Von Flensburg zum nördlichsten Punkt Deutschlands bis nach Amsterdam

Heute haben wir den 10. Juli 2020 und ich sitze in einem Hotel in Amsterdam. Es ist einfach verrückt wo mich diese Reise überall hinführt! Genau vor 17 Tagen startete ich mit dem Fahrrad von der Ostsee, genauer gesagt von Flensburg in Richtung Nordsee. Rückblickend fühlt es sich so an, also ob es eine Ewigkeit her ist. Ich glaube es liegt an den vielen Eindrücken, die auf einen während der Fahrradtour einprasseln. Ich muss mir aufschreiben, wo und wann welches Ereignis war, damit ich die Eindrücke behalte und nicht vergesse. Mit der Reise nach Sylt habe ich mir einen langen Traum erfüllt. Natürlich war mir bewusst, dass die Insel sehr teuer ist, aber da es dort einen Campingplatz in den Dünen gab, wollte ich sofort hin. Die Fahrt nach Sylt ging durch das Inland von Schleswig-Holstein, nur ein paar Kilometer an der dänischen Grenze entlang. Die Landschaft war geprägt von Weiden und Windrädern. In Klanxbüll fuhr ich mit dem Zug nach Westerland und meldete mich beim Campingplatz an. Das tolle an diesem Campingplatz ist, dass er an den beiden letzten Strand Abschnitte von Westerland liegt und somit es sehr ruhig ist. Für das Zelt musste ich mir noch Sandheringe kaufen, welche länger und dicker sind, da der Wind in bzw. auf den Dünen sehr stark weht. Der Aufbau dauerte natürlich eine Weile, da der Wind es ein wenig schwierig gestaltete, aber danach gab es ein Bier und einen leckeren Bulgursalat mit Fetakäse!!! Der Abend war total schön und ich genoss die Ruhe und den Sonnenuntergang am Meer. Das tolle Bild, wo ich im Meer stand wurde spontan von einer älteren Dame gemacht und Sie schickte es mir dann auf mein Handy. Die näheren Aufnahmen sind leider stark verpixelt, aber das Bild beschreibt sehr stark meine Gefühle an diesem Abend. Es war das Gefühl von purer Freiheit! Ich schlief sehr spät erst ein und am nächsten Tag frühstückte ich während dem Sonnenaufgang und ging baden im Meer. Es war dann einfach wundervoll sich von der Sonne danach aufwärmen zu lassen. Bis dahin hatte ich an diesem Tag keine Lust Fahrrad zu fahren. Als ich durch Westerland lief und mir eine neue Fahrradunterhose und kurze Hose kaufte entschied ich, heute zum nördlichsten Punkt Deutschlands zu fahren und somit Sylt mit dem Fahrrad entdecken. Wenn ich daran zurückdenke, würde ich mir in den Arsch beißen, wenn ich lieber im Strandkorb gechillt hätte. Es war mein sportlicher Ehrgeiz, der mich mal wieder dazu gebracht hat, auf den Sattel zu steigen. Am Ende des Tages standen 70 km und ein geniales Erlebnis! Die Insel hat seine schöne Ecken im südöstlichen Teil ist ein großes Vogelparadies, am nordwestlichen Teil bei List, hat man die tolle Küste als Surferparadies und im Norden am sogenannten „Ellenbogen“ ist einfach eine totale Ruhe, welche an dieser Stelle nur durch die Möwen und Wellen unterbrochen wird. Vereinzelt trifft man ein paar Angler oder welche die ein paar Muscheln suchen. Angekommen am östlichen Punkt des Ellenbogens musste ich mein Fahrrad mehrere Kilometer über den Sandstrand schieben, was bei fast 30° natürlich eine sehr anstrengende Angelegenheit war! Als ich dann aber endlich das kleine Schild erreichte und am nördlichsten Punkt Deutschlands war, fühlte ich mich als wäre ich am Nordkap! 😀 Es war ein unbeschreibliches Gefühl, ein Kraftakt, eine Energieleistung! Jetzt stand ich hier und alle Emotionen kamen raus. Ich schrie einfach nur laut meine Freude heraus und ein paar Menschen drehten sich um, aber das war mir egal! Ich hatte es tatsächlich geschafft. Der Rückweg ging an einer Bar vorbei, wo ich neben meiner Belohnung mit einem „Kaktuseis“ mal eben 1l Bitter Lemon trank. 😀 Die Rückfahrt im Nordwesten der Insel war atemberaubend schön. Es gibt hier keine Autos, sondern nur einen Fahrradweg und nebenbei eine mediterrane Landschaft. Den Abend verbrachte ich am Strand und im Meer! Ein Missgeschick ist mir passiert beim Abendessen, als ich meine Spaghetti im Zelt kurz umschmiss. Es war nicht viel was heraus lief, aber mein Zelt musste ich nun erst einmal reinigen mit allen Tempos und Feuchttücher die ich dabei hatte… Tja, so etwas passiert, wenn man meint es mit ins Zelt nehmen zu müssen. 😀

Entlang an der Nordseeküste ging es von Klanxbüll nach Husum. Das Wetter war noch top, aber leider wurde es sehr windig, da am nächsten Tag ein Gewitter kommen soll. Die Tour ging entlang der Hamburger Halligen und Nordstrand nach Husum. Auf dieser Tour habe ich das Wattenmeer bei Ebbe erlebt und somit waren viele Vögel an der Küste. Hinter dem Deich waren schöne Naturschutzgebiete, wo viele Zugvögel den Sommer verbringen. Vom NaBu gibt es hier Beobachtungsplätze, welche einen schönen Ausblick auf die tolle Landschaft ermöglichen. Auch das Salzhaff und natürlich die Halligen war ein total schöner Anblick! Die Fahrt entlang am Deich ist natürlich sehr anstrengend, da einem der Wind oft ins Gesicht bläst und somit mehr Kraftanstrengung notwendig ist. In Husum kaufte ich mir frische Kirschen, Feigen Chutney und sonstige Dinge für die nächsten Tage ein. Die Kirschen waren natürlich noch am selben Abend fort, als ich im Nordseebad in Husum mich erfrischte, nachdem das Zelt aufgebaut war. Auf dem Zeltplatz lernte ich einen älteren Hamburger kennen, der schon viel in Skandinavien mit dem Fahrrad rum kam und nun mal wieder seine Heimat erkunden wollte. Da lernte ich auch, das Hamburg-Altona erst unter den Nazis zu Hamburg dazugelegt wurde. Dieser Stadtteil kam zu Wohlstand, da hier jeder wohnen durfte und nicht wie in Hamburg etwas vorzuweisen war. Auch war Altona durch die späte Angliederung an Hamburg sehr lange dänisch, wie der Rest von Schleswig-Holstein. Dadurch zeigt sich das dänische Königshaus immer wieder in Altona bei verschiedenen Ausstellungen. Die Tour nach Büsum begann sehr früh, da am späten Nachmittag ein Gewitter kommen sollte. Da ich so früh startete, konnte ich eine komplette Runde um die Halbinsel Eiderstedt drehen. An der Spitze dieser Insel liegt das bekannte Nordseebad St. Peter Ording mit seinem riesigen Strand. Die 3€ Kurtaxe gönnte ich mir und machte dort meine Mittagspause und ging ein wenig schwimmen. Den ganzen Tag war ich unruhig, da sich mein Couchsurfer leider nicht meldete. Leider stellte sich auch später heraus, dass er sich im Datum geirrt hatte. Mit einem Abstecher nach Tönning, welches an der Eidermündung liegt, ging es über einen Umweg nach Büsum. Der Umweg hat sich nicht nur wegen Tönning gelohnt, sondern der Weg an der Eider, welches auch ein Naturschutzgebiet ist, war einfach sehr schön! Das Highlight war natürlich die Ankunft am großen Eidersperrwerk, als wir warten mussten, bis die Boote durchgefahren sind. Die Lautstärke der Möwen war einfach krass! Ein regelrechtes Geschrei lag in der Luft. In Büsum angekommen suchte ich mir ein Zimmer, weil das Gewitter sich ankündigte und so schlief ich in einer kleinen Bude mit Fernseher und Sportschau.

Von Büsum ging es am darauffolgenden Tag zum letzten Stopp vor Hamburg. Es ging nach Glückstadt an der Elbe. Die Stadt wurde 1617 vom dänischen König und Herzog von Schleswig und Holstein gegründet. Der Grund war ein Stadt näher an der Nordsee zu errichten, welche der Hansestadt Hamburg die Stirn bieten kann. Als Christian IV. die Stadt auf Glückstadt taufte, sagte er: „Dat schall glücken und dat mutt glücken und dann schali se ook Glückstadt heeten…“. Damals war diese Gