ war, zu realisieren!

Meine Freunde habe ich seit mehr als 7 Monate nicht mehr gesehen. Ich hatte immer nur die 3 Monate im Kopf die ich unterwegs bin mit dem Fahrrad, aber Raboldshausen, meinen Fußballverein und meine Familie und Freunde habe ich schon seit längerem nicht mehr gesehen! So entwickelte sich der Wunsch und ich lies mir die Zeit und entschied dann in Burgos heim zu fahren mit dem Zug. Als ich französischen Boden betrat und ich vom spanischen Taxifahrer in französisch angesprochen wurde, realisierte ich wie sehr ich mich hier wohlgefühlt habe. Die Fahrt nach St. Jean-Pied-de-Port war eine besondere, da ich viele Orte wieder erkannte!

Auf meine Geschichten vom Jakobsweg werdet ihr noch warten müssen, aber der letzte Abend und der Vormittag vor der Abreise beschreibt die Menschen, die man dort trifft. Als ich in meiner Herberge eintrat wurde ich mit einem herzlichen „Bonjour“ begrüßt und gleich wurde mir ein Zimmer angeboten und ob ich mit essen möchte, denn in 30 Minuten gibt es Essen. Patricia, eine Italienerin aus dem Aostatal, sprudelte nur vor Herzlichkeit. Ich fühlte mich sofort wohl! Mit mir waren noch ein Sizilianer aus Palermo und seine Freundin aus Norditalien. Klingelt es bei jemanden? Wer meine Geschichte kennt, weiß, dass das Aostatal mit seinem Matterhorn in 2018 sehr speziell war und auf Sizilien meine Reise anfing. Nach ein paar Minuten war ich im Italienischen drin und anstatt Englisch wurde viel Italienisch am Tisch gesprochen. Ich habe es noch nicht verlernt! Yes!!! Das Essen war mit Spaghetti, Maccaroniauflauf und Salat natürlich ein Traum! Auch wenn ich müde war, war das der perfekte Abschluss. Ein älterer Engländer, der Unternehmer war bis vor einem Jahr und in Südafrika lebt, lief den Weg letztes Jahr, nachdem er seine Firma verkaufte und diesen Sommer hilft er anderen Pilgern und genießt die Gesellschaft und die Pyrenäen. Es wurde spät… Am nächsten Morgen frühstückte ich lange mit Patricia und ging ins Pilgerbüro. Dort wurde ich mit so einer Freude empfangen, weil ich ein Pilger war der zurückkam. Es kommt nicht darauf an, wo man den Weg beendet, sondern zu begreifen wie die Menschen « ticken » und das mit nach Hause zu nehmen und weiterzugeben. Mein Baby (Fahrrad) war heil und ich begrüßte es mit Freude. Mit einem älteren Mann aus Rottenburg und ein junger Kerl aus Dinkelsbühl traf ich mich noch kurz und gab Tipps für den Weg. Ich registrierte hier mit welch einer Freude ich auf die Menschen zu ging. Ich meine, ich war schon immer unbeschwert, aber so leicht und frei wie ich mich aktuell fühle ist es noch einmal mehr. Das Leben ist da draußen und nicht in einem Büro oder in einer Fabrik. Diese Zeit, die ich für mich hatte kommt nie mehr zurück und ich werde mich mein Leben lang erinnern und von den Geschichten, Freundschaften und Bildern ewig zehren! Leider passte mein Rucksack nicht auf mein Fahrrad und ich hätte so nicht fahren können, da ich kein Trekkingfahrrad mit Gepäckträger habe. So ging es mit dem Zug nach Bayonne. Der Plan war über Toulouse und Lyon ins Elsass zu gelangen. Leider ist das mit einem Fahrrad nicht möglich und so suchte ich verzweifelt in der Post um Rat. Sie haben leider kein so großen Karton aber verwiesen mich an einen kleinen Baumarkt ein paar Straßen weiter. Dort angekommen, begrüßte mich Gonzo und er war sofort offen mir zu helfen. Leider hatte auch er nichts zum verpacken und so bot er mir an das Fahrrad abzustellen es versandfertig zu machen und per DHL abholen zu lassen. Er und seine Kollegen bekamen 10€ für die Kaffeekasse und ich vertraue ihm, dass es funktionieren wird. Eines habe ich gelernt, dass man sich auf seine Menschenkenntnis nach mehreren Wochen auf einer Reise, verlassen kann. Ich wurde nie enttäuscht! Erneut stand ich im Bahnhof und fragte nach der besten Verbindung ins Elsass und dann war da die Verbindung Bayonne – Straßburg, welche ich morgen nehmen kann. Ich sagte zu und verbrachte den Abend im schönen baskischen Küstenort Bayonne. Jetzt liege ich gerade im Bett nur ein paar Kilometer von Deutschland entfernt und genieße 2 Tage hier in dieser Stadt!

Manchmal muss man im Leben einen Weg gehen um zu realisieren, was wirklich dran ist und erneut abbiegen. Ich bin froh über die Erfahrung und bin der Meinung, dass es wichtig war sich zu trauen, denn ansonsten hätte ich für immer gegrübelt und gedacht: « Hätte ich es doch probiert! ». Wieder einmal zeigte sich, dass man auf sein Herz hören soll und wenn es 2 Wochen später sagt: « Das wollte ich dir zeigen, jetzt entscheide du, ob du weiter willst oder nicht. » 😉

Wie geht es weiter?

Ganz ehrlich? Wenn ich eines gelernt habe ist planen scheiße. 😀 Nein, natürlich musste ich organisieren, dass jemand meine Fahrradtaschen einpackt und nach Hause nimmt. Andi, mein alter Arbeitskollege, sagte zu und wir treffen uns am Samstag um eine der fehlenden 2 Etappen des Pfälzer Weinsteig zu wandern. Am Sonntag werde ich kurz meiner Mama „Hallo“ sagen, meine Sachen waschen und eine lange Unterhose einpacken. 😀 Wie es dann heimwärts geht und über welche Umwege entscheide ich spontan. Aufjedenfall werde ich noch ein paar Kilometer sammeln und in Ruhe heim laufen! Doch ich werde nicht einfach heim laufen, nein, ich habe klare Ideen in meinem Kopf wie ich die Zeit nach dieser Reise angehen will. Die Reise ist jedoch nicht zu Ende, im Januar 2019 startete mein neuer Lebensabschnitt „Footsteps for Happiness“, auch wenn das Fahrrad nun hauptsächlich als Fortbewegungsmittel genutzt wurde, ist dieser Slogan das Motto für diesen neuen Lebensweg! Sozusagen hat dieser erst gerade begonnen. Die Ideen, für diesen Winter und 2021 sind im Kopf und warten darauf angegangen zu werden. Dass fängt ab morgen an, indem ich mir persönlich einen Traum erfülle und die unzähligen Geschichte in den nächsten Wochen auf Papier bringen werde. Neben diesem einzigartigen Projekt, werde ich Kalender erstellen, welche gekauft werden können. Vom Teil des Erlös werde ich für « Weihnachten im Schuhkarton » ein paar Päckchen packen. Doch dazu später mehr. Würde mich freuen, wenn ein paar dieser Kalender unter einem Weihnachtsbaum liegen und ich mit meinem Bilder anderen eine Freude machen kann und gleichzeitig sich Kinder über ein Weihnachtsgeschenk freuen! Was ich über den Winter vorhabe und was nächstes Jahr im Kopf angedacht ist, werdet ihr noch früh genug erfahren. 😉

Also, seid gespannt auf die nächsten Bilder mit dem Herbst in Deutschland! Ich freue mich schon auf diesen Moment, wenn ich den ersten Weg erkenne und ich Schritt für Schritt näher zu meiner Heimat komme. Wo ich in Zukunft landen werde, weiß ich noch nicht, aber die Heimat bleibt! Das Bild vor meinem inneren Auge, wenn ich auf der Anhöhe stehe und den „Dure“ (Kirchturm) sehe, bekomme ich schon Gänsehaut!

Wer mal ein Wochenende frei hat und mit mir draußen sein will und die Geschichten frisch hören will, darf sich gerne melden. Die Ausrede, dass es zu weit weg ist, zählt nun nicht mehr. 😉

Hier noch ein paar Bilder aus den letzten Wochen:

Bis dann,

Euer Michi

P.S. Am Anfang steht der Mut und am Ende das glücklich sein!

Ich bin dann mal weg!

Ja, es ist der Titel von Hape Kerkelings Buch der diese kurzen Blogeintrag am besten beschreibt!

Ich bin gestern in Saint-Jean-Pied-de-Port mit meinem Fahrrad angekommen, habe mein Zelt aufgebaut und bin den Jakobsweg 10km gewandert, bis ich Andrew draf. Er ist Deutscher und ich konnte mit ihm mich austauschen und ihn ein wenig begleiten. Er versucht zu pilgern trotz Corona. Zurück kam Campingplatz traf ich Willi ein Deutscher, der nach Portugal fährt mit dem Fahrrad über den Jakobsweg. Die Wanderung mit dem wunderschön Panorama lies mein Kopf arbeiten und arbeiten. Mein Traum in Spanien und/oder Portugal zu wandern ist greifbar nah. Die beiden haben mir Mut gegeben und mich in meinem Traum unterstützt. Der Weg zurück kaum Campingplatz war per Anhalter und er meinte es definitiv möglich sein Fahrrad einzulagern… Mein Kopf arbeitete… Soll ich es wagen? Warum nicht? Was hindert mich es zu tun? Etwa Corona dem ich schon seit 3 Monaten erfolgreich aus dem Weg gegangen bin mit dem Fahrrad?

Nun, einen Tag später, sitze ich am gleichen Schattenplatz kurz vorm Orisson und der Hütte, wo ich gestern meinen Kaffee getrunken habe. Ja, ich bin das zweite Mal den Weg hoch, aber dieses Malmit Gepäck. Mein Fahrrad geparkt im Pilgerbüro. Den Versand meines Rucksacks, Wanderstöcke und Schuhe organisiert. Heute nach werde ich dort, wo ich gestern einen Kaffee trank, übernachten und mich am 22. August, 3 Monaten nach dem ich los bin mit dem Fahrrad, die Grenze nach Spanien überqueren.

Ihr werdet wieder von mir hören, aber evtl etwas weniger. Die Zeit, diese Wanderung, werde ich mir nehmen und dann sehen wohin mich der Weg führt!

Macht’s gut und macht euch keine Sorgen! 🙂

Gruß vom Jakobsweg! 🙂

Die Bretagne – Eine Region die einfach speziell ist!

Am Donnerstag, den 30. Juni überquerte ich den Fluss „Le Couesnon“, welcher die Grenze der Region Normandie zur Bretagne festlegt. Wie schon im letzten Bericht beschrieben, „streiten“ sich seither beide Regionen um diese Sehenswürdigkeit „Mont Saint Michel“, da Sie aber rechts der Mündung liegt gehört sie zur Normandie! Entlang vom Aussiedlerhöfen geht es in Richtung St. Malo. Nach den ersten Kilometer durch flaches Land geht es an Stränden entlang und durch kleinere Ortschaften. Der nächste größere Ort ist Cancale, von wo aus man zum „Pointe du Grouin“ gelangt. Ein wunderschöner Fleck mit seinen Grotten und kleineren Felseninseln. Als ich dort ankam und meine Pause einlegte, schaute ich einem Künstler beim Malen zu. Er hatte seine Staffelei mitgenommen und versuchte eine Szenerie zu erfassen und zu malen. Ich fand es sah sehr gut aus! 😉 Von da aus ging es die Küstenstraße in Richtung St. Malo. Es war sehr viel los an den Stränden, denn das Wetter war perfekt! Ich selber war auch das erste Mal an diesem Tag im Atlantik baden! Ich war in der Ostsee, Nordsee und nun im Atlantik! Es war nach Büsum wieder das erste Mal, dass ich baden war. Das Wetter hatte mir sonst immer ein Strich durch die Rechnung gemacht, wenn ich am Meer war! Hier in der Bretagne ist das Wasser ca. 19 Grad „warm“ und durch den Wind hat es oft nur knapp über 20 Grad Außentemperatur! 😀 Die Abkühlung Tag aber sehr gut! In der Stadt war dann so viel los! Die Strände waren voll und die Altstadt überlaufen! Es herrscht, wie in allen Altstädten oder an den Häfen in der Bretagne, eine Maskenpflicht. Die Pariser haben ein bisschen Corona eingeschleppt… Vorher hatte die Normandie und die Bretagne keine großen Fallzahlen. Eigentlich wollte ich mir hier ein Hotel gönnen, aber es war alles belegt oder zu teuer. So entschied ich mich einen Campingplatz aufzusuchen und lieber gut essen zu gehen! Ich fragte die Dame an der Rezeption nach einem guten Fischrestaurant und ging dann abends in die Stadt zu Fuß. Am Hafen vorbei ging es in die Altstadt, welche von einer Burgmauer umgeben ist und man nur über offene Tore hineinkommt. Die schmalen Gassen mit Ihren Cafés laden zum schlendern ein! Ich entschied mich für Makrele und einem Lachs! Zum Nachtisch gab es einen Apfelkuchen und einen Espresso! Das war zwar nicht billig, aber alles in allem kostete mich das mit dem Zeltplatz keine 50€ 🙂 Da hätte ich das doppelte nur für ein Zimmer bezahlt! Am gleichen Abend schrieb ich mir Ramon, den ich in der Normandie traf. Er war nun alleine unterwegs nach Roscoff. Wir scherzten damals, dass ich ihn doch einfangen kann, weil ich so schnell bin. 😀 Ich hatte ca. 400km mehr zu fahren als er und bin 2 Tage später von Paris los. 😀 Es waren 300km bis zu seinem letzten Schlafplatz bei Morlaix. Mein sportlicher Ehrgeiz war entfacht und ich wollte ihn noch einfangen. Für mich war es aber auch besonders, jemanden zu kennen und ihn zu besuchen!

Die 2 Tage nach Morlaix waren anstrengend! Die Bretagne mit seinen Hügeln lassen einen noch mehr schwitzen als in der Normandie. Ich lernte auch das sich schnell ändernde Wetter kennen. Frühs hatte ich Sonne dann gegen Mittag wurde es bewölkt und windiger mit kurzen Schauern und abends wieder sonnig warm! Trotz des sportlichen Ziels lies ich mir an den sehenswerten Orten die entsprechende Zeit! Ich startete erst gegen 8:30 Uhr in St. Malo, weil ich die Markthalle besuchen wollte. Dort deckte ich mich mit Obst, Baguette und verschiedenen Keksen ein. Der Bäcker fragte mich aus, woher ich komme und was ich mache! Er war begeistert und wünschte mir viel Glück oder besser „Bon Voyage“. Der Fischmarkt war natürlich sehr besonders! 🙂 Über die große Brücke ging es dann nach Dinard, diese Stadt liegt gegenüber von St. Malo und ist selber sehr schön mit seinen Hafen und kleineren Villen! Der Blick auf St. Malo war hier immer wieder für ein Stopp gut! Nach Dinard ging es immer wieder durch kleinere Orte an der Küste. Auch war immer wieder mal die Möglichkeit sich eine Pause an einem der vielen Aussichtspunkte zu gönnen. Der besonderste Platz und der eindrucksvollste an diesem Tag war das Cap Fréhel. Hier war der perfekte Zeitpunkt um eine längere Pause einzulegen. Dieses Cap zeigt das wilde der Bretagne und man fühlt sich wie in Schottland oder noch weiter nördlich. Um 18 Uhr war ich ca. 40km Saint-Brieuc und an einem weiteren schönen Aussichtspunkt. Dort war ein Parkplatz und dahinter standen ein Van und es war unter den Bäumen ein Platz für mein Zelt. Ich überlegte nicht zweimal und bevor ich mir bei der dicht besiedelten Rund um Saint-Brieuc etwas suche, fragte ich kurz die zwei mit dem Van. Es stellte sich heraus, dass das Pärchen Schweizer waren und somit konnten wir uns auf Deutsch unterhalten, was mich natürlich sehr freute! Nach dem Zeltaufbau ging es unten an der Küste zwischen den Felsen in einer kleinen Bucht schwimmen. Nach dem Essen konnte ich mir von einem kleinen Hügel auf den Klippen, wo auch der Wanderweg entlang führt, den Sonnenuntergang anschauen. Bis kurz vor 23 Uhr quatschten ich mit den Schweizer und wir hatten einen tollen Abend!

Der nächste Tag wurde wie angekündigt sehr anstrengend, denn ich wollte ja Ramon in Morlaix erreichen. So ging es wie sonst auch immer, schon gegen 7 Uhr los! Schon im nächsten Ort ging mir der Geruch von frisch Gebackenem in die Nase und somit hielt ich dieses Mal schon relativ bald an und kaufte mir meine Backwaren und setzte mich in die Bar gegenüber um dort mein Crossaint mit dem Kaffee zu genießen. Es war ein guter Start in den Tag! Bei Yffiniac ging es durch das Gebiet der Urne die hier in die „Baie Saint-Brieuc“ mündet. Ab diesem Tag genoss ich jeden Morgen mit dem besonderen Licht am Atlantik, auch hier war es etwas besonderes, da der Wasserstand durch die Tide sehr gering war und somit die Sonne sich in den kleinen Pfützen in der Bucht spiegelte. Die Wege durch die kleineren Waldstücke filterten die Sonne auf eine besondere Art und Weise! Wenn ich auf meine Touren schaue bin ich die ersten Stunden immer langsamer als normalerweise, ja es liegt auch an der Müdigkeit, aber ich glaube vor allem, weil ich jeden neuen Start sehr genieße! Ein Tag kommt einem so endlos vor auf dem Rad, wie auch beim wandern. Die Stadt Saint-Brieuc war im Morgen mit großem Verkehrsaufkommen kein längeren Aufenthalt wert und so ging es weiter zu dem Highlight des Tages! Es waren die Aussichtspunkte der Bucht von Saint-Brieuc. Von Brehec bis nach Paimpol war es zwar ziemlich anstrengend und ich sammelte an steilen Straßen einige Höhenmeter, aber die Ausblicke lohnten sich. Die Bucht von Brehec und das kleine Städtchen Paimpol, wo ich mir ein so leckeres Kaffeeeis schmecken lies, hat mit seinen engen Gassen, seinem schönen Hafen schon etwas zu bieten! Von Paimpol ging es nun an das Ende der Bucht zum Archipel L‘Arquest. Eine Ansammlung von Felsen lagen hier sichtbar durch die Tide im Meer und die Felsen der Insel „Ile-de-Bréhat“ konnte man so gut erkennen. Hier muss man das Gewässer kennen, sonst ist das Boot schnell kaputt, dachte ich mir. Ich lies mich nicht stressen, weil Ramon ja dem Campingplatzinhaber Bescheid gegeben hatte. Von diesem Archipel ging es nun nicht an der Küste entlang bis nach Lannion. Es ging über kleinere Dörfer in der hügeligen Landschaft hinter der Küste. Ich war froh in Paimpol mein Wasservorrat aufgefüllt zu haben, weil bis Lannion hätte es da keine Möglichkeit gegeben. Von Lannion ging es dann weiter ans Meer zurück nach Saint-Michel-en-Grève. Hier war die letzte Pause bevor es nach Morlaix ging. Die Fahrt nach Morlaix war entlang der Hauptstraße und somit nichts besonderes. In Morlaix kaufte ich mir und Ramon jeweils ein Bier und wir bestellten Pizza und ich noch Jalapeños. Mein erstes Fastfood auf der Tour! Wir beide genossen den Abend an unseren Zelten. Das lustige war, dass er von mir den anderen erzählte und die mich schon alle erwartet haben. Sie waren alle total begeistert! Am Ende standen bei 165 km über 1.600 Höhenmeter auf dem Tacho… Zum Glück ging es am nächsten Tag nur nach Roscoff (ca. 40km).

Der nächste Morgen startete entspannt. Trotz der großen Pizza bekam ich um 7 Uhr Hunger und machte mir Haferflocken und einen Kaffee. 😀 Um 10 fuhren wir zusammen zu einer Bäckerei und mit einem Kaffee und frischen Crossiant und Pain au Chocolat in Morlaix ließen wir uns an einer Kirche nieder und starteten in den Tag. Ramon erwischte keinen guten Tag und hatte starken Regen, ich dagegen fuhr zur Küste und hatte nur einen kurzen Regenschauer. Die kleineren Städtchen Carantec und Saint-Pol-de-Léon haben mit Ihrem alten Stadtkern einen besonderen Flair! In Roscoff muss man den Blick von der Kapelle auf den Leuchtturm und den Hafen genießen! Es ist ein wunderschöner Anblick, wenn die Sonne die Häuser am Hafen anstrahlt. Zur Feier des Tages gönnte ich mir eine Portion Pommes! Später genoss ich die Zeit am Zelt und am Strand. Ging schwimmen, las und schrieb ein wenig. Es war ein toller Tag und nun war ich in Roscoff. Leider ging die Fähre nicht nach Irland bzw. Sie fuhr schon, aber man darf kein Fahrrad mitnehmen. Aber ich wusste, dass mein Weg nun weiter an der Küste in der Bretagne weitergeht. Ich freute mich so sehr darauf zu starten, dass ich früh ins Bett ging um am nächsten Tag fit zu sein! 🙂

Nun ging es 4 Tage durch den schönsten Teil der Bretagne! Natürlich muss jedem bewusst sein, dass dies mit dem Fahrrad kein einfaches Unterfangen ist, denn es geht auf und ab, aber jeder kleine Berg bietet eine wunderbare Aussicht! Los ging es also von Roscoff mit einem wunderschönen Sonnenaufgang! Es ging ein wenig weg von der Küste, weil ich jeweils über die Flussmündungen des „L‘Horn“ und des „Guillec“ musste. Um diese zu überqueren musste ich immer ein wenig ins Landesinnere, weg von der Küste. Das sollte sich die nächsten Tage noch öfters so sein. Wichtig ist zu bemerken, dass die Straßen oft nicht im Tal verlaufen sondern seitlich des Flusses auf Hügeln, somit war es für den Kopf nicht immer leicht sich zu motivieren. In Plounéour-Trez fand ich einer der kleinen Supermärkte in den Ortschaften. Ich finde das echt super in Frankreich und gerade in der Bretagne wird hier vieles aus der Region verkauft. Ich füllte mein Vorrat auf und kaufte mir einen tollen Sticker der Bretagne für meine Helm! Mal ein kleines Souvenir! Ich gönnte mir dann noch ein Crêpes mit Zucker und Butter, die gerade mal 1,50€ oder 2€ kosten. Ich merkte immer mehr wie ich mich in die kleinen Ortschaften mit Ihren weißen Häusern und oft blauen Fensterläden verliebt habe. Es ist etwas besonderes, wie die Steinhäuser in der Normandie. Diese findet man hier zwar auch, aber eher im Landesinneren. Die Namen der Ortschaften und von Cafés sind oft auf Bretonisch. Bei den Ortsschildern steht immer der bretonische Name darunter! Einzigartig in der Bretagne sind die Namen mit einem „y“. Das ist sonst in normalen französischen Wörtern nicht zu finden. Vielen merkt man an, dass Sie sehr stolz auf Ihre Region sind und zeigen das mit Ihrer Kleidung, Aufklebern auf dem Auto oder im Supermarkt. Ein Highlight an diesem Tag war neben der tollen Küstenlandschaft mit Ihren Felsen im Meer, das kleine Dorf „Meneham“. Dieses liegt direkt an der Küste und ist heute ein Museumsdorf mit einer Herberge und einem Restaurant. Das Dorf stammt aus dem 17. Jahrhundert und liegt von kleineren Hügeln umgeben, hinter einem großen Fels, der den Westwind vom Meer vom Dorf abhält. Die „L‘Aber Wrac‘h“ und „L‘Aber Benoît“ formen zwischen den kleineren Städten „Lilia“ und „Saint Pabu“ die Landschaft. Dieser Abschnitt ist auch als „Côte des Abers“ bekannt. Diese tief, in das Landesinnere eindringende Meeresbuchten nennt man „Ria“. Der Unterschied zu einem Fjord in Norwegen ist, dass die Ria‘s nicht von Gletschern, sondern von Flusstälern geformt wurden. Die teilweise sehr steilen Abhänge kann man immer wieder von der Straße aus bewundern! Auf der Höhe des „L‘Aber Benoît“, fand ich einen perfekten Platz für mein Zelt. Ich schlug es auf an einem Menhir oder für mich einfach ein Hinkelstein! 🙂 Ich hatte zwar zweimal von Touristen Besuch bekommen, aber ansonsten konnte ich ganz in Ruhe schlafen und den Blick auf Saint Pabu am Abend genießen! Eine außergewöhnlicher Platz!

Der nächste Morgen war ein Dienstag und es war eisig kalt in den morgen Stunden! In einer Bar kurz vor Saint Pabu, wärmte ich mich bei 2 Espresso auf und konnte meine Powerbank ein wenig laden! Von Saint Pabu konnte man immer wieder ein Blick auf die Ria werfen und der Blick auf den Hafen in der Morgensonne war wunderbar! Ich konnte leider bisher noch nichts frühstücken und war froh als ich nach 2h aus dem Supermarkt voll gepackt an der Küste saß und endlich was essen konnte! 🙂 Dort lud mich eine Familie, die dort in einem Camper schlief auf einen Kaffee ein und wir plauderten ein wenig. Er war aus der Nähe von St. Malo und flüchtet im Sommer immer vor den „vielen Parisern“. Man merkte ihm sofort an, dass er die nicht leiden kann und erklärte mir wie ich Sie an den Nummernschilder erkennen kann. 😀 Ich musste mich dann verabschieden und aufbrechen, da ich Brest heute noch erreichen wollte. Der Tag hatte heute wieder wunderbare Aussichten zu bieten! Es ging nun entlang der westlichsten Teil der Bretagne und Frankreichs. Der Weg nach Brest ist nicht als Radweg bekannt. Teilweise ist dieser nicht immer ausgewiesen, aus dem Grund, weil es einfach auch sehr anspruchsvoll ist zu fahren, so hat man kleinere Abschnitte Fahrradwege und den Rest entlang der Küstenstraßen. Auch an diesem Tag stand auch der letzte Ria, der 3 an. Es war der „L‘Aber Ildut“ und dieser hatte es nochmal in sich! Ich sammelte bei der Umrundung wieder gründlich Höhenmeter von oben hatte ich aber ein wundervollen Blick auf die Hügellandschaft im Landesinneren und auf das Meer auf der anderen Seite! Den westlichsten Punkt des Festlands von Frankreichs erreichte ich dann, als ich auf die Halbinsel Kermorvan mein Fahrrad abstellte und ein wenig zu Fuß zum Leuchtturm weiterging! Weiter ging es dann über Le Conquest nach Saint-Mathieu. Der Leuchtturm wurde neben einer Abtei erbaut und ist schon mehrere hundert Jahre alt! Weiter im Landesinnern ist noch eine alte Batterie des Atlantikwalls erhalten und als Museum zu besichtigen. Ich habe aber die größte in der Normandie besucht, somit ging es nun nach Brest und der gleichnamigen Bucht. Diese Bucht ist von Natur aus sehr tief und daher ist der Hafen von Brest sehr wichtig! Ein großer Teil dient der Kriegsmarine. Es war sehr beeindruckend! Der Weg nach Brest kam mir persönlich ewig vor! Ich hielt an der nächsten Bar, lud meine Geräte auf und trank ein Kaffee. Die Stammgäste verwickelten mich in ein tolles Gespräch! Sie gaben mir auch die Adresse der Fähre, welche zum Naturschutzgebiet vom Crozon fährt. Leider war diese schon ausgebucht und so fuhr ich bis zum „Ponte de l‘Armorique“ und fand dort einen Zeltplatz auf einer Wiese! 🙂

Ich war nun in Mitten der „Rade de Brest“, also der Bucht und musste erst einmal zurück und dann durch das Hügelland, um auf den letzten der 3 Arme, welche die Bretagne ausmachen, zu gelangen. Es ging an einem sehr warmen Tag sehr früh los. Der geplante Stopp im nächsten Ort um zu frühstücken, viel leider ins Wasser und ich musste dann bis nach Daoulas fahren, aber dort genoss ich mein Frühstück in vollen Zügen! Nach Le Faou ging es hoch noch Rosnoën, wo sich nach der Ortschaft ein herrlicher Ausblick auf das Tal des Flusses „L‘Aulne“ ergab! Mir blieb tatsächlich kurz die Spucke weg, als ich den sich schlängelnden Fluss im Tal erblickte. Die Hügel mit seinen Wäldern, Felder und kleineren Ortschaften war einfach ein total schöner Anblick und ich musste mich hinsetzen und es genießen! Die gegenüber liegende Hügelkette hatte ich dann wenig später überwunden und war lies den „wilden“, mittleren Arm von Crozon links liegen um auf das Cap Sizon zu gelangen, den letzten Arm. Rund um Crozon soll einer der schönsten Flecken der Bretagne sein, aber diesen sollte man erwandern und mindestens einen vollen Tag mitbringen. Ich entschloss mich, dass irgendwann nachzuholen und fuhr bis nach Beuzec-Cap-Sizun. Ein kurzer Abstecher machte ich zum „Phare du Millier“, bevor ich einen Platz zum schlafen suchte. Ein „Phare“ ist ein Leuchtturm. 😉 Ich hatte Glück und fand auf einem vollen Campingplatz noch einen Platz. Ich hatte leider mein Wasserstand total vergessen und daher musste ich umgeben von kleineren Ortschaften mir einen Campingplatz nehmen. Den Abend genoß ich dort am Strand auf einem erhöhten Felsen, wo der Wanderweg entlang führt! Mit der entsprechenden Musik bei einem tollen Sonnenuntergang, bekam ich das Grinsen nicht aus dem Gesicht! 🙂 Ein wunderbarer, aber anstrengender Tag ging zu Ende. Vor mir lag nun der letzte Tag der Bretagne und ihrer wilden Art!

Der letzte Tag in der ursprünglichen und sehr speziellen Bretagne begann ich früh um den Sonnenaufgang zu erleben! Es ging als ersten Stopp an den „Pointe de Brézellec“. Es war Nebel in dem morgen Stunden und schon beim hinfahren war die Luft und die ersten Sonnenstrahlen, die durch den Nebel drangen was besonderes! Doch an diesem Ort war es einfach ein klein wenig magisch. Immer wieder kam die Sonnen für einen kurzen Augenblick durch. Danach ging es zum „Pointe de Castelmeur“, der einen Blick auf Brézellec frei gab, alles dahinter verschwand im Nebel. Das Nebelhorn eines Schiffes konnte man deutlich hören, aber es selber nicht. Doch die beiden bekanntesten sollten nun folgen. Ich hatte mir in der Früh, während ich das Zelt abbaute einen Kaffee gekocht und in meine kleine Thermoskanne umgefüllt, so konnte ich den Blick immer mit einem Schluck Kaffee genießen! Der « Pointe du Van » hat seinen speziellen Reiz wegen der Kapelle und eigentlich kann man den « Pointe du Raz » von dort aus schon sehen. Das Blumenmeer aus rosa und gelb, welche vom Tau noch nass waren leuchteten bei den kurzen Sonnenstrahlen. Zum letzten Mal sollte ich diese schönen Orte in der Bretagne sehen! Einer der Gründe, warum ich wieder zurück will in der Zukunft!!! Da es sehr früh war, war ich fast alleine an diesen Orten. Am Fuße des « Cap du Raz » machten sich die ersten Surfer startklar – es war kurz vor 9 Uhr – doch am Cap selber war alles in Nebel verhüllt und so konnte man den Leuchtturm und die Spitze leider nicht sehen. Aber das Meer hat hier mehr Wucht als an den anderen Orten. Man hörte es ganz deutlich gegen die Felsen schlagen! Als zweites Frühstück und zum aufladen meiner Elektronik, ging es in ein Café um 2 Crêpes und einen Kaffee zu genießen! Ich nutze dies um einfach mal die Eindrücke es sacken zu lassen. Der Vormittag war fantastisch und fand mit diesem Frühstück ein guten Schlusspunkt! Danach ging es, am Anfang noch mit steilen Passagen, entlang der Küste. Das Ziel war heute Bénodet. Es ging durch die tollen Küstendörfer und die Hafenstadt « Audierne ». Es wurde Abend und ich machte 30km vor Bénodet einen Stopp, da ich in der Nähe des Fahrradweges auf einem kleinen Campingplatz, fernab von Touristen, meine Ruhe fand. Es gab hier eine sensationelle, frisch gemachte Pizza für nur 8€! Das ist günstig für Frankreich und mit einem bretonischen Bier « Lancelot », schmeckte es umso besser!

Der nächste Tag ging von meinem Campingplatz in Lesconil nach Pont l’Abbe, ein kleiner Hafenort mit dem Blick auf die Île-Tudy. Dort am Hafen hatte ich mit einem Croissant und einem Pain au Chocolat den besten Blick auf die Insel! So schmeckt ein Kaffee und ein « Petit Déjeuner « , wie die Franzosen Ihr Frühstück nennen, besonders gut! 🙂 Der Radweg auf der Île-Tudy war sehr schön! Zuerst ging es durch kleine Wälder und an Weiden und Seen vorbei, bis es entlang der Dünen am Strand nach Sainte-Marine ging! Traumhaft war der Sonnenaufgang an diesem Tag. Ich liebe es, wenn das Meer noch ruhig ist und die Schiffe darauf leicht hin und her wiegen. Wenn dann das erste Licht auf dieses Schauspiel fällt muss ich anhalten und es genießen! Von Sainte-Marine ging es dann über eine große Brücke, wo man einen herrlichen Blick auf den „L‘Odet“ hat, der Bei Sainte-Marine und gegenüber Bénodet ins Meer mündet. Angekommen ging ich an die Fähranlegestelle am Hafen um nach einer Fahrkarte für die Insel „Saint-Nicholas“, wo ich mein Pausentag verbringen wollte, zu fragen. Leider war von Concarneau, dem eigentlichen Ziel heute, keine mehr frei und somit entschied ich kurzerhand in Bénodet mein Zelt aufzuschlagen und von dort aus morgen auf die Insel zu fahren. Vorher musste ich aber noch eine Wette einlösen von „Lui“. Er empfahl mir eine „Boulangerie“ (Bäckerei), die er beim letzten Urlaub als die beste emfpand. Ich sollte ein Baguette kaufen und ein Selfie mit der Verkäuferin machen. Gesagt getan bat ich um ein Selfie. Zum Glück konnte die Tochter Englisch und ich erklärte ihr meine Reise! Tolle Sache die Wette! 🙂 Den Tag chillte ich am Zelt, ging einkaufen und hatte einfach frei. Mein Körper fuhr sofort runter und am Strand schlief ich ein, bis ich von einem typischen kurzen Schauer unsanft geweckt wurde 😀 Der Pausentag war von Anfang geplant und somit war an diesem Tag auch ein tolles Abendessen drin. Es gab Gambas und eine Creme Brûlée. Man gönnt sich ja sonst nichts! Der Tag auf der Insel verlief ganz einfach. Ich lag am Strand, hörte Musik und schlief. Ab und zu ging es natürlich ins Meer! Der Sand dort ist weiß und das Wasser ist kühler als an der Küste! 🙂 Wunderbar!

Nach diesem erholsamen Tag ging es in den frühen Morgenstunden müde los in Richtung Concarneau! Entlang der „Marais de Mousterlin“ hatte ich eine der schönsten Sonnenaufgänge auf meiner Tour! Die Stadt Concarneau war natürlich voll mit Touristen und daher schaute ich mir den alten Hafen innen nicht an. Genoss im „L‘Amiral“ meinen Kaffee und fuhr nach einem kurzen Rundgang in Richtung Lorient, meinem heutigen Tagesziel. Die Strecke war schön, aber nicht so besonderes wie die letzten Tage. Der „Pointe de Trevignon“ mit seinem Leuchtturm war neben der Landschaft rund um „Pont-Aven“ das Highlight des Tages. Kurzfristig fand ich ein Sofa zum Schlafen in Lorient über Warmshowers und so konnte ich vor Lorient ins Meer springen und in Lorient mich in einen Irish Pub setzen, wo später Irish Folk von 3 Männern gespielt wurde. Es war toll und unterhaltsam! Dort traf ich ein Paar, welches auf Frankreich kommt, aber in Dublin wohnt. Sie trauerte mit mir, dass ich nicht nach Irland konnte… :/ Die Stadt selber ist während dem Krieg sehr zerstört wurden und daher nicht so sehenswert. Der Abend in Lorient war toll mit Solene und Ihrer Mitbewohnerin. Wir vergaßen total die Zeit und da Sie Urlaub hatte stand Sie am nächsten Morgen nur kurz auf um Tschüss zu sagen, denn um 7 Uhr war Ihr zu Früh, was ich verstehen kann. Ich sehne mich langsam auch danach, einfach mal auszuschlafen… Naja, so ist das halt 😀

Von Lorient ging es nun weiter in Richtung Süd-Osten. Die ursprüngliche Bretagne war nun schon lange hinter mir und die Strände waren voller Touristen. Um in Lorient den Fluss „Le Blavet“ zu überqueren, muss man eine Fähre vom Hafen nach Locmiquélic nehmen. Da Montag war, hatten noch einige Bäckereien zu, da diese Sonntags oft den ganzen Tag auf haben, sind die meisten am Montag zu. In Locmiquélic konnte ich in einer Bar einen Kaffee trinken, aber auch hier gab es nichts zum frühstücken. So fuhr ich bis nach Plouhinec um für mein Frühstück in einer Boulangerie zu halten. Es ist teilweise echt krass wie lange die Schlangen immer sind, nur für den Kauf von einem Baguette stehen die Leute gerne mehrere Minuten an. Ich musste nun die beiden Flüsse „Rivière d‘Etel“ und „Rivière d’Auray“ überqueren um zum „Golf von Morbihan“ zu gelangen, welchen ich an diesem Tag umfuhr. Das Wort „Mor bihan“ kommt aus dem Bretonischen und bedeutet „kleines Meer“, nach dem auch die Region benannt ist. Die Bucht hat mehrere kleine Inseln und die berühmte Hafenstadt „Vannes“ zu bieten. Die Stadt hat einen schönen Hafen und einige tolle Fachwerkhäuser. Da ich mir aber von Einheimischen sagen lassen habe, dass diese Stadt sehr teuer ist und vor Allem viele Pariser dort Urlaub machen, habe ich mich nicht lange dort aufgehalten und bin wieder raus in die Natur. Man kann mit dem Fahrrad bis zur Spitze nach „Port Navalo“ fahren, wo sich der Eingang zur Bucht befindet. Ich entschied mich, diese Sackgasse nicht mit zu nehmen und fuhr weiter in Richtung des Städtchens „Arzal“, welches am Fluss „La Vilaine“ liegt. Diesem habe ich überquert und bis zur Mündung ins Meer entlang gefolgt. Dort am Meer habe ich leider total den Mangel an Supermärkten und Bars unterschätzt. So lief ich Gefahr ohne Wasser und somit ohne Essen schlafen zu gehen. Ich suchte mir den nächsten Campingplatz. Die wollten von mir 27€ für einen Zeltplatz ohne Strom, da ich kurz vor der Schließung der Rezeption da war, verhandelte ich auf 17€, was immer noch teuer ist für einen Schlafplatz… Naja, selbst Schuld!!

Der nächste Tag war mit einem großen Schritt versehen. Es sollte nämlich bei Saint-Nazaire definitiv in Richtung Süden gehen, wenn ich die Loire überquere und wenn man nach den Bretonen geht, auch die Bretagne. Bis kurz vor La Rochelle geht zwar die Bretagne, aber die meisten sagen, dass alles südlich von Nantes nicht mehr dazu gehört. Es ging also in den frühen Morgenstunden los durch die „Marais Salants du Mes“. Eine „Marais“ sind die Gebiete die vom Meer immer wieder überflutet werden und somit neben eine wunderschönen Natur auch oft zur Salzgewinnung oder für das Sammeln von Austern verwendet werden. Nach einer kurzen Strecke entlang am Meer ging es durch die berühmten „Marais du Guérande“, diese sind bekannt für die vielen Salinen und somit für ihr Salz. An vielen kleinen Höfen oder Verkaufsstände kann man Salz und andere Produkte wie Honig kaufen. Die Fahrt durch die „Marais“ ist sehr einfach, da es durchgehend flach ist. Das besondere hier war, dass man wirklich zwischen den Salinen fuhr. Die Stadt Guérande thront sozusagen vor den gleichnamigen Salinen und hat eine Altstadt zu bieten, die von einer Festungsmauer umgeben ist. Dort angekommen sah ich ein tolles Café und genoss „Scones“ mir Marmelade und einen „Mango/Ingwer-Smoothie“. Es war gegen Mittag und das war nun mein zweites Frühstück, bevor es zu diesem gewaltigen Schritt über die Loire ging. In meinem Kopf spielte sich einiges ab und ich schaute auf meinen Helm und den Sticker der Bretagne und konnte genau erkennen, wo ich bin und wo es hin gehen wird. Ein verrücktes Gefühl zu wissen, dass es in den Süden geht!!! Das Café wurde von einem jungen Paar geschmissen und ich durfte meine Sachen aufladen und wir kamen auch kurz ins Gespräch. Sie machten mir Mut evtl. doch nach Spanien zu fahren. Mal sehen wie es kommt! Ich denke oft darüber nach und mache mich teilweise verrückt um ein paar Minuten später wieder zu sagen „Jetzt warte doch erst einmal ab.“ Die Fahrt nach Saint-Nazaire war unspektakulär und somit fand ich mich sehr schnell auf der großen Brücke, welche über die Mündung verläuft. Angekommen auf der anderen Seite setzte ich mich erst einmal und musste begreifen, was ich bisher geleistet habe und wo ich nun bin! Die Mittagspause war hier an diesem Ort genau richtig um es zu realisieren! Solche Momente muss man zulassen und sich wirklich die Zeit nehmen. Genau jenen Moment werde ich nie mehr vergessen, der ist tief eingebrannt! An diesem Tag durfte ich spontan bei einer Warmshower Gastgeberin Emmanuele übernachten in St. Michel Chef Chef. Tatsächlich ist das wirklich der Ort, wo die kleinen Kekse herkommen, welche du in Frankreich immer zum Kaffee bekommst. Ich entspannte am Strand und wir machten uns abends Galette (dunkler Crêpes mit etwas herzhaften) und zum Dessert gab es dann Crêpes. 🙂 Auch wenn die Bretagne hier eigentlich nicht aufhört, wird hier der Beitrag enden.

Rückblickend war es eine tolle Zeit in dieser einzigartigen und wunderschönen Gegend. Ich habe die Art zu leben im Norden sehr genossen. Die Menschen waren überaus freundlich und nett. Wie schon gesagt, werde ich definitiv mal wieder zurück kommen und die Bretagne wieder besuchen. Klar im Sommer kann man schwimmen gehen, aber ich glaube, dass diese Region auch im späten Frühling seinen Reiz hat! Natürlich befinde ich mich aktuell schon viel weiter südlich und werde noch weiter in den Süden vordringen. Leider macht Corona aktuell in Spanien einige Probleme und ich werde ziemlich sicher nicht die Grenze überqueren. Seid gespannt auf den nächsten Eintrag, dort werde ich mehr wissen und kann euch mehr mitteilen. Mich freut es übrigens, dass ich einige Wetten erfüllen konnte und bin jederzeit für weitere offen. 😉 Mir geht es wunderbar und ich strample fleißig jeden Tag. Einige fragen mich, wie ich die Motivation jeden Tag finde, aber das ist ganz einfach: Ich weiß, dass jeder Tag was neues bringt und selbst wenn das Wetter schlecht ist, gibt es Momente wo ich wie grinsendes Honigkuchenpferd auf dem Fahrrad sitze und staunend alles betrachte. Jeden Tag begegnet man neuen Menschen, die wenn Sie einen auch nur begrüßen, immer wieder Kraft geben! Bleibt weiter gesund und munter!

Liebe Grüße aus Frankreich! 🙂

Die Normandie

Ich möchte euch schon einmal vorwarnen, dass Wörter wie „schön“ oder „wunderschön“ hier sehr oft vorkommen werden! Die Landschaft hat mich wahrhaftig beeindruckt! Die Szenerie jeden Tag mit dem perfekten Zusammenspiel der Dörfer und der Landschaft, egal bei welchem Wetter, waren einfach beeindruckend! Diese Region ist definitiv unter den Favoriten auf der ganzen Tour, obwohl diese ja noch nicht zu Ende ist! 🙂

Los ging es von Paris in den Süden nach Massy. Im morgendlichen Verkehr ging es halbwegs gut mit dem rauskommen aus der Stadt. Ich hielt mich ja komplett an die Fahrradroute und somit hatte ich mit den Straßen kein Problem. Mein erster Stopp war dann bei ca. 35km das Schloss Versailles. Leider wäre es viel zu umständlich gewesen mir das Schloss anzuschauen und den Park. Geschweige den von Gaskartusche und Messer in meinen Taschen. 😀 So sah ich es leider nur von vorne und fuhr weiter. Nach Versailles ging es durch die Waldgebiete im Süden von Paris nach über Rambuillet nach Épernon nach Villiers-le-Morhier. Wie schon auf dem Hinweg nach Paris ist auch hier, wie im Rest der Normandie, die Landschaft durch Getreidefelder und Weideflächen geprägt. Es war ein schöner und sehr heißer Tag mit fast 30 Grad. Die zurückgelegte Strecke war jetzt nicht wie geplant, aber der Weg bis nach Versailles war mit Ampeln gepflastert und somit verbrachte ich mit den 35km fast den ganzen Vormittag. Als ich mich bei Rambouillet endlich in der Landschaft wieder fand war ich glücklich! Das Highlight an diesem Tag war das Kloster “Abbaye des Vaux-de-Cernay” auf diesem Weg. Die Ruhe tat mir sehr gut! Auf einem Campingplatz fand ich in der Nähe von Chartres mein Schlafplatz.

Am Tag darauf war genauso schönes Wetter. Die Tour sollte mich auf toll ausgebauten Fahrradwegen bis 20 km vor Alençon bringen. Es war von Paris über Chartres natürlich nicht der direkte Weg nach Alençon, aber bestimmt der schönste und ruhigste mit dem Fahrrad! In Chartres genoss ich meinen Kaffee vor der großen Kathedrale, bevor es durch die typische, hügelige Landschaft ging. Links und rechts die Hecken mit Ihren Weiden und Getreidefeldern. Von den Mähdreschern lag eine dünne Staubwolke in der Luft und irgendwie fühlte ich mich daheim. 😀 Es ging durch kleinere Städtchen, wie Illiers-Combray und Nogent-Le-Rotrou. Sonst waren es oft nur kleinere Dörfer die man kreuzte. Bei Le Mêle-sur-Sarthe fand ich wieder einen tollen Campingplatz. Als ich eintrat sah ich Milch und eine Flasche Orangensaft. Ich griff sofort zu 😀 Jetzt gab es Haferflocken mit Milch! Die Flasche Orangensaft war leider relativ schnell leer nach dem Zeltaufbau. Zusammen mit 2 anderen Radfahrern halfen wir einer Frau Ihr Pavillon umzusetzen. Später lud Sie uns ein auf einen Cidre. Ich kam mit Ramon ins Gespräch, mit dem ich dann weiterhin Kontakt hatte in den nächsten Tagen. Er fährt mit seinem Kumpel auch den Radweg nach Mont Saint-Michel und dann alleine weiter an der Küste bis nach Roscoff, was auch mein Ziel ist. Es war ein toller Abend!

Am nächsten Morgen ging es also zur letzten großen Stadt bevor es nach Caen geht – nach Alençon. Die Stadt ist für mich ein sehr bedeutender Ort geworden. In einem Café stärkte ich mich und hatte das Bauchgefühl, dass ich zu dem einen Fahrradladen von einem Triathleten gehen sollte. Ich fand diesen am Vorabend. Nach dem Einkauf auf dem Markt ging ich dort hin und verdammt nochmal er sprach Englisch und ich konnte ihm alles erläutern. Nach 2h in der Stadt, wo ich das Geburtstagsgeschenk für meine Schwester besorgte und eine Karte an meine Oma schrieb, waren meine Bremsen für knappe 100€ ausgetauscht! Sensationell! Ich war so glücklich und schickte mehrere Stoßgebete gen den Himmel! Es war ein so großartiges Geschenk!!! Den Rest der Strecke sollte auch eine der anspruchsvollsten der Normandie werden. Es ging auf und ab, was zwar anstrengend war, aber überragende Aussicht auf die Landschaft bot. Überraschend traf ich die beiden vom Vorabend wieder und wir aßen zusammen Mittag! Ich genoss es jemanden zu kennen und sich auszutauschen. An diesem Tag ging es bis nach Domfront um es am nächsten Tag nach Caen zu schaffen! Da ich erst ab 12 Uhr weiter konnte war die Tour sehr anstrengend um es noch nach Domfront zu schaffen, doch ich schaffte es!!! Das Städtchen selber ist auf einem Berg und definitiv einen Besuch wert! Auch der Ort Bagnoles-de-l’Orne, welcher auf der Tour war, ist sehr sehenswert. Leider wurde dieser stark durch Bombenangriffe, vor der Landung der Alliierten beschädigt im 2. Weltkrieg. Beide Orte sind nicht weit voneinander entfernt, aber total verschieden. Während die Altstadt von Domfront sehr mittelalterlich wirkt, mit seinen Steinhäusern und der alten Burg, ist Bagnoles-de-l‘Orne von Fachwerkhäusern geprägt.

Die Fahrt nach Caen startete in Domfront und führte mich auf einem toll ausgebauten Fahrradweg entlang des Flusses „La Varenne“ bis nach Flers. Bei Flers hat man dann die Möglichkeit sich zwischen 2 Wegen zu entscheiden. Einer führt links und der andere rechts von Flers nach Pont d‘Ouilly. Instinktiv entschied ich mich wohl für den richtigen! Er verkörperte noch einmal die typische Normandie mit den Dörfern und den Hügeln. Besonders das Dorf „La Carneille“ hat seinen Charme! Mit seinen typischen Steinhäuseren und den bunten Blumen davor, eine schöne alte Kirche und einer alte Mühle. Die Tour führte ab diesem Zeitpunkt durch die Landschaft des Flusses Orne. Der Höhepunkt war „Roches d‘Oëtre“ (was ich immer noch falsch ausspreche). Das ist ein Felsmassiv in der „Suisse Normandie“. So nennt man die Region, wo die Orne eine atemberaubende Landschaft geschaffen hat. Hier stellte ich das Fahrrad ab und ging ein Stück zu Fuß um die Aussicht zu genießen! Am Morgen habe ich über Warmshowers zwei Familien in Caen angeschrieben und bekam sofort von einer zurück, dass ich gerne willkommen bin. So hatte ich kein Stress bei Caen etwas zu suchen. Das war spitze! 🙂 So konnte ich auch diesen Ausblick genießen! Von Point d‘Ouilly ging es weiter bergauf und bergab bis ich entlang der alten Bahngleise bis nach Caen fuhr. Die Stadt Caen hat eine riesige, alte Befestigungsanlage und eine schöne alte Kathedrale. Ich genoss den Tag in Caen und bei der Familie von Isabell hatte ich einen tollen Abend! Wir tauschten uns viel aus und Antoine, ihr Mann, half mir beim Planen der Tour entlang der Küste. Sie waren beide mit Ihren 3 Kindern 1 Jahr lang mit dem Fahrrad unterwegs. Das älteste war 9 und das jüngste 4. Sie waren in Südamerika und in Neuseeland. Total genial! Er hat ein Buch gemacht und er gab mir ein paar Tipps, wenn ich auch eines machen möchte! 🙂 Ein Funfact nebenbei: Würzburg ist die Partnerstadt von Caen, also die Stadt, welches mein erstes Ziel war auf der Tour! 🙂

Die nächsten drei Tage waren geprägt vom 2. Weltkrieg und die Landung der Alliierten am Strand und per Fallschirm. Ich interessiere mich persönlich sehr und somit waren es sehr viele Eindrücke für mich. Ich schweife es hier nur kurz, weil nicht jeder etwas damit anfangen kann. Die Alliierten landeten am 6. Juni 1944 an verschiedenen Strandabschnitten der Normandie. Den Abend zuvor landeten Fallschirmjäger im Landesinneren um im Landesinneren die Wege zu den Stränden frei zu machen. So mal ganz grob erklärt. Durch schlechtes Wetter und Beschüsse der Flugzeuge landeten die Fallschirmjäger sehr verstreut. Dennoch konnten Sie entscheidend dazu beitragen, dass die Deutschen an mehreren Fronten kämpfen mussten. An den Stränden und in den Ortschaften findet man kleinere Museen und immer wieder gut erhaltene Kriegsfahrzeuge von allen Truppen. Oft dienen diese als Monument. Die Landschaft ist von Bunkeranlagen geprägt. Nach diesen Tagen war mir klar, warum manche Franzosen die Deutschen immer noch nicht mögen! Bei uns im Land sind die Strände frei von diesen Bunkeranlagen und dort, wie auch in Belgien und Niederlande, haben wir etwas hinterlassen was für mich unvorstellbar ist. Die Anlagen waren auf Klippen mit unterirdischen Gängen verbunden. Der Bau des Atlantikwall wurde von Fritz Todt so akribisch und detailliert geplant und umgesetzt. Mir war das Ausmaß nie so bewusst und die Landschaft dort wird immer davon erzählen, ob wir wollen oder nicht! Auch war es seltsam auf Omaha Beach, der hauptsächliche Landepunkt der Amerikaner entlang zu fahren. Es waren Abertausende Seemienen im Meer und mit 3 – 6 Reihen Panzersperren und Stacheldraht war der Strand abgesichert. Das Museum „Operation Overlord“ und die Batterie bei Crisbecq habe ich mir angeschaut. Auch die Stadt Carentan, welche sehr wichtig war als Stützpunkt war ein Teil der Tour. Imposant war auch der Ort Port-en-Bessin-Huppain, welcher als Ölhafen kurzerhand ausgebaut wurde nach der erfolgreichen Landung der Alliierten. Das Wetter selbst war sehr nasskalt und windig die 3 Tage und wie das Wetter, so war auch meine Motivation. Zum ersten Mal hatte befand ich mich in einem riesen Loch und mir fiel es schwer da raus zu kommen. Somit kämpfte ich mich die 3 Tage durch nach Cherbourg, die nördlichste Stadt auf dieser Halbinsel. Das coolste passierte 1 Tag bevor ich nach Cherbourg fuhr. Am frühen Morgen traf ich einen Rennradfahrer, seine Name ist Camille, welcher mich kurzerhand in Cherbourg einlud! Ich habe es ihm paar mal gesagt, dass er in dieser Phase ein Engel war für mich. Ich war platt und im Kopf einfach k.o. und lädt mich jemand einfach so ein?! Solche Geschichten prägen mich und meine Tour. Ich kam komplett durchnässt und vom Wind gezeichnet bei Ihm und seiner Familie an! Wir hatten eine total schöne Zeit miteinander. Ich durfte Calvados probieren und die Rehwurst seines Onkels. Er bereitete hervorragende Makrelen zu mit Risotto! Zum Abschluss noch ein Apfel-Rhabarber Tarte… Einfach der Himmel auf Erden! Wir vereinbarten, dass wir am nächsten Morgen mit seinen Kindern an die „Nez de Joburg“ fahren und entlang der Küste. Dieser Vormittag war für mich wie Urlaub und ich genoss es total! Die Ausblicke und die Landschaft waren fantastisch! Es war überragend schön und ich sparte mir so mehrere Höhenmeter mit dem Fahrrad! Nach einem Mittagessen ging es dann entlang der Küste weiter. Am liebsten wäre ich noch ein Tag länger geblieben. Ich hoffe wir bleiben in Kontakt und wenn ich mal wieder in Deutschland sesshaft bin, habe ich sie zu mir eingeladen! 🙂 Es war sehr besonders und ich bin unendlich dankbar!!

Nun ging es noch 2 volle Tage entlang der Küste bis kurz vor Saint Mont-Michel. Meine Motivation war zurück! Ich schlief eine Nacht bei einem kleinen Campingplatz, der aber fest jemanden gehört und Familien sich treffen. Ich habe gefragt und durfte umsonst dort schlafen. Als ich dann am 2. Tag den Mont Saint-Michel sah war ich begeistert! Ich habe wieder einmal ein Ziel und eine Wette erreicht! Entlang der Küste war es schön und anders wie die östliche Seite, ist diese viel hügeliger! Ich hielt mich nicht an Radwegen wie Antoine es mir empfiehl, sondern hielt mich an die Küstenstraßen. Der Verkehr war hier nicht großartig!

Das Highlight der Normandie war natürlich Mont Saint-Michel. Ich habe gelernt, dass die Menschen der Normandie stolz darauf sind und sie sich mit den Bretonen oft darum streiten, wem diese Sehenswürdigkeit gehört. Sehr lustig! Schon gegen kurz nach halb 7 startete ich und genoss die Morgensonne und später die wenigen Touristen dort. Ich war gegen halb 9 dort und als ich ging, trafen immer mehr Leute mit Bussen ein. Also alles richtig gemacht! 🙂 Es war leider Ebbe und somit konnte man nicht das ganze Feeling dieses Berges im Meer haben, aber dennoch war es ein wirkliches Highlight für mich! Es ging dann weiter in die Bretagne. Hierzu verfasse ich einen eigenen Blogeintrag.

Ich genieße jeden Tag in Frankreich! Es ist ein schönes Land und es ist toll in jedem Ort die Möglichkeit zu haben einen Kaffee zu trinken, wenn man will. Ich liebe es in den frühen Morgenstunden Fahrrad zu fahren. Das Licht ist sehr besonders und aus den Dörfern strömt der Duft der „Boulangerie“. Dieser Geruch von frischem Croissant ist teilweise unwiderstehlich. Ein Baguette ist über den Tag mein Begleiter und wird zur Not geteilt und im Rucksack transportiert. Ich bin froh diese zweite Chance meiner Auszeit ergriffen zu haben! Jeder Tag, egal ob Regen, Wind oder Sonne ist ein besonderer! Auch wenn die Bilder oft schön sind habe ich auch Regentage und gerade trägt mich dieser eine Traum! Ich lebe meinen Traum frei zu sein. Es ist nicht leicht jeden Tag um 6 Uhr aufzustehen und dann 8-12h Fahrrad zu fahren. Es kostet Kraft und jeden Tag auf neuem muss ich mich motivieren aus meinem Zelt aufzustehen und es abzubauen und mein Fahrrad zu packen. Unter dem Tag gibt es oft Obst, Käse und Baguette/Brot. Frühs etwas süßes und abends was kleines kochen. Ab und zu gönne ich mir ein Bier abends oder mal ein Eis unter dem Tag. Das war jetzt mal ein kurzer Einblick in den Alltag 🙂

Aktuell habe ich schon 400km in der Bretagne zurück gelegt und sitze bei Roscoff an meinem Zelt und lausche dem Meer. Werde nun, es ist 19 Uhr, noch einmal ans Meer gehen und dann duschen und mir etwas kochen. Ich bin vor 12 Tagen in Paris gestartet und habe seitdem fast 1.500 km zurückgelegt ohne Pausentag. Insgesamt sind es mit den Wegen auf Sizilien schon über 6.200 km! Heute hatte ich mit 50km keine große Tour und mir den „Pausentag“ in Roscoff gegönnt. Anders als im geheimen geplant geht es nicht nach Irland mit der Fähre, weil da aktuell Fahrräder verboten sind, sondern weiter die Küste entlang bis nach Nantes. So sehen die nächsten Tage aus und ich freue mich sehr darauf. Das mit Irland wäre natürlich nur ein Abstecher gewesen und daher nicht schlimm, dass es nicht möglich ist. So spare ich Geld und kann eventuell doch noch weiter in den Süden! Mir geht es, nach dem kurzen Loch in der Normandie, wieder sehr gut und ich bin voller Tatendrang!!! Seid gespannt auf die Geschichten aus der Bretagne 😉 Bleibt gesund und genießt den Sommer! 🙂

Mit einem Foto des Monument der Eagle Company und des Mont Saint-Michel habe ich die nächsten Wetten eingelöst! Ich warte auf weitere traut euch! Auch Lars seine Wette mit einem Foto von Männern in Bärten läuft! 😊💪 Auf geht’s!

Euer Michi

Durch die Niederlande, Belgien und dann bist du auf einmal in Paris!

Als ich von Leer (Ostfriesland) startete um nach Groningen zu fahren, habe ich nicht zu träumen gewagt 2 Wochen später in Paris zu sein! Ich lebe einen Traum, meinen Traum, auch wenn es nicht wie geplant läuft kann ich meinen Weg so gestalten wie ich möchte. Das ist einfach total genial und ein riesen Geschenk!

In Groningen kam ich ja mit dem Bus an, weil Sturmwarnung im Nordwesten war. Die Stadt sollte nur der Beginn sein und mir die Schönheit der Niederlande zu zeigen. Es ist keine große Stadt. Der Stadtkern ist klein und alles ist zu Fuß erreichbar ohne viele Kilometer zurückzulegen. Was mir sehr auffiel ist die Schönheit der Landschaft. Am ersten Tag fuhr ich nach Hoogeveen. Hier ging es durch den Kreis Drenthe, welcher unterhalb von Groningen liegt. Die Landschaft ist geprägt von Weidewiesen, Getreide und Naturschutzgebiete. Schon wenn man Groningen verlässt fühlt man sich wie auf dem Land. Hier und da mal ein kleines Örtchen. An den Straßen noch Wegweiser, welche ich aus Filmen wie „Der Soldat James Ryan“ kenne. Die Fahrradwege sind top ausgebaut und immer mit einer eigenen Ampel versehen. Auch auf dem Land! Leider hatte ich an dem Tag immer wieder Regen und Wind, aber zum Glück nicht dauerhaft. Natürlich sah man immer mal wieder die ein oder andere Mühle 😀

Ein großes Etappenziel heute war das Kamp Westerbork. Es war auch der Grund, warum ich nicht an der Küste entlang fahre. Über die Coronazeit habe ich das Anne Frank Tagebuch gelesen und somit war dies auf meiner Liste, wenn ich mal die Niederlande durchquere. Wie auch in Deutschland kannst du diese Lager umsonst anschauen. Es ist nicht viel erhalten. Das Haus der SS Offiziere steht noch und ein paar Baracken sind nachgebaut. Als Monument steht eine gesprengte Schiene am Ende des Kamps. Das Lager selbst liegt in einem grösseren Waldstück und diente als Durchgangslager, wovon Juden in den Osten deportiert wurden, nach dem die Nazis in die Niederlande einfielen. Das heftigste für mich war die Fahrt vom Kamp bis zum Parkplatz. Denn hier hast du alle 10 Meter einen Pfosten mit den abtransportierten von jedem Tag. Ich bin da ca. 10-15 Minuten gefahren und erst dann hörte es auf. Unvorstellbar! :/ Manchmal wurden am Tag mehr als 1.000 nach Auschwitz oder andere Lager gebracht manchmal aber auch „nur“ 500… In Gesprächen mit meinen Gastgebern erfuhr ich, dass durch die genaue Dokumentation der Einwohner den Nazis leicht gemacht wurde die Juden zu finden. Diese bekamen einen Brief und wenn Sie wie Anne Franks Familie untertauchten wurden diese gesucht. Bis heute vermutet man, dass die Familie verraten wurde. Dunkles Kapitel von Max Herre passt hier sehr gut. Kurz ein Anstoß: Ich habe hier das Lied „Wiegala“ angehört, welches von einer Jüdin in Auschwitz gesungen wurde. Die Toten Hosen haben es bei Ihrem Livealbum „Entartete Musik“ gespielt. Wer will, kann mal reinhören ich bekomme da Gänsehaut…

Kurz vor Hoogeeven fuhr ich durch ein Naturreservat mit Seen, Wiesen und Wäldern. Leider regnete es, sonst hätte ich es mehr genossen, aber es war total schön dort! Den Abend durfte ich bei Erik und seiner Frau übernachten. Es gab ein leckeres Essen und wir tauschten uns über alle Geschichten aus. Er hat auch schon echt schöne Touren erlebt. Da er für die Region Drenthe eine Radtour erstellt hat, half er mir die Tour nach Almere zu planen, wo ich bei Edwin und seiner Familie schlafen werde. Der darauffolgende Tag hatte auch wieder einige Schauer zu bieten. Als der größte Schauer kam, wollte ich mir gerade einen Kaffee holen in einer Bibliothek in Zwartsluis. Daraus wurden 2 und Ich durfte auch innen etwas Essen, somit konnte ich dem Regen zuschauen 😉 Es gibt schlimmeres 😉 Das nächste Highlight war die Hansestadt Kampen. Eine richtige schöne alte Stadt! Ich konnte die Aussicht auf die Promenade an der Ijssel beim reinfahren genießen. 🙂 Hinter Kampen ging es dann über eine Brücke nach Flevoland. Ein großer Teil hiervon ist eine künstliche Insel, die im 20. Jahrhundert aus dem Ijsselmeer angelegt wurde. Es ging an der Bundesstraße entlang nach Lelystad und von dort aus entlang am Markermeer, welches durch einen Deich vom Ijsselmeer getrennt ist, nach Almere. Rechts war das Wasser und links ein Naturschutzgebiet. Ich habe zwar mit dem Wind zu kämpfen gehabt, aber es sehr genossen! In Almere ging der Akku meines Garmin leer und ich musste die Adresse von Edwin mit meinem Handy herausfinden. Es war anstrengend, aber ich habe es geschafft, wenn Sie auch schon gegessen hatten… Der Abend war schön. Ich durfte in seinem Büro arbeiten, welches erst eines wurde durch das Arbeiten im Homeoffice seid Corona. Es gab einen sehr leckeren Apfelkuchen, welcher einer der Söhne gemacht hat! Ich bekam am nächsten Tag das letzte Stück mit! 🙂

Mit voller Vorfreude, trotz schlechtem Wetter, ging es nach Amsterdam. Der Weg war kein besonderer, aber das Gefühl diese Stadt mit dem Fahrrad erreicht zu haben war großartig! Mir peitschte der Regen die ganzen 60km ins Gesicht und erst als ich zum Hostel fuhr, wurde es ein wenig besser. Dort angekommen, im südlichen Amsterdam, konnte ich sofort einchecken mich frisch machen und etwas zum Kaffee kaufen, denn Jochen sollte jeden Moment mit dem Auto ankommen. So kaufte ich Kuchen, Cookies und Brownies. Wenn man Fahrrad fährt gibt es kein schlechtes Gewissen 😀 Die Tage waren trotz des schlechtem Wetter perfekt für mich. Neben Stippi wieder mal einen Freund zu treffen und sich bei dem ein oder anderen Kaffee/Bier auszutauschen tat gut, sehr gut! Ich genoss es in vollen Zügen. Ich gönnte mir auch mal wieder richtige Restaurants und wir waren im Rembrandt Haus und im Rjiksmuseum. Das Anne Frank Haus war leider ausgebucht! :/ Ja, leider war das Wetter erst am letzten Abend gut, aber dennoch hatten wir 3 tolle Tage! Die Stadt ist schön und man spürt die Besonderheit, wenn man die ersten Schritte macht. Natürlich liegt der süßliche Geruch von Marihuana in der Luft und spätestens wenn man realisiert, dass Bordelle neben der Kirche sind, weiß man „Ich bin in Amsterdam.“ Die alten Häuser und die Kanäle machen die Stadt, wie Venedig natürlich zu etwas besonderem!

Am Samstag, den 11. Juli brach ich dann in Richtung Rotterdam auf. Die Fahrt führte nochmal durch Amsterdam und die Sonne kam sogar heraus. Der Weg nach Haarlem war entlang an Deichen total schön! Auch Haarlem selber wachte gerade auf, als ich dort ankam war ich im anfänglichen Marktgetümmel. Dort genoss ich meine alltägliche Kaffeepause und fuhr weiter zu den Dünen nach Zandvoort. Entlang der total schönen Dünenlandschaft ging es bis nach Den Haag. Nur ein kurzer Abstecher nach Leiden war dabei und dieser hat sich total gelohnt! Sicher Amsterdam ist schön, aber Leiden als kleine Stadt, ist für mich nach den Tagen der schönste Ort in den Niederlanden! Die zahlreichen Cafés und die Kanäle haben mich tatsächlich total verzaubert! Auch Den Haag, mit dem UN Gebäude und Delft sind total lohnenswert und schön! Alles in allem ein wunderbarer Tag, ohne Regen und mit der Abwechslung einer schönen Landschaft und den tollen Städten. Die moderne Stadt Rotterdam bietet hier natürlich den totalen Gegensatz. Dort angekommen durfte ich mich auf einen freien Sonntag freuen, wo ich meine Tour weiter planen konnte. Bis dahin stand nur fest, dass ich bei Eindhoven und Antwerpen einen Schlafplatz habe. Am Abend gab es ein tolles Barbecue bei Charlotte. Ich half mit und wir hatten mit Ihren Eltern, Ihrer Schwester und den Drillingen einen tollen Abend! Matthjis kochte sehr gut und ich durfte am Sonntag morgen mit Pancakes gestärkt die Stadt erkunden. Neue Sandalen musste ich mir kaufen, weil die bei der Fahrt von Bremen leider einer verloren ging… Mit nur einem lässt es sich schwer fahren 😀 Ich genoss die Zeit in Cafés und ziemlich schnell war mit meiner Schwester geregelt, dass ich in Paris einen Schlafplatz bekomme! Für mich war das sensationell und ich freute mich total, auch wenn Paris nie auf der Liste stand, war es nun umso cooler und wie schon die ganze Zeit lies ich mich treiben und meine Tour wurde spontan mit einem Umweg nach Paris bereichert! Den Tag lies ich ausklingen mit einem Spaziergang, einen kleinen Einkauf und einem Abendessen bei Charlotte und Matthjis. Auch wenn Rotterdam anders ist, als der Rest der Städte die ich sah, habe ich es genossen! Die moderne Architektur ist teilweise echt sehenswert.

Der nächste Tag (Montag) war der letzte komplette auf niederländischem Boden. Der Tag wurde wie erwartet durch das Rhein- und das Maasdelta bestimmt. Speziell an der Maas war es wundervoll mit dem Fahrrad entlang zu fahren. Ich musste oft auf Fähren setzen, aber dafür konnte ich die schöne Natur genießen! Das Highlight waren natürlich die Windmühlen von Kinderdjik!!! Auf 3km hat man sehr viele Windmühlen links und rechts. Es ist eines der Highlights in Niederlande und auch auf meiner Tour! Der Tag war nicht verregnet und ich konnte es wirklich in vollen Zügen genießen! Die Landschaft ist dort wie gesagt einfach toll und ich war froh mich gegen die Städte Breda, Tilburg und Eindhoven entschieden zu haben. Der Abend bei Ruud und seiner Frau war toll. Es gab ein leckeres Abendessen mit einem Eis zum Schluss und wir saßen bis 22 Uhr draußen und unterhielten uns. Er hat Parkinson und fährt mit einer Art Trike durch Europa um dort mit anderen Organisationen und Ländern ins Gespräch zu kommen. Dabei wird er durch Spenden unterstützt. Finde ich sehr eindrucksvoll, vor allem mit Ende 50 so etwas zu machen. Er brennt dafür und daher wird es so lange machen wie es geht. Ich wünsche ihm echt alles, alles Gute und weiterhin tolle Touren! Der Weg nach Antwerpen war unspektakulär, da er am Kanal entlang führte. Es regnete mehrmals stark und somit war auch dieser Tag sehr anstrengend für meinen Kopf. Beeindruckt haben mich die Bunker entlang des Kanals. Diesen Weg haben die Alliierten genommen um Niederlande und Belgien zu befreien. Deshalb wird die Route auch „Libération Route“ genannt. Die Stadt ist auch noch sehr gut erhalten und echt sehenswert! Leider regnete es wie gesagt und ich konnte sie nicht ganz so genießen wie gewünscht :/

Von Antwerpen sollte es nun in 3 Tagen vor die Tore von Paris gehen. Es war eine verrückte Idee und mein Körper musste alles raushauen was geht! Von Antwerpen ging es an der Bahntrasse nach Gent und dann entlang eines Kanals nach Brügge. Beide Städte sind aufjedenfall einen ausgiebigen Besuch wert! Vor allem Brügge hat einen sehr speziellen Reiz mit einigen schönen Brücken und den vielen Cafés! Der Tag war super und ich hatte Glück, dass ich bei einem Regensturz in einem Café in Brügge saß und in meiner Mittagspause Kaffee und Waffel genossen habe. In Brügge erfüllte ich die Wette von Jochen mit dem Foto des Belfried! Weiter am Kanal ging es nach Oostende an die Nordsee. Ich wusste, dass ich um spätestens 7 Uhr am Campingplatz in Dunkerque sein muss, weil er dann schließt. Ich war gut in der Zeit, aber musste das Pensum von ca. 20 km/h beibehalten. Ich genoss den Meeresduft und war einfach Happy bei dem Wissen, dass das Meer mich immer begleiten wird auf meiner Tour! Mein Grinsen sahen manche und lachten oder grinsten zurück. 🙂 Meine Essensvorräte gingen zur Neige so aß ich eine Bratwurst auf einem Markt kurz vor der französischen Grenze. Sie schmeckte nicht annähernd wie daheim 😀 Rechtzeitig schaffte ich es am Campingplatz anzukommen und ging nach der Anmeldung erst einmal etwas essen. Das lustige war, dass ich 2 Tonic und ein Bier bestellte. Die Bedienung war verwundert, ob das alles für mich sei und daher drehte sie nochmal um und fragte an der Bar nach. Tja, ich hatte Durst 😀 Nach dieser Stärkung baute ich mein Zelt auf, duschte und erfüllte ein Punkt auf meiner Liste und das war der bekannte Strand mit seinen alten Bunkeranlagen. Wenn man dort im Sand steht kann man sich nicht vorstellen wie sich die Briten fühlten, als im Rücken die Deutschen waren und private Boote aus England sie heim holten. Eine echt krasse und beeindruckende Story! Es fing erst mit Regen an, als ich im Zelt war. Ab da ist es egal und auch wenn es die ganze Zeit regnete schlief ich sehr gut! An diesem Tag waren es fast 190 km!

Der folgende Tag war der erste entlang der Küste in Frankreich. Die Steigungen waren hier zurück und mein Fahrrad konnte wieder das tun was es kann: Klettern. Ich genoss es wieder diese Abwechslung zu haben, weil jede Steigung auch heißt ich darf irgendwann mein Bike einfach rollen lassen! 🙂 Ich war endgültig angekommen, als ich frühs in einer Bäckerei ein Kaffee und ein Croissant aß. 🙂 Willkommen in Frankreich! Der Tag war nicht zu heiß und trocken und damit perfekt! Das Ziel war am nächsten Tag weniger als 200km zu fahren dafür mussten heute mindestens 150 km her. Der Küstenabschnitt zwischen Calais und Boulogne sur Mer war durch seine Auf und Abs geprägt. Auch Schotterwege waren wieder dabei. Die Aussicht auf das Meer und auf England waren sagenhaft!!!

Gegen 17 Uhr war ich in Berck sur Mer und sah ein Schild von einem Campingplatz. Ich hörte auf mein Bauch und steuerte diesen an, da ich vorher auch schon Käse, Tomaten, Brot und Thunfisch besorgt hatte. Es war die richtige Entscheidung. Die Frau im Check In war ein Engel. Sie half mir mich auf Französisch zu verständigen und erklärte mir den Platz, als ich 5 Minuten später zurück kam. War das Büro geschlossen. Das war wieder so einen Moment, der die zeigt wenn du dich treiben lässt und auf dein Bauch/Herz hörst, wirst du immer sogenannten „Trail Angels“ begegnen. So nennt man das, wenn jemand einem unerwartet hilft. 🙂 Jeder kann seine Meinung über Glück haben, für mich ist das nicht einfach nur Glück, aber dazu irgendwann mehr! 😉

So, an diesem Tag soll es also vor die Tore von Paris gehen, zu den Eltern von Deborah, bei der ich in Paris übernachten kann. Dreiviertel der Route war einfach total schön. Das Naturreservat an der Mündung zur Somme und dann entlang der Somme nach Abbeville und Amiens. Beides sehr schöne Städte und dann waren auf dem Weg noch kleinere Ortschaften. Einfach toll! Vor allem der Teil von Abbeville nach Amiens war schön, da der Fluss hier natürlich verläuft und nicht begradigt ist. Nach Amiens ging es dann wieder auf und ab. Durch die Hügellandschaft, welche landwirtschaftlich mit Feldern geprägt ist. Alte kleine Dörfer lagen auf dem Weg und machten somit diesen Abschnitt, trotz der Anstrengungen, zu einem tollen Teil des Tages. Sobald ich in der Nähe von Paris war wurde es grausam, weil Komoot mich auf Schnellstraßen schickte und ich da nicht fahren durfte. So plante ich mit Hilfe meines Smartphones immer wieder meinen Weg. Der letzte Abschnitt führte dann noch durch Sandwege, welche für Pferde sind. Schieben war angesagt. Ich war platt, einfach platt… Doch ich habe gelernt mich zu motivieren und somit schaffte ich es auch an diesem Tag mein Ziel zu erreichen! Nach 204 km war ich am Ziel! Verrückt!!! Mein Fahrradsattel passte ich an, da er locker war und schaute nach den Bremsen, da sie Schleifgeräusche machten. Wir aßen aber dann und somit wollte ich in Paris nochmal schauen. In der Gartenlaube schlief ich relativ schnell ein und war froh als es am nächsten Tag mit dem Zug nach Paris ging, weil es durch die Schnellstraßen ein Graus geworden wäre… Nach 18 Minuten war ich am Gare de Noord und fuhr von dort mit dem Fahrrad zur Seine und zu Deborah. Ein krasses Gefühl war es natürlich durch die Straßen zu fahren und dann den Eiffelturm zu sehen!!! Unfassbar! 🙂

Das Problem mit den Bremsen ist nicht mehr so arg und sollte nach anpassen der Schrauben von den Belägen passen. Ein Klacken beim Treten macht mir ein wenig Sorgen. Hoffentlich nicht das Lager, aber ich denke positiv. Beim nächsten Fahrradladen frage ich mal nach einem Pedalschlüssel vielleicht ist da was locker.

Wie geht es jetzt weiter fragen sich viele: Ja, es geht noch nicht nach Hause und es geht auch nicht in den Süden. Ich werde den « La Véloscénie » nach Le Mont-St-Michel nehmen. (https://www.francevelotourisme.com/itineraire/la-veloscenie) Werde aber dann bei Domfront nach Caen abbiegen um die Runde nach Carentan und Cherbourg machen. Diese führt am Omaha Beach und Utah Beach entlang, wo die Alliierten landeten. Das interessiert mich schon seit jeher und ab diesem Punkt geht es bis nach Roscoff in der Bretagne. Das ist nun erst einmal der Plan für die nächsten Tage. Bewusst werde ich mir abends Campingplätze suchen und keine Tagesziele festlegen. Es gibt dir mehr Freiheit und die nächsten Tage will ich ein wenig Zeit für mich haben. Bei Roscoff werde ich wieder neu planen und mich entscheiden! 🙂

Paris ist eine tolle Stadt und die 2,5 Tage hier habe ich sehr genossen. Doch bin ich nun froh wieder aufzubrechen und die Landschaft von Chartre, der Normandie und Bretagne zu erkunden! Morgen werde ich am Schloß Versailles vorbei kommen. Da werde ich meine Frühstückspause mit einem Kaffee machen! 🙂 Dieses Ritual ist immer zwischen 9 und 10 Uhr. Hier nehme ich mir explizit Zeit für einen Kaffee und setze mich dabei auch wirklich in Ruhe hin und genieße ihn. 🙂 Ich melde mich dann wieder aus der Bretagne. 🙂 Bis die Tage!

Gerne nehme ich noch Wetten an!! Es freut mich, dass ich auch in der Bretagne wieder 2 Stück erfüllen kann ! 🙂

Hier nochmal die Übersicht der Touren: https://www.komoot.de/collection/891992/-footsteps-for-happiness

Von Flensburg zum nördlichsten Punkt Deutschlands bis nach Amsterdam

Heute haben wir den 10. Juli 2020 und ich sitze in einem Hotel in Amsterdam. Es ist einfach verrückt wo mich diese Reise überall hinführt! Genau vor 17 Tagen startete ich mit dem Fahrrad von der Ostsee, genauer gesagt von Flensburg in Richtung Nordsee. Rückblickend fühlt es sich so an, also ob es eine Ewigkeit her ist. Ich glaube es liegt an den vielen Eindrücken, die auf einen während der Fahrradtour einprasseln. Ich muss mir aufschreiben, wo und wann welches Ereignis war, damit ich die Eindrücke behalte und nicht vergesse. Mit der Reise nach Sylt habe ich mir einen langen Traum erfüllt. Natürlich war mir bewusst, dass die Insel sehr teuer ist, aber da es dort einen Campingplatz in den Dünen gab, wollte ich sofort hin. Die Fahrt nach Sylt ging durch das Inland von Schleswig-Holstein, nur ein paar Kilometer an der dänischen Grenze entlang. Die Landschaft war geprägt von Weiden und Windrädern. In Klanxbüll fuhr ich mit dem Zug nach Westerland und meldete mich beim Campingplatz an. Das tolle an diesem Campingplatz ist, dass er an den beiden letzten Strand Abschnitte von Westerland liegt und somit es sehr ruhig ist. Für das Zelt musste ich mir noch Sandheringe kaufen, welche länger und dicker sind, da der Wind in bzw. auf den Dünen sehr stark weht. Der Aufbau dauerte natürlich eine Weile, da der Wind es ein wenig schwierig gestaltete, aber danach gab es ein Bier und einen leckeren Bulgursalat mit Fetakäse!!! Der Abend war total schön und ich genoss die Ruhe und den Sonnenuntergang am Meer. Das tolle Bild, wo ich im Meer stand wurde spontan von einer älteren Dame gemacht und Sie schickte es mir dann auf mein Handy. Die näheren Aufnahmen sind leider stark verpixelt, aber das Bild beschreibt sehr stark meine Gefühle an diesem Abend. Es war das Gefühl von purer Freiheit! Ich schlief sehr spät erst ein und am nächsten Tag frühstückte ich während dem Sonnenaufgang und ging baden im Meer. Es war dann einfach wundervoll sich von der Sonne danach aufwärmen zu lassen. Bis dahin hatte ich an diesem Tag keine Lust Fahrrad zu fahren. Als ich durch Westerland lief und mir eine neue Fahrradunterhose und kurze Hose kaufte entschied ich, heute zum nördlichsten Punkt Deutschlands zu fahren und somit Sylt mit dem Fahrrad entdecken. Wenn ich daran zurückdenke, würde ich mir in den Arsch beißen, wenn ich lieber im Strandkorb gechillt hätte. Es war mein sportlicher Ehrgeiz, der mich mal wieder dazu gebracht hat, auf den Sattel zu steigen. Am Ende des Tages standen 70 km und ein geniales Erlebnis! Die Insel hat seine schöne Ecken im südöstlichen Teil ist ein großes Vogelparadies, am nordwestlichen Teil bei List, hat man die tolle Küste als Surferparadies und im Norden am sogenannten „Ellenbogen“ ist einfach eine totale Ruhe, welche an dieser Stelle nur durch die Möwen und Wellen unterbrochen wird. Vereinzelt trifft man ein paar Angler oder welche die ein paar Muscheln suchen. Angekommen am östlichen Punkt des Ellenbogens musste ich mein Fahrrad mehrere Kilometer über den Sandstrand schieben, was bei fast 30° natürlich eine sehr anstrengende Angelegenheit war! Als ich dann aber endlich das kleine Schild erreichte und am nördlichsten Punkt Deutschlands war, fühlte ich mich als wäre ich am Nordkap! 😀 Es war ein unbeschreibliches Gefühl, ein Kraftakt, eine Energieleistung! Jetzt stand ich hier und alle Emotionen kamen raus. Ich schrie einfach nur laut meine Freude heraus und ein paar Menschen drehten sich um, aber das war mir egal! Ich hatte es tatsächlich geschafft. Der Rückweg ging an einer Bar vorbei, wo ich neben meiner Belohnung mit einem „Kaktuseis“ mal eben 1l Bitter Lemon trank. 😀 Die Rückfahrt im Nordwesten der Insel war atemberaubend schön. Es gibt hier keine Autos, sondern nur einen Fahrradweg und nebenbei eine mediterrane Landschaft. Den Abend verbrachte ich am Strand und im Meer! Ein Missgeschick ist mir passiert beim Abendessen, als ich meine Spaghetti im Zelt kurz umschmiss. Es war nicht viel was heraus lief, aber mein Zelt musste ich nun erst einmal reinigen mit allen Tempos und Feuchttücher die ich dabei hatte… Tja, so etwas passiert, wenn man meint es mit ins Zelt nehmen zu müssen. 😀

Entlang an der Nordseeküste ging es von Klanxbüll nach Husum. Das Wetter war noch top, aber leider wurde es sehr windig, da am nächsten Tag ein Gewitter kommen soll. Die Tour ging entlang der Hamburger Halligen und Nordstrand nach Husum. Auf dieser Tour habe ich das Wattenmeer bei Ebbe erlebt und somit waren viele Vögel an der Küste. Hinter dem Deich waren schöne Naturschutzgebiete, wo viele Zugvögel den Sommer verbringen. Vom NaBu gibt es hier Beobachtungsplätze, welche einen schönen Ausblick auf die tolle Landschaft ermöglichen. Auch das Salzhaff und natürlich die Halligen war ein total schöner Anblick! Die Fahrt entlang am Deich ist natürlich sehr anstrengend, da einem der Wind oft ins Gesicht bläst und somit mehr Kraftanstrengung notwendig ist. In Husum kaufte ich mir frische Kirschen, Feigen Chutney und sonstige Dinge für die nächsten Tage ein. Die Kirschen waren natürlich noch am selben Abend fort, als ich im Nordseebad in Husum mich erfrischte, nachdem das Zelt aufgebaut war. Auf dem Zeltplatz lernte ich einen älteren Hamburger kennen, der schon viel in Skandinavien mit dem Fahrrad rum kam und nun mal wieder seine Heimat erkunden wollte. Da lernte ich auch, das Hamburg-Altona erst unter den Nazis zu Hamburg dazugelegt wurde. Dieser Stadtteil kam zu Wohlstand, da hier jeder wohnen durfte und nicht wie in Hamburg etwas vorzuweisen war. Auch war Altona durch die späte Angliederung an Hamburg sehr lange dänisch, wie der Rest von Schleswig-Holstein. Dadurch zeigt sich das dänische Königshaus immer wieder in Altona bei verschiedenen Ausstellungen. Die Tour nach Büsum begann sehr früh, da am späten Nachmittag ein Gewitter kommen sollte. Da ich so früh startete, konnte ich eine komplette Runde um die Halbinsel Eiderstedt drehen. An der Spitze dieser Insel liegt das bekannte Nordseebad St. Peter Ording mit seinem riesigen Strand. Die 3€ Kurtaxe gönnte ich mir und machte dort meine Mittagspause und ging ein wenig schwimmen. Den ganzen Tag war ich unruhig, da sich mein Couchsurfer leider nicht meldete. Leider stellte sich auch später heraus, dass er sich im Datum geirrt hatte. Mit einem Abstecher nach Tönning, welches an der Eidermündung liegt, ging es über einen Umweg nach Büsum. Der Umweg hat sich nicht nur wegen Tönning gelohnt, sondern der Weg an der Eider, welches auch ein Naturschutzgebiet ist, war einfach sehr schön! Das Highlight war natürlich die Ankunft am großen Eidersperrwerk, als wir warten mussten, bis die Boote durchgefahren sind. Die Lautstärke der Möwen war einfach krass! Ein regelrechtes Geschrei lag in der Luft. In Büsum angekommen suchte ich mir ein Zimmer, weil das Gewitter sich ankündigte und so schlief ich in einer kleinen Bude mit Fernseher und Sportschau.

Von Büsum ging es am darauffolgenden Tag zum letzten Stopp vor Hamburg. Es ging nach Glückstadt an der Elbe. Die Stadt wurde 1617 vom dänischen König und Herzog von Schleswig und Holstein gegründet. Der Grund war ein Stadt näher an der Nordsee zu errichten, welche der Hansestadt Hamburg die Stirn bieten kann. Als Christian IV. die Stadt auf Glückstadt taufte, sagte er: „Dat schall glücken und dat mutt glücken und dann schali se ook Glückstadt heeten…“. Damals war diese Gegend eine frisch eingedeichte Sumpflandschaft an der Mündung des Rhins in die Elbe. Die Tour an sich war frühs von Regen begleitet, aber der Weg durch den Kreis Dithmarschen war sehr schön und ich habe es total genossen nach Brunsbüttel zu fahren. Die sehr landwirtschaftliche Gegend mit viel Weideland wirkte auf mich sehr ruhig und ich genoss diese Ruhe noch einmal bewusst, da ich wusste, dass es bald in die Metropole Hamburg gehen wird. Die Stadt Brunsbüttel selber ist nichts besonderes, aber dort angekommen war ein Vater mit seinen beiden Kindern unterwegs und die Tochter war so neugierig und fragte mich allmöglichen Dinge. Das coolste war: „Wenn du so viel unterwegs bist, warum dann nicht mit dem Auto?“ 😀 Ich antwortete: „Das wäre doch viel zu langweiligt.“ Und Sie. „Stimmt!“ 😀 In Glückstadt schaute ich dann mit einigen HSV Fans den letzten Spieltag der 2. Liga. Ich trauerte nach der bitteren Niederlage mit Ihnen… Bei Heiko, meinem Couchsurfer war es spitze. Er selber war viel mit dem Fahrrad unterwegs. Unter anderem fast die komplette Ostsee, auch der russische Abschnitt war dabei. Das hat mich sehr begeistert! Sein Abenteuer dieses Jahr an der Wolga entlang fällt nun leider aus wegen Corona. Mit einem Foto von einem Freund aus der Bretagne gab er aber eine Wette ab und will etwas spenden, wenn ich dieses Foto dem Freund vorbei bringe. Die Idee fand ich spitze und habe die Wette natürlich angenommen! Der Weg nach Hamburg am Tag darauf ging viel hinter dem Deich entlang und war sehr schön! Als ich das Ortsschild von Hamburg neben mir hatte war ich natürlich wieder sehr stolz!!! Entlang an den Landungsbrücken ging es über den Jungfernstieg ab nach St. Pauli. Ich löste die Wetteinsätze der Alten Herren (Fussball) ein und machte ein Selfie mit den Stadien von St. Pauli und dem HSV. Den Abend genoss ich mit Freunden im Schanzenviertel. Der Pausentag in Hamburg habe ich genutzt um mich über die Niederlande zu informieren, neue Kopfhörer zu kaufen und meine Sonnenbrille reparieren zu lassen, da die leider etwas verbogen wurde. An diesem Tag machte ich auch mit Jochen (war auf Sizilien dabei) aus, dass wir uns in Amsterdam treffen. Somit stand es fest: Ich fahre nach Amsterdam! Während der Tage war mein Fahrrad im Hotelzimmer am Kleiderschrank angeschlossen, da der Hausmeister es mir erlaubte, weil in letzter Zeit viele gestohlen wurden. Ein sehr lustiges Bild 😀

Von Hamburg aus ging es nun durch Niedersachsen nach Niederlande. Die erste Fahrt ging durch den Elbtunnel und entlang des Hafen nach Buxtehude. Die Tour selber war nicht schön, aber auch das gehört bei einer Großstadt dazu: Ewig lang im Industriegebiet oder an einer Bundesstraße zu fahren. In Buxtehude aß ich mein letztes Franzbrötchen und knipste den Hasen und den Igel. Die Geschichte kennt wohl jeder! 😉 Die Fahrt dann ab Buxtehude war einfach spitze! Durch Königreich und Jork ging es in das “Alte Land”. Dies ist ein sehr großes Obstanbaugebiet. Ich kam gegen Mittag schon in Stade an und traf dort gleich Simon und war zufällig in der Kneipe essen, wo er drüber wohnt. Klasse! 😀 Ich kaufte mir “Safari des Lebens” von John Strelecky um mal wieder ein Buch in der Hand zu haben. Der Tag war schön und auch Stade ist eine kleine, aber schöne Hansestadt. Abends waren Simon dann noch in einer Brauerei essen, wo es einen total leckeren Auflauf gab! 🙂 Auch Simon stellte mir eine Wette, dass ich nach Groningen muss! 🙂 Von Stade ging es mach Bremerhaven, durch das Christkinddorf “Himmelspforte” und durch schöne Landschaften. Ein besonderes Highlight sollte die Schwebefähre bei Osten – Hemmoor. Leider war ich aber alleine und somit fuhr diese nicht und ich musste die nächste Brücke nehmen. Kurz vor Bremerhaven schiffte es dann sehr stark und ich kam noch rechtzeitig in einem Bushäuschen und dann in einer Bäckerei unter. Bei Tosia und Holger gab es ein sehr leckeres Essen, wo ich mithalf die Zwiebeln und Knoblauch zu schnippeln. Ihrer Tochter Linea schenkte ich den einzig ganz gebliebenen Krebsfuß, welchen ich in Sylt fand. Die beiden waren vor den Kindern mit dem Auto einmal um die Welt gereist. Coole Story!

Von Bremerhaven ging es den Weserradweg nach Bremen. Der Tag war wie die letzten mit Gegenwind und Regen eine Herausforderung! Sehr oft ging es hier natürlich am Deich entlang, aber es war eine schöne Tour. In Brake genoss ich nochmal ein Krabbenbrötchen und in Bremen erfüllte ich mal wieder ein Wetteinsatz der Alt Herren und machte ein Foto mit dem Stadion. Sonst wäre ich gar nicht nach Bremen, aber im Nachhinein sage ich danke, da die Stadt sehr, sehr schön ist. Das alte Böttcherviertel und das alte Rathaus sind nur zwei bedeutende Sehenswürdigkeiten in Bremen. Mit Dario (Gastgeber), Joschi (Fahrradfahrer von Villingen nach Husum) und Katarina (Couchsurferin) hatten wir einen total genialen Abend. Wir waren im Szeneviertel essen und Dario zeigte uns die Stadt auf dem Fahrrad. Die Nacht in seiner Gartenlaube war dann nur das Tüpfelchen auf dem i! Das Joschi und Ich beim gleichen Gastgeber pennen durften war reiner Zufall! 😀 Am Tag darauf ging es hundemüde, aber dennoch früh nach Leer in Ostfriesland. Der Tag wurde lang, sehr lang. Bis Oldenburg blieb ich zwar trocken, aber der Wind nahm schon ordentlich zu. Doch ab dann war 60 km im Regen mit starkem Gegenwind angesagt. Ich habe mich am diesen Tag richtig gequält, aber die 3.000 km Marke geknackt!!! So geil! Und dann als Belohnung… Dann komme ich bei Andrea, Ihrem Mann und ihrer Tochter an und ich bekomme Kässpätzle serviert, weil Sie Schwäbin ist. Ich war im Himmel!!! Der Abend war schön. Wir redeten viel und am Tag darauf bekam ich tolles Frühstück! Beim Frühstück buchte ich ein Ticket für den Flixbus nach Groningen, da Sturmwarnung ausgesprochen wurde. Ich probierte es dennoch zu fahren, aber nach 20km gab ich auf. Das war gerade noch rechtzeitig für die Rückkehr am Bahnhof, denn dann schüttete es aus Kübeln! Die Fahrer des Busses nahmen mein Fahrrad mit, obwohl es aktuell nicht buchbar war und erhielten von mir 10€. Ich war Ihnen so dankbar!!! 🙂 In Groningen war es trocken und es regnete erst gegen Abend stark. Der Wind war aber schon sehr stark, sodass es trotz leichter Sonne sehr frisch war. Bei Malvin hatte ich einen super Abend und wir redeten über das Reisen und viele Dinge rund um das Leben. Er selber ist Deutscher und hat in Amsterdam studiert und arbeitet nun in Groningen. War am Nordkap und auch sonst schon viel mit dem Fahrrad unterwegs.

Wie es von Groningen aus weiter ging nach Amsterdam und wie es weiter geht erfahrt Ihr bald. Ich halte die Spannung noch ein wenig aufrecht! 😉 Ich bin wieder total dankbar für alle Gastgeber und Ihre Gastfreundschaft!!! Ich kann mich glaube ich nicht oft genug bedanken, aber vor allem in den letzten Tagen bei den Wetter war es einfach ein totales Geschenk. Die warme Dusche nach der Ankunft, das tolle Essen und vor allem der Austausch und die Gespräche machen aus dieser Tour nicht einfach eine Reise – nein es ist ein Erlebnis und eine Erfahrung die ich mir so nie erträumt habe! Was ich alles erleben durfte und wie oft die Touren von meinen Gastgebern durch Tipps ins positive beeinflusst wurde ist einfach toll!

Ich hoffe euch gefallen meine Posts in Instagram und WhatsApp und auch diese Blogeinträge und hoffe ihr seid mindestens genauso gespannt wie ich, wo die nächsten Tage mich so hinführen! 🙂

Euer Michi!

Willkommen im Norden!

Seit Berlin sind nun 11 Tage vergangen. Das waren 11 Tage die einfach wunderschön waren und durch spontane Entscheidungen und Treffen zu einem unvergesslichen Abschnitt der Reise werden. Doch eines nach dem anderen! 😉

Als ich in Berlin gestartet fuhr ich von Falkensee den Mauerweg weiter entlang. Der Ort Falkensee gehörte zur damaligen DDR und hat seine Geschichte von 1945 bis 1990 auf Tafel aufgeschrieben und Aussagen von Zeitzeugen hinzugefügt. Die Aussage von einer Oma, dass Sie das Tischtuch bewegt hat, wenn ihre Enkel gewunken haben, hat mich sehr berührt. Sie durfte nicht zurück winken… Auch der Ort Heiligensee, wo ich durchfuhr war vom Berlin durch eine Mauer getrennt. In Heiligensee ist noch ein Wachturm erhalten und dient als Museum. Das krasseste an diesem Turm war die Zelle, wo dunkel war und sehr eng. Ein langes und tiefes Gespräch hatte ich mit dem ehrenamtlichen Helfer. Er hat mir einige Geschichten erzählt. Der Mauerweg führt immer vorbei an den Zaunpfahlen von früher. Bei manchen Gärten existieren die damaligen Zäune immer noch als Grundstückeinzäunung zum Weg hin. Neben dem geschichtlichen Aspekt ist der Weg auch landschaftlich sehr schön. Doch der Tag sollte heute weiter mit Geschichte gefüttert werden und so ging es nach Oranienburg zum KZ Sachsenhausen. Die Stadt Oranienburg ist früher Bötzow und wurde durch das Geschenk an Louise Henriette von Oranien in „Oranienburg“ abgeändert. Die Stadt selbst hat einen schönen Schlosspark, aber der Eintritt war mir es nicht wert und außerdem wollte ich mir Zeit für das KZ nehmen. Ich werde keine großen Worte darüber verlieren. Wenn ich heute noch an einige Geschichten denke, wird mir mulmig und übel. Jeder sollte einmal in so einem KZ gewesen sein und sich das anschauen. In diesem ist der Audio Guide sehr gut und wird von Berichten durch Zeitzeugen gefüllt. Sehr interessant ist auch die Nutzung in der DDR, da waren viele neue Dinge für mich dabei, wo ich nicht wusste. Das KZ war riesig und diente als Muster für alle weiteren. Ein Thema möchte ich beschreiben, was mich heute immer noch bewegt… Es gab nach dem Tor den Appellplatz und ein Kreis mit verschiedenen Untergründen. Immer ein Quadrat war anders beschaffen in diesem Kreis. Die Häftlinge, vor allem Juden und Homosexuelle mussten mit Militärstiefeln, die oft nicht passten den ganzen Tag den Kreis entlang laufen. Das makabere war, dass dieser Marsch immer an der SS-Küche vorbei ging… Der Grund war das Testen von den Stiefeln für den Krieg. Im Grunde war es nur zur Belustigung der Soldaten. Es gibt viele solche makaberen Geschichten die ich gehört habe. Wichtig ist nur eines, bitte tut alles daran nie wieder Fremdenhass und solch eine Gewalt in unserem Land zuzulassen. Einfach nur grausam. Der Tag war sehr heiß und die Tour nach Zehdenick auf den Campingplatz an der Havel entlang war schön, aber ich konnte das Erlebte nicht aus dem Kopf bekommen… Auf einer alten Ziegelei und an der Havel ging es früh ins Bett. Am nächsten Morgen ging es erst bei leichten Schauer und später mit drohendem Gewitter Richtung Mecklenburg-Vorpommern. Eigentlich war der Plan bis nach Neubrandenburg auf einen Campingplatz zu fahren, aber das Gewitter nahte bei Neustrelitz. So suchte ich mir dort ein billiges Zimmer und kurz nach der Dusche brach das Gewitter los. Mehrmals den Abend und die Nacht kam ein richtig krasser Schauer herunter. In der Nähe gab es auch Überflutungen. Die Stadt Neustrelitz entdeckte ich nur bei meinem Spaziergang als es kurz trocken war.

Die nächsten 3 Tage an der Seenplatte in Mecklenburg waren wunderschön. Die Landschaft ist einfach toll und die Seen laden zum Baden ein! Bei Dietmar kam ich in Waren (Müritz) unter und durfte neben Grillbuffet auch mal mit dem Boot auf der Müritz fahren. Die Zeit bei Gaby und Dietmar war spitze und der freie Tag in Waren am Strand und später mit der Bootstour fühlte sich wie Urlaub an! Am dritten Tag ging es dann mit dem Fahrrad weiter nach Krakow am See über Malchow und dem Drewitzer See zum Zelten. Als Kinder waren wir mal an diesem See Baden und er ist immer noch genauso schön klar und der Boden ist mit Sand bedeckt. Herrlich! Die Natur ist dort so toll, dass ich froh bin dieses Gebiet mitgenommen zu haben. In Krakow am See hatte ich tolle Gespräche mit meinen Zeltnachbarn. Leider war die Nacht scheisse, weil eine 82-jährige Probleme mit dem Herz hatte beim Zelten und somit der Krankenwagen sie abholen musste. Ich fand es sehr krass, wie alt Sie ist und hoffe Ihr geht es gut! So war es nur eine sehr kurze Nacht. Doch es stand Rostock an – also nix wie los!

Die Tour nach Rostock war gegen Mittag schon fertig, da ich früh los bin und somit die 80km schnell hatte. Mit Bea, mein Gastgeber, tranken wir einen Kaffee und bald waren auch 2 andere mit dabei und wir chillten bis gegen 16 Uhr um dann in einer Kneipe später die 2. Liga anzuschauen. Der VfB gewann!💪🙌 Vor der Kneipe zeigte mir Bea noch Rostock und ich war echt positiv überrascht. Es ist eine schöne Stadt und mit der teilweise erhaltenen Stadtmauer und dem Tor echt toll! Krass war, dass in der alten Kirche nun Wohnungen mit Balkon existieren. Sachen gibts! 😉 Bea wohnt direkt am Stadion und da Hansa daheim spielte hörte man die Schreie der Spieler bis ins Zimmer! Die Corona Zeit ist verrückt.

Da Rostock keinen Sandstrand hat, sondern erst in Warnemünde, kam noch kein anbaden in der Ostsee in Frage. Ich überlegte erst den Berlin – Kopenhagen Radweg, welche ich von Berlin aus gefolgt bin, zu vollenden, aber in Dänemark benötigt man aktuell 6 Tagesbuchungen im Voraus. Da ich aktuell alles spontan mache und nicht weit voraus plane, war das keine Option. Von Rostock aus ging es über Warnemünde, die Insel Poel nach Wismar zu Enrico. Die Strecke war vor allem stark durch viel Touristen überlaufen. Das Ostseebad Heiligendamm war um 10 Uhr schon brechend voll. In Warnemünde hatte ich frühs gegen 8 Uhr viel Glück. Das Fischbrötchen genoss ich ohne Touris. Der schönste Teil war die Umrundung der Insel Poel. Es ist eine kleine, ruhige Insel und nur wenige Leute waren an diesem Tag dort. So genoss ich die Rundfahrt auf der Insel mit den bunten Wiesen in vollen Zügen! Ein Bad in der Ostsee gab es jedoch leider nicht, da es zu dem Zeitpunkt kühl und schattig war. Ein Kaffee und ein kleines Mittagessen am Strand war aber drin! 🙂 Später traf ich noch Christian, auch ein alter Kollege auf der Insel. Er kam mit dem Motorrad und wir machten eine kleine Rast. Mit Enrico und seinen WG Kollegen hingen wir noch in der Küche ab, nachdem ich Wismar mir angeschaut habe und wir beim Chinesen was kleines aßen. Es war ein toller Abend und auch das Frühstück in einem Café war super! Mit Enrico fand ich einen Gleichgesinnten, weil er selber hat sogar schon 11.000km durch Europa zurückgelegt! Somit entstanden spannende Gespräche und er empfiehlte mir „Warmshowers“. Die Plattform ist ähnlich wie Couchsurfing nur für und von Radfahrer. Die Stadt Wismar ist total schön, zwar klein, aber mit den Bürgerhäusern und den Ziegelbauten echt ein kleines Schmuckstück. Die Altbauwohnung hat mir auch sehr gefallen!

Schon am Abend in Wismar fing es an stark zu regnen und es hielt die ganze Nacht und bis Mittag an. Ich bin dennoch gefahren und lies mich dadurch nicht beirren. Mit Musik auf den Ohren ging es nach Travemünde. Der Ansporn war, dass ich dort Hans-Georg (HG) traf von unserer IT Truppe. Das war total spontan und echt genial! Auch wenn es nur kurz war, war es echt cool! Das lustige war als ich mit Sandalen und pitsch nass in das Lokal reinlief und fragte ob ein Tisch frei ist und als er mir meinen Tisch zeigte, meinte ich, dass ich mich erst mal frisch mache und er schaute an mir herab und musste grinsen. Durch die nassen Feldwege war ich mit Dreckspritzern gepunktet und alles war nass und wenn dann jemand mit Sandalen reinkommt sieht das bestimmt behämmert aus 😀 Das mit den Sandalen habe ich mir aber angewöhnt, weil ich somit schnell bei Sand die Dinger ausziehen kann und es nichts macht, wenn sie dreckig werden. Ich habe solche Regenüberziehschuhe zwar, aber was soll’s 😀

Nach dem kleinen Plausch und einer Stärkung ging es für mich weiter zum Segelboot von Andreas. Er lud mich über das Wochenende auf seinem Boot ein. Was mich so freute, weil segeln einfach total Laune macht und es sollten zwei wunderbare Tage werden! Das Boot lag an der Herreninsel und somit musste ich mit dem Bus Shuttle dort hin, da der Herrentunnel für Fahrräder verboten ist. Über Videotelefonie überraschte ich dann noch Vanessa, die an dem Tag heiratete! Leider war die mobile Verbindung im Kochertal bescheiden 😀 Als ich am Boot ankam, gab es erst mal Kaffee und Kuchen und danach konnte ich frisch geduscht den Abend auf dem Boot mit Claudia und Andreas genießen!

Der nächste Tag war Urlaub pur! Es ging nach einem super Frühstück mit dem Segelboot auf der Trave hinaus auf die Ostsee in Richtung Grömitz. In der Trave durfte ich auch mal steuern. Auf dem Meer waren wir dann richtig sportlich unterwegs, was total Laune machte! Kurz vor Grömitz holten wir die Segel ein und machten uns die Pizza vom Vorabend warm. In Grömitz genossen wir den Nachmittag und grillten abends auf dem Boot. Der Sonnenuntergang mit einem Regenbogen krönte diesen wundervollen Tag! Ich hätte die Zeit an Bord länger genießen können, aber es ging am nächsten Tag weiter mit dem Boot! Ein tolles Wochenende!

Am Montag ging es dann von Grömitz nach Heiligenhafen zu Tim. Tim traf ich vorab um 13 Uhr auf Fehmarn um mit ihm gemeinsam die Insel zu erkunden. Wir fuhren durch Burg und Puttgarden und am Strand beobachteten wir die Fähren und gingen baden. Übrigens begann der Tag um halb 8 mit einer Runde schwimmen in der Ostsee! 🙂 Die Insel ist auch sehr schön und hat schöne Strände! Natürlich war an diesem Sonntag noch zusätzlich der „Fast“ Aufstieg vom VfB ein Highlight, vor allem als ich weitere Schwaben traf. 😀 Arme Nordmänner (HSV), aber selbst Schuld… In Heiligenhafen chillten wir bei einem Bier noch am Strand. Das Fahrrad fahren an der Küste ist einfach besonders. Natürlich ist oft der Wind dein Gegner und es ist anstrengend, aber die Belohnung mit dem Blick aufs Meer und auch einmal schwimmen zu gehen ist einfach Freiheit pur! Ich genieße es in vollen Zügen hier oben!!!

Von Heiligenhafen ging es nach Kiel zu Morlin. Der Tag war windig, aber sehr schön und auch hier war schwimmen gehen ein Muss! Bevor ich nach Kiel fuhr schaute ich mir noch das U-Boot in Laboe an und das Marinemahnmal. Für 10€ ein sehr gutes Museum und wem Kriegsgeschichte interessiert kann hier sehr viel lernen! 😉 Kiel selbst ist an der Kiellinie sehr schön, doch die Innenstadt bzw. Altstadt ist leider sehr zerstört wurden im Krieg und somit nichts besonderes. Auch der Abend war wieder total cool. Neben Bier im Strandkorb redeten wir viel über das Reisen, Musik und Politik. Sie studiert Politik und Sozialwissenschaften. Sehr interessant und beim quatschen vergaßen wir die Zeit, sodass ich hundemüde am nächsten Morgen Brötchen holte und wir frühstückten noch zusammen.

Der gestrige Tag war dann mit dem Ziel Flensburg angesetzt dort traf ich Tristan mein ersten „Warmshowers“ Kontakt. Doch bevor es nach Flensburg ging, fuhr ich entlang der Küste nach Eckernförde. Dort traf ich mich mit Stippi und seiner Freundin am Strand. Total cool! 🙂 Doch auch nach 1h ging es wieder weiter… Das letzte Bad in der Ostsee genoss ich noch einmal! Über Schleswig ging es im Inland an der Schlei entlang und dann nach Norden in Richtung Flensburg. Dort traf ich auf Wald und viele Schafe! Es war ein heißer und langer Tag mit 120km. Abends gab es was total leckeres zu essen (Irgendetwas indisches ;)) und wir spielten Botcha mit anderen Studenten. Tristan selbst ist bis nach Istanbul gefahren, was auch eine echt coole Reise und Strecke war!

So, dass waren die letzten 2 Wochen und ich bin total happy mich auf das Rad geschwungen zu haben! Es ist einfach toll zu reisen. Tatsächlich wusste ich bis gestern Mittag nicht wie es weiter geht, weil es wie gesagt in Dänemark nur mit den 6 Tagen im Voraus geht. Ich entschied mich dann kurzerhand auf Westerland anzurufen und dort nach freien Plätzen auf dem Campingplatz zu fragen. Sie haben welche und ich freue mich total, dass es jetzt nach dem Frühstück von der Ostsee rüber an die Nordsee nach Sylt geht! Ich werde in den Dünen für ein paar Tage campen und Sylt mit dem Rad erkunden! 🙂 Somit sind es heute nur knappe 60km bis zum Bahnhof in Klanxbüll und dann werde ich von dort nach Westerland fahren und mein Zelt aufbauen! Da wollte ich schon immer mal hin, daher freue ich mich total. Danach geht es ziemlich sicher weiter an der Nordsee entlang, wenn Dänemark nicht die Regeln ändert. Aber Dänemark bringt am Freitag neue Regeln raus, daher chille ich erst einmal auf Sylt und plane von da aus wie es weiter geht. Das planen in kurzen Abständen gibt einen das totale Freiheitsgefühl! Durch die Leute, welche mich einluden und ich schlafen durfte hat sich meine Strecke entwickelt und so lief alles spontan ab und nach 2.200km bin ich hier in der nördlichsten Stadt Deutschlands! Krass! Ich hoffe die 2. Welle bleibt weg von Corona und ich kann noch weiter unterwegs sein! Bis dahin, bleibt gesund und munter!!!

Grüße aus dem Norden! 😉

Auf einmal in Berlin :) – Weiter geht’s !

Am 22. Februar bin ich mit dem Zug nach Salzburg gefahren und ziemlich genau 3 Monate später startete ich jetzt mit dem Fahrrad ins Blaue. Mehr als der Plan über Umwegen ans Meer zu kommen gab es nicht und gibt es bisher auch noch nicht. Nach 20 Tagen, die ich nun schon wieder unterwegs bin, sitze ich in Potsdam am alten Markt in einem Café (11. Juni). Hätte mir das jemand vor 4 Wochen gesagt, dann hätte ich gesagt: „Vielleicht besuche ich mal Potsdam, wenn ich mal wieder in Berlin bin.“ An eine Fahrradreise mit über 1000km habe ich damals noch nicht gedacht!

Nachdem ich mich für meinen Drahtesel entschieden habe, war klar, dass ich auf unbestimmte Zeit mit undefinierten Ziel unterwegs sein werde. In der aktuellen Phase wollte ich nichts planen und mir somit einen innerlichen Druck aufbauen, der bei meinem Ehrgeiz automatisch hoch kommt. Wenn ich an die letzten Tage zurück denke, dann sehe ich es einfach als Geschenk reisen zu können. Auch wenn die Wanderschuhe erst einmal am Nagel hängen, kann ich zwar schneller, aber immer noch langsam reisen. Ein Gefühl, dass ich immer mehr zu schätzen lerne.

Der erste Tag meiner Reise war ein stark verregneter Samstag, doch ich wollte los und nicht noch mehr Zeit vergehen lassen und so radelte ich trotz der Nässe los. Am ersten Tag ging es also vom Elternhaus los, mit dem Ziel zum Main zu kommen um dort entlang in den Osten zu meiner Oma zu gelangen. Wann, wo und wie war noch nicht geplant. So kam schon die erste spontane Wende in Lauda, wo ich nicht nach Wertheim weiter fuhr, sondern nach Würzburg abbog. Die Nacht verbrachte ich im Wald an einer Wanderhütte. Mein kleines Zelt sollte wieder mein Zuhause werden. Die erste Nacht war aber noch komisch und so war ich immer wieder wach. Mit den Vögeln aufzustehen, war dennoch ein tolles Gefühl. So kam ich schon früh in Würzburg an. Dort angekommen, wollte ich mein Hinterreifen aufpumpen, doch durch ein verbogenes Ventil ging die Luft eher raus als rein. So wechselte ich meinen Schlauch, da es sich um ein Flexschlauch handelte wurde der mit einer Handpumpe nicht voll. So entschied ich in Würzburg ein Abend zu bleiben, da Sonntag ist und am Tag drauf die Fahrradläden aufmachen. Am folgenden Tag fuhr ich dann mit aufgepumpten Reifen und Adapter für das Aufpumpen an Tankstellen los. Der Main war dann bis Bischofsgrün im Fichtelgebirge mein Begleiter. Es ging über die Ortschaften Ochsenfurt, Kitzingen, Volkach, Bamberg, Kronach, Kulmbach. Neben diesen Städten gab es natürlich auch kleine schöne Ortschaften. Die Ortschaften am Main haben sehr schöne Fachwerkhäuser und einladende Marktplätze. Das Highlight war natürlich Bamberg! Die Insel- und die Bergstadt sind total schön und dank Patricia konnte ich über Couchsurfing die Stadt einen Tag länger genießen. Habe eine Wanderung zur Altenburg machen können und bin durch die Gassen geschlendert. Abends waren wir bei einem Italiener essen. 🙂 Auch ein großes Dankeschön geht an Anna und Ronja in Kulmbach, auch hier konnte ich übernachten und es gab eine leckere vegetarische Lasagne für mich! Mein Zelt wurde nach 2 weiteren Nächten immer mehr mein Zuhause. Auf den Weg nach Bischofsgrün hatte ich dann meine ersten richtigen Steigungen. Dort konnte ich mit einer Wanderung den Tag auf dem Ochsenkopf ausklingen lassen. Mich erinnerte das an das damalige Schullandheim. Wir waren da in einer Jugendherberge bei Bischofsgrün. Der Main bietet schöne Landschaften. Um Würzburg herum mit Weinbergen und ab Kitzingen wurde es flacher und spätestens seit Bamberg kam dann die Bierregion. Links und rechts hast du jeweils verschieden Mittelgebirge in Franken. Der schönste Abschnitt war die Mainschleife bei Volkach mit seiner Auenlandschaft. Hier durfte ich auch auf einer Wiese am Main zelten. Das war wunderschön abends am Bootanlegeplatz zu chillen!

Von Bischofsgrün ging es sehr früh in Richtung Erzgebirge nach Zwönitz. Mein sportlicher Ehrgeiz hat mich hier gepackt und ich wollte an meinem Geburtstag bei meiner Oma und meinem Dad sein. So knackte ich an diesem Tag die 100km mit genau 150km. Die 2.000hm waren natürlich anstrengender als am Main entlang zu fahren. Die Fahrt durch das Fichtelgebirge, durch das Vogtland ins Erzgebirge war sehr schön. Das Vogtland hat mich sehr positiv überrascht! Bisher kannte ich es nur vom Namen und von der Autobahn aus. Die Fahrt über die ehemalige Grenze war ein besonderer Moment. In diesem kleinen Moment habe ich verstanden, was es wieder heißt frei unterwegs zu sein. Das Gefühl kann man nur schwer in Worte fassen. Hier begriff ich wieder was langsam reisen und etwas aus eigener Kraft zu erreichen bedeutet. Das sind Glücksgefühle die einfach viel stärker sind als die Eindrücke, wenn ich mit dem Auto, Zug oder Flugzeug reise. An dem Tag kam ich erst um 18 Uhr an bei Rainer und Annette. Am Abend fiel ich erschöpft in einen tiefen Schlaf. Am Sonntagmorgen (Pfingstsonntag) startete ich in den Tag mit einem tollen Geburtstagsfrühstück. Frisch gestärkt ging es dann nur 50km, über Chemnitz nach Erdmannsdorf. Auf dem Weg sah ich viele Familien mit dem Bollerwagen wandern und traf zufällig einen alten Kollegen aus Chemnitz. So klein ist die Welt. Meine Oma war natürlich total überrascht und es tat so gut Sie zu sehen und mir ihr zu reden, auch wenn wir wegen Corona den gesunden Abstand hielten. Natürlich hat eine Umarmung gefehlt… Ich blieb 2 weitere Tage bei meinem Dad und meiner Oma um danach die Reise von meinem Elternhaus bis zu meinem Geburtsort Dresden zu vollenden! Die Fahrt aus dem Erzgebirge in das „Elbflorenz“ ging es über die Augustusburg durch Freiberg, welches ein schönes kleines Bergbaustädtchen ist. Auf dem Markt angekommen, klingelte am Rathaus das Steigerlied. Es ging auch hier bergauf und bergab. Hauptsächlich durch schöne Wälder und Dörfer. Typisch für das Erzgebirge sind langgezogene Dörfer, wo es oft nur eine Dorfstraße gibt und dafür der Ort mal mehrere Kilometer lang ist. Als ich in Dresden angekommen war musste ich die Faust ballen und mal einen Schrei rauslassen. 🙂 An der Frauenkirche aß ich im Kaffee erst einmal eine „Eierschecke“. Der Klassiker muss sein!!! Die Tage in Dresden genoß ich mit Papa bei Karli und Johanna. Es war eine sehr schöne Zeit mit tollen Gesprächen und viel Zeit als Vater und Sohn. Es war einfach toll! Seit Jahren war ich mal wieder in der Dresdner Neustadt. Dresden ist einfach schön!

Nun ging die Reise weiter und das nächste große Ziel war Berlin! Doch nicht über die Elbe und die Havel am Fluss entlang, sondern ich wollte durch die Lausitz und den Spreewald. Von Dresden ging es an der rechten Elbseite entlang in die „Porzellanstadt“ Meißen. Der Dom und die Altstadt sind toll. Vorher hielt ich noch spontan in Radebeul im „Karl-May Museum“ an. Die Filme liebte ich als Kind und somit war für das kleine Museum genug Zeit. Die Strecke an der rechten Elbseite ist ohne Autos und dadurch sehr ruhig. Von Meißen ging es durch die Wälder zum Jagdschloss Moritzburg. Wer das Märchen „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ kennt, weiß wie schön das Schloss. Ich hasse den Film ja insgeheim, weil der immer an Weihnachten lief… 😀

Bei Moritzburg campte ich an einem See und es gab leckeren Norddeutschen/Sächsischen Kartoffelsalat mit Bockwurst. Lecker!!! Der nächste Tag war verregnet, aber sehr schön. Es ging fast nur durch Wälder auf einsamen Fahrradstraßen. Das war einfach wundervoll. Dann die kleinen, alten Dörfer. Die Lausitz hat neben den vielen Wäldern auch sehr schöne Seen zu bieten. Früher waren das Gebiete für den Braunkohleabbau und bis heute wird an der künstlich geschaffenen See- und Waldlandschaft gearbeitet. Leider ist es aber dort wie auch in Brandenburg sehr trocken, daher tat der Regen gut! Am Senftenberger See konnte ich mein Zelt aufschlagen und fühlte mich schon so wohl, dass der Regen in der Nacht beruhigend wirkte. 😀

Der 12. Tag ging nun durch die Lausitzer Seenlandschaft, über den Spreewald nach Cottbus. Dort hatte ich wieder ein Quartier bei Reinhard. Die Tour war mit 114km zwar lang, aber durch den frühen Start im Zelt war ich um 16 Uhr rum in Cottbus. Die Dörfer im Spreewald sind einfach toll und mit den kleinen Kanälen und Flüssen ist es einfach einer sehr spezielle und einzigartige Gegend! Hier gibt es sogar noch Ortschaften die als „Kolonie“ gelten, weil die früher dort angesiedelt wurden um die Moorlandschaft zu bewirtschaften. Die Ortsschilder, sind wie auch in der Lausitz, jeweils in Deutsch und Slawisch angeschrieben. Die Slawen sind als Minderheit schon seit Jahrhunderten in diesem Gebiet anerkannt. In Cottbus plante ich mit Reinhard meine Tour nach Woltersdorf bei Berlin. Anstatt direkt an der Spree entlang ging es über die Heidelandschaft nordöstlich von Cottbus. Zwar waren es am Ende 160km, aber die Heidelandschaft und die Abgeschiedenheit der Dörfer zu erleben war eindrucksvoll! Auch lange Waldabschnitte waren dabei und ab Beeskow ging es dann entlang der Spree über Fürstenwalde nach Woltersdorf. Ich muss aber sagen, dass erst der letzte Abschnitt bei Grünheide (nach Fürstenwalde) schön war. Ansonsten war der Radweg nicht so besonders und die Spree oft nicht zu sehen. Bei Lydia und Jimmy konnte ich mein Erbseneintopf machen und hatte ein Gästezimmer für mich. Der Ort Woltersdorf ist mit seiner kleinen, alten S-Bahn und seiner alten Schleuse am Flakensee was besonderes. Die S-Bahn erinnerte mich an die in Lissabon. Von dort aus ging es dann am Folgetag über Köpenick und den Mauerweg nach Berlin Mitte. Ich erlebte so zum ersten Mal die Stadtteile Köpenick und Treptow. Ich lies mir Zeit beim Fahrrad fahren und auch wenn ich den Alexanderplatz, die East Side Gallery usw. kannte, war es mit dem Fahrrad etwas besonderes. Am Brandenburger Tor traf ich andere Radfahrer und als der eine fragte: „Start oder Ziel?“ und ich mit „Weder noch!“ antwortete, kapierte ich was ich hier mache und ich war stolz auf mich. Ich stand am Brandenburger Tor bin über 1.200km gestrampelt von der Haustüre aus. Krass! Steffen, mein Gastgeber für die nächsten 2 Tage, riet mir den Teufelsberg. Eine der Schuttberge im Grunewald. Dort war von den Amerikanern eine Abhöranlage errichtet wurden und heute steht diese als Kunstobjekt für die Graffitiszene zur Verfügung. Nebenbei hat man für 5€ einen tollen Ausblick auf Berlin. Spitze!

Den heutigen Tag war ich erst in Berlin am Marienviertel und dem Nikolaiviertel. Eine der Gründungsviertel Berlins. Im Nikolaiviertel gibt es eigentlich tolle, günstige Museen und Cafés. Aber diese hatten wegen Corona noch zu. Auch das jüdische Museum. So entschied ich kurzerhand nach Potsdam mit der S-Bahn zu fahren und genoss dort die restaurierte Altstadt. Die Stadt sollte in der DDR eine sozialistische Stadt sein und somit wurde, wie auch in Berlin alte Bauten abgerissen. Heute noch wird die Altstadt herausgeputzt und wieder an früher angeglichen. Die große Kirche ist wunderschön, doch auch die Friedenskirche am Schloß Sans Souci hatte seinen Charme.

Ja, wie geht es jetzt weiter? Ich habe aus den ersten Tagen meiner Tour gelernt, dass jede Landschaft und jeder Tag etwas besonderes ist und ich ohne großartigen Plan diese Eindrücke aufsaugen und genießen kann! Auch wenn ich nicht jedes Museum und jedes Gebäude anschaue, bleibt der äußerliche Eindruck bestehen. Und manchmal denke ich auch, dass das ausreicht. Wie wenn man einen Gipfel von unten oder einer gewissen Höhe bestaunt. So geht es morgen weiter nördlich durch Brandenburg nach Mecklenburg-Vorpommern und an die Ostsee. Meine zurück gelegten Strecken könnt Ihr hier einsehen:

https://www.komoot.de/collection/891992/-footsteps-for-happiness

An der Seenplatte werde ich 1-2 Tage chillen. 🙂 Mehr ist weiterhin nicht geplant. Wenn aber alles klappt bin ich in ein paar Tagen am Meer!!! 🙂

Mir geht es gut und ich genieße die sozialen Kontakte und die Gespräche. Bedanke mich bei allen für die herzliche Gastfreundschaft! Die Landschaft in Deutschland ist so abwechslungsreich und schön! Auch wenn mir Südeuropa fehlt, lerne ich auf jeden Tag was unser Land zu bieten hat. 🙂

Bis die Tage und bleibt gesund!

Gruß Michi 🙂

Traum futsch – Aufgeben? Nie im Leben, man muss sich nur zu helfen wissen! ;)

Vor genau 70 Tagen stieg ich in den Flieger in Richtung Frankfurt! Das sind 70 Tage, welche ich unterwegs hätte sein können. In diesen 70 Tagen hätte ich es aus eigener Kraft auf das italienische Festland geschafft und wäre aktuell auf dem Weg nach Rom. Ein paar Wetteinsätze wären schon eingelöst wurden. Die Situation ist sehr irreal und abundzu kann ich es immer noch nicht fassen, wie sich das Blatt gedreht hat. Ich habe natürlich gewusst, dass es kein leichter Weg wird und einem auch mal Steine in Weg gelegt werden. Auf einen Rückflug nach Deutschland und nicht weitergehen zu können, war ich aber nicht vorbereitet!

Abends, wenn ich wach liege, dann überfällt einem natürlich die Traurigkeit, dass der „eine Traum“ so nicht mehr möglich ist. Wenn wir es ganz nüchtern betrachten, ist es nicht möglich zu Fuß noch rechtzeitig in den Süden zu gelangen um einen milden Winter zu erleben und somit im nächsten Frühling/Sommer wieder nach Norden aufzubrechen. Dieser Traum und diese Idee ist dahin. Von Anfang an wollte ich zu Fuß unterwegs sein, da man hier auf Pfaden untwerwegs ist, die nur schwer mit dem Fahrrad zu befahren sind und es auch ein langsameres Reisen an sich ist. Daher habe ich mich auch dazu entschieden, mein Projekt „Footsteps for Happiness“ zu nennen. Der Spendenlauf war ein tiefgehegter Wunsch, der nun leider auf Eis liegt!

In den letzten Wochen dachte ich viel darüber nach, wie es weitergeht. Natürlich habe ich „Zeit“, weil ich keinen Termin habe, an dem ich wieder an einen Arbeitsplatz zurückkehren müsste, aber „Zeit“ ist relativ. Die Zeit in Deutschland kostet natürlich auch mehr Geld, da eine Krankenversicherung in Deutschland nicht gerade günstig ist. Sagen wir es so: 2 Monate krankenversichert in Deutschland und du hast den Jahresbetrag einer guten Auslandskrankenversicherung. Dies im Hinterkopf zu haben ist nicht gerade positiv um den weiteren Weg zu planen. Du rechnest Routen durch und planst deine Wege. Etwas, dass ich nie so genau wollte. Meinen Weg wollte ich grob wissen, aber die Dauer und wie viel KM am Tag wollte ich von Anfang an nie planen. Ich machte mir in den letzten Tagen sehr viel Druck, weil ich wusste, dass die Lockerungen in Deutschland ein Neubeginn ab Pfingsten wieder zulassen. Selbst bei den Wanderungen in Rheinland-Pfalz musste ich jeden Tag planen, wie ich mit den Zug hin und zurück komme. Diese Art von wandern bzw. reisen ist nicht die, die ich für meine Auszeit wollte. So plane ich normale Rundwanderungen in einem geregelten Alltag, wenn man zum Beispiel an einem Wochenende unterwegs sein möchte, aber nicht eine Reise, die mehrere Monate dauern soll. In der letzten Woche war mir dann klar, dass ich das so nicht will. Ich will mich frei bewegen können und ich will vor allem noch nicht aufgeben! Die Chance, dass ich dieses Jahr noch in den Süden kann ist theoretisch da, auch wenn mir bewusst ist, dass nochmals eine 2. Welle der Corona Pandemie ausbrechen könnte. Ich möchte jetzt noch nicht aufgeben und dazu muss ich schneller unterwegs sein, aber dennoch frei und ohne Druck.

Vom Bodensee bis zum Genfer See, um den Mont-Blanc herum und auf der Skipiste am Matterhorn ins Tal. Das war der Weg, den ich mit meinem Fahrrad vor knapp 2 Jahren (Ende Juni 2018) zurücklegte. Der Ursprung dieses Projekts! An diesen Tourtagen fuhr ich zwischen 40 – 60km pro Tag auf Wanderwegen. Das hieß, bergauf oft schieben und tragen und bergrunter „krachen lassen“. Ich habe es damals geschafft und konnte die Tage und die Landschaft sehr genießen! Nach diesen Sätzen wisst Ihr denke ich auf was es hinausgeht. Viele haben zu mir vor der Tour gesagt: „Ich wusste du ziehst es durch, aber ich dachte mit dem Fahrrad…“ Die Idee war immer evtl. mal auf das Fahrrad umzusteigen, wenn ich möchte bzw. die Tour länger wird. Komischerweise kam mir dieser Gedanke über diese Möglichkeit erst vor ein paar Tagen. Nach einem kurzen Telefonat mit meinem Bruder klärte ich die Übernachtung ab und bestellte mir 2 Gepäckträgertaschen und einen Gepäckträger für mein Mountainbike. Es wird nun eine Fahrradreise und genauso wie ich bei meiner Transalp an mehreren Tagen wanderte, werde ich es auch auf dieser „neuen“ Tour machen. Ich schnüre mir nun zwar nicht jeden Tag meine Wanderschuhe, aber ab und zu wenn ich möchte, werde ich mit Rundwanderungen meine Pausentage füllen. Ich weiß, dass ein „Spendenlauf“ geplant war und das Fahrrad auch nicht zu „Footsteps for Happiness“ passt, aber es die einzige Möglichkeit meinen Traum am Leben zu lassen. Seitdem ich mich dafür entschieden habe, ist der innere Druck total abgefallen. Ich muss keine Tour mehr nach km planen, sondern nach den Zwischenzielen. Es tut sehr gut!

Leider sind aktuell viele der Wetteinsätze nicht einlösbar, da entweder der zu enge soziale Kontakt ein Thema ist oder weil der Ort nicht erreichbar ist, da ich die Tour abbrechen musste. Ich hoffe, dass wenn auch erst im nächsten Jahr, eure Wetteinsätze noch gelten. Ich würde mich sehr freuen! Dennoch möchte ich nicht einfach meine Reise fortsetzen und keine Spenden generieren. Das ist und war der Grundgedanke hinter meiner Auszeit. Aktuell leiden viele von uns unter den Coronaeinschränkungen. Der eine mehr und der andere weniger. Viele Mütter haben natürlich einen komplett anderen Tagesablauf und den Kindern fällt es schwer ohne Schule einen geordneten Alltag zu haben. Viele sind auch leider nur noch mit Kurzarbeit beschäftigt und müssen somit mit weniger Gehalt zurecht kommen. Aber auch wenn es uns mit der Situtation gerade nicht gut geht, ging es anderen Menschen schon vor Corona schlecht und mit Corona nun noch schlechter. Natürlich sind viele Organisationen aktuell auf Spenden angewiesen und ich könnte für jede einzelne Personengruppe sammeln, aber ich möchte mich auf zwei Organisationen beschränken. Die Hygiene ist in Zeiten von Corona noch wichtiger geworden und sowohl in vielen Gebieten auf der Welt, als auch in Flüchtlingslagern in Griechenland ist die Hygienelage schlecht! Durch die abgesagten Festivals und Konzerte in diesem Jahr fehlt der Organisation „Viva con Agua“ aus St. Pauli die Einnahmen aus den Pfandbechern. Ich selber bin bei dieser Organisation Fördermitglied und habe mir auf www.goldeimer.de ein paar Mund-Nasenmasken für meine Tourfortsetzung gekauft. Der Erlös geht hier an Viva con Agua oder an die Zivile Seenotrettung. Auch die zivile Seenotrettung ist weiterhin ein wichtiges Thema! Auch Corona verhindert die Flucht vor Gewalt, Krieg und Hunger nicht. Wenn jemand gerne für die zivile Seenotrettung (#LeaveNoOneBehind) spenden möchte, darf das gerne tun. Hauptsächlich unterstützt Ihr hier die Maßnahmen gegen Corona in den Flüchtlingslagern. Wie Ihr für Viva con Agua und die zivile Seenotrettung spenden könnt, erfahrt Ihr hier!

Am Samstag wird es voraussichtlich losgehen und ich werde mit meinem Drahtesel aufbrechen. Grob gesagt geht es in Richtung Norden zur Ostsee. Wie der Weg ist und wie es danach weitergeht plane ich nicht. Ich werde dankbar um jeden Tag sein und diese Zeit genießen. Mit Abstand und Solidarität, werde ich reisen und ich hoffe trotz Corona nette Menschen kennenzulernen! Der Weg ist das Ziel und ich werde mich überraschen lassen! Die Taschen am Fahrrad werden am Freitag fertig gepackt. Die neuen Fahrradtaschen von Ortlieb sind der letzte Baustein der Bikepacking Produktpalette. Die anderen Dinge hatte ich schon vorher. Ich kann damit alles transportieren, was ich auch in meinem Wanderrucksack gepackt hatte. Neben einer größeren Powerbank kann ich nun auch ein paar Dinge mitnehmen die vorher weichen mussten. Mein gewonnenes MTB Trikot, mit der Unterschrift des deutschen Meisters von 2018 darf natürlich nicht fehlen. Ich gewann es damals über Instagram, als ich die Skipiste am Matterhorn herunterfuhr. 🙂

Also, seid weiter dabei bei meinem neuen Abschnitt und vor allem bleibt gesund! Leider konnte zur Zeit von Corona nicht alle besuchen, aber wir holen das nach, wenn ich wieder heimkomme. Ein positiver Nebeneffekt ist nun, dass ich wirklich von der Haustür aus aufbreche! 😉

Bleibt gesund!

Euer Michi

14 Tage – Vom Sentiero Italia in die Quarantäne

Genau vor 14 Tagen saß ich morgens in Salerno am Mittelmeer und habe meinen letzten Beitrag geschrieben. An diesem Tag klang noch meine Entschlossenheit durch dennoch in Italien zu wandern. Doch wie so viele Menschen auf der Welt haben auch die Folgen der Corona-Krise vor mir kein Halt gemacht. Vorab kurz zur Info, dass es mir gut geht und ich gesund bin bzw. keine Symptome habe/hatte. Gerne möchte ich aber meine Erlebnisse und Gedanken mit euch teilen.

Der Dienstag (10. März 2020) letzte Woche, war ein krasser Tag und ich werde diesen nicht so schnell in meinem Leben vergessen. Als ich in Salerno in den frühen Vormittagsstunden los lief in Richtung des Kastells, war ich wie gesagt noch frohen Mutes und ging davon aus, dass ich weiter in Mittelitalien unterwegs sein kann. Ich selber wusste damals noch nichts von den neuen Maßnahmen, welche an diesem Tag in Kraft traten. So wanderte ich bis 11 Uhr und hatte dann vor nach Pompeij mit dem Zug zu fahren. Soweit so gut, spürte ich dann in Pompeij, was auf mich in den nächsten Wochen zukommen wird. Die Straßen war so leer an diesem Ort. Ich konnte mir auch nicht die Ausgrabungsstätte anschauen, da dies ein öffentlicher Ort ist. Auch der Nationalpark Vesuv wurde gesperrt. Sofort fing ich an, mir Gedanken über meine Rückreise zu machen und ich entschied mich nach Wien zu reisen und dort weiter zu wandern. Als Notlösung war der Heimflug nach Deutschland geplant und daher checkte ich Schlafmöglichkeiten in der Familie ab. So fuhr ich nach Neapel und mit den nächstmöglichen Zug nach Rom, da der Nachtzug nach Wien von Rom aus startet. Der Zug nach Rom war gespenstisch leer und ich saß tatsächlich nur mit einer Person im Abteil… Das war verrückt! Um kurz nach 17 Uhr kam ich nun am Hauptbahnhof in Rom an. Während der Fahrt probierte ich schon die Karte nach Wien zu buchen, aber es ging nicht. Ich probierte es bei meiner Ankunft in Rom, aber auch am Automat ging das Ticket nicht zu lösen. Mit Hilfe der Polizei fand ich die Ansprechpersonen der dortigen Bahn und erfuhr, dass Österreich alle Einreisen aus Italien verboten hat. Zu diesem Zeitpunkt war ich natürlich sehr niedergeschlagen und ich begriff, dass ich nun auch in einem Risikogebiet war. Leider war nach dem Spießrutenlauf nun auch alle Geschäfte zu, da ab heute das Schließzeit 18:00 Uhr galt. Ich hatte zum Glück noch zwei Brötchen, Nutella und etwas Aprikosenmarmelade im Rucksack. Das erste Problem war gelöst, aber das zweite sollte folgen… Was mach ich heute Nacht? Ein Flug ging nicht mehr nach Deutschland, daher muss ich irgendwo übernachten. Die Hotels hier waren aber alle ausgebucht, da es nur so an Touristen wimmelte die nach Hause wollten. Ich buchte schnell meinen Flug für den nächsten Abend nach Frankfurt und klärte mit meiner Mutter ab, dass ich bei Ihr schlafen könnte. Erste Regel beim Reisen bzw. Wandern ist, wenn du gerade mit der Situation überfordert bist – Erst einmal den Hunger stillen und etwas essen!

Meine Mahlzeit im Bahnhof von Rom. Die Polizisten waren sehr nett und lächelten bei meiner Aktion. 😉

Ich entschied mich dann während dieser Mahlzeit zum Flughafen zu fahren und dort zu übernachten. Ich fühlte mich bei dem Gedanken sicherer als am Bahnhof zu übernachten. Mir war es gleich, wo ich schlafen würde, weil ich eh kein Auge zu machen werde und am Flughafen habe ich wenigstens WLAN und die Möglichkeit mein Handy aufzuladen. Also machte ich mich auf in Richtung Flughafen. Dort angekommen, musste ich feststellen, dass einige Menschen dort bereits gestrandet sind. Einer Obdachlosen aus Deutschland, welche schon länger in Rom „lebt“, schenkte ich einen Kaffee. Ich selber schaute mal beim Hilton Hotel vorbei, aber die hatten nur noch Zimmer für eine Nacht mit 185 € ohne Frühstück. Ich musste leider ablehnen und machte mich zurück zum Flughafengebäude. Die Kosten für die Unterkunft hätten meine bisherigen Kosten auf meiner Wanderung an einem Abend überstiegen… Mir war das nicht Wert und so verbrachte ich den Abend als „Gestrandeter“ im Flughafen. Der Abend bestand aus Luft schnappen im Außenbereich, Netflix schauen, Musik hören und versuchen zu schlafen. An diesem Abend war ich so glücklich darüber meine Schaumstoffmatte zu haben. Ich konnte erstaunlich gut auf dem Boden schlafen und wusch mich so gut es ging vor der Öffnung des Café auf der öffentlichen Toilette… Wer braucht schon Luxus 😀

Ich checkte dann relativ früh ein und vertrieb mir die Zeit im DutyFree-Bereich. Auch wir war Musik und Netflix mein Freund. 😀 Ach und nur mal nebenbei: So eine Nacht am Flughafen ist schon interessant. Man lernt die verschiedenen Abläufe kennen. 😀 Im Nachhinein kann ich natürlich darüber schmunzeln, aber jeder wird sich vorstellen können, dass ich ziemlich niedergeschlagen war. Der Flug verlief reibungslos und ich glaube meine Mutter hat mich noch nie so still erlebt. Neben der Niedergeschlagenheit war ich natürlich auch entsetzlich müde. Erst eine Nacht im Schlafwagen, welche nicht ruhig ablief und dann die Nacht im Flughafen hinterließen natürlich ihre Spuren. Nach einer kurzen Dusche und einem Abendessen ging es sofort ins Bett.

Die nächsten Tage waren für mich alles andere als leicht. Ich musste natürlich zusamen mit meiner Mutter in Quarantäne und versteckte mich somit hinter Bücher. Ich war fast 3 Wochen frei, ich spürte die pure Freiheit in der Natur und dann bist du auf einmal eingesperrt. Das war nicht leicht… Innerhalb von ein paar Tagen hatte ich mehr als 1000 Seiten hinter mir. Als erstes laß ich natürlich „Der Pate“, da ich nochmal die Erinnerungen an Sizilien haben wollte. Ich kann den Moment nicht beschreiben als ich die Stellen las, wo Mario Puzo beschrieb, wie Michael Corleone die Zeit auf Sizilien verbrachte. Jeder der den Film kennt, sollte dringend das Buch lesen! Die Erzählungen wie Michael Sizilien kennen lernt und durch den Wald von Ficuzzia wandert, waren für mich nochmal eine Reise zurück. Durch den selben Wald lief ich auch und ich kann die Schönheit einfach nur teilen! Ach, ich vermisse Sizilien… Es ist eine wunderbare Insel, welche ich definitiv nochmals besuchen werde in meinem Leben! Das steht fest! Noch jetzt wenn ich darüber schreibe, liegt der Frühlingsduft in meiner Nase – selbst wenn ich gerade die Mandelblüte in der Pfalz erleben darf!

Viel zu erzählen aus der Zeit in Quarantäne gibt es nicht. Nach „Der Pate“, „Im Meer schwimmen Krokodile“ und „Fabian“ bestellte ich mir neue Bücher. Diese hatte ich zum Glück meiner Mutter zur Verwahrung geschickt. Auch die letzten beiden empfehle ich. Ich möchte euch auch kurz zwei Ausschnitte der beiden Bücher wiedergeben:

„Fabian“ von Erich Kästner ist ein Buch, welches 1930 erschien und überspitzt die Lage in Berlin bzw. auf der Welt darstellen sollte. Es ist ein starkes Buch, wo Kästner das Kinderbuch-Autor-Dasein hinter sich ließ und als Satiriker auftrat. Dieses Buch wurde damals auch von den Nazis verboten und verbrannt. Mich wunderte es wirklich, dass er deswegen nicht inhaftiert wurde. Versetzt euch kurz in die damalige Lage und ihr werdet merken, wie erschreckend, stark die Aussagen auf die Krisen 2020 passen!

„…In Amerika verbrennt man Getreide und Kaffee, weil sie sonst zu billig würden. In Frankreich jammern die Weinbauern, dass die Ernte zu gut gerät. Stellen Sie sich vor. Die Menschen sind verzweifelt, weil der Boden zu viel trägt! Zu viel Getreide, und andere haben nichts zu fressen! Wen in so eine Welt kein Blitz fährt, dann können sich die historischen Witterungsverhältnisse begraben lassen… Wenn das, woran unser geschätzter Erdball heute leidet, einer Einzelperson zustößt, sagt man schlicht, sie habe die Paralyse. Und sicher ist Ihnen allen bekannt, dass dieser äußerst unerfreuliche Zustand mitsamt seinen Folgen nur durch eine Kur heilbar ist, bei der es um Leben und Tod geht. Was tut man mit unserem Globus? Man behandelt ihn mit Kamillentee. Alle wissen, dass dieses Getränk nur bekömmlich ist und nichts hilft. Aber es tut nicht weh. Abwarten und Tee trinken, denkt man, und so schreitet die öffentliche Gehirnerweichung fort, dass es eine Freude ist. Wir werden nicht zugrunde gehen, dass einige Zeitgenossen besonders niederträchtig sind, und nicht daran, dass einige von diesen und jenen mit einigen von denen identisch sind, die den Globus verwalten. Wir gehen an der seelischen Bequemlichkeit aller Beteiligen zugrunde. Wir wollen, dass es sich ändert, aber wir wollen nicht, dass wir uns ändern. „Wozu sind die anderen da?“ denkt jeder und wiegt sich im Schaukelstuhl. Inzwischen schiebt man von dorther, wo viel Geld ist, dahin Geld, wo wenig ist…. Der Blutkreislauf ist vergiftet… „Sie werden einwenden, es gebe ja zwei große Massenbewegungen. Diese Leute, ob sie nun von rechts oder links anmarschieren, wollen die Blutvergiftung heilen, indem sie dem Patienten mit einem Beil den Kopf abschlagen. Allerdings wird die Blutvergiftung dabei aufhören zu existieren, aber auch der Patient, und das heißt, die Therapie zu weit treiben.“

Das zweite Buch „Im Meer schwimmen Krokodile“ ist von Fabio Geda und erzählt eine Geschichte von einem Flüchtling aus Afghanistan. Man hört immer wieder viele Geschichten und viele die mich kennen, wissen wie stark mich dieses Thema immer wieder umtreibt. Diese Geschichte hat für den Jungen zwar ein Happy End, aber es zeigt deutlich den Preis, den er dafür hat bezahlen müssen. Es ist kein großes Buch und sehr einfach geschrieben, doch man wird es nie vergessen… Ich habe hier ein Auszug, welches davon handelt, wo Enaiat entscheidet auszuwandern. Der Autor stellt Ihm immer wieder Fragen in diesem Buch und dadurch wird das Buch sehr persönlich… Er war als Kind (9 Jahren) auf sich gestellt und verdiente sich Geld auf Baustellen im Iran. Zu diesem Augenblick war ca. 4 Jahre im Iran und brach von der Baustelle aus los nach Europa:

„Wie kann man so mir nichts, dir nichts sein Leben ändern, Enaiat? Sich an einem ganz normalen Vormittag von allen verabschieden?“ Man tut es einfach, Fabio, und denkt nicht weiter darüber nach. Der Wunsch auszuwandern entspringt dem Bedürfnis, frei atmen zu können. Die Hoffnung auf ein besseres Leben ist stärker als alles andere. Meine Muter zum Beispiel wusste, dass ich ohne sie in Gefahr bin. Aber dafür war ich unterwegs in eine andere Zukunft. Und das war besser, als in ihrem Beisein stets in Gefahr zu sein und ständig in Angst leben zu müssen.“

Ja, und jetzt? Ich lese derzeit „Anne Frank – Das Tagebuch“. Ich will hier jetzt keine Stelle zitieren, aber wer meint daheim ist es so schlimm und die Decke fällt mir auf dem Kopf, der sollte sich das Buch nehmen, welches die Zeit im Versteck der jüdischen Familie in Amsterdam beschreibt…

Ich persönlich freue mich über die außerordentliche Solidarität in diesem Land, welche es aber überall in Europa gibt. Das einzige was es nicht gibt, ist der Reichtum den wir in Deutschland haben. Ich habe schon vor 2 Wochen die Gesichter der Italiener gesehen, die leeren Straßen und die verzweifelten Blicke der Menschen lassen mich auch ehrlich gesagt nicht los. Durch diese Zeit in Italien, wo man wirklich „live“ mitbekommen hat, was dieser Virus anrichtet, bringt dich näher an das Land und lässt dich über das ein oder andere anders Denken. Wir sind aktuell wirklich nicht schlimm dran, wenn wir es mit Italien vergleichen. Unsere Wirtschaft ist stärker und auch die Mehrzahl der Deutschen haben mehr Geld auf der Seite. Ich hoffe, dass wir nicht so schlimme Todeszahlen wie in Italien haben werden und dennoch sollten wir alle an die Länder und Hinterbliebenen denken, hoffen und beten, dass der Virus besiegt wird.

Ich für meinen Teil bin seit heute wieder auf den Beinen und helfe beim Spargel stechen hier in der Nähe bei meiner Mutter. So kann ich die Flug- und Zugkosten wieder reinholen und muss nicht daheim rumsitzen. Es tut gut wieder an der frischen Luft zu sein und anderen Menschen zu helfen.

Bleibt gesund, lest das eine oder andere Buch, anstatt nur vor dem Fernseher oder dem Smartphone zu kleben und lasst euch nicht unterkriegen! Euch und eurer Familie alles Gute! Mir geht es gut und ich denke allein schon die Zeilen oben sagen aus, dass uns diese Entschleunigung vielleicht auch mal wirklich gut tut!

Euer Michi 😉

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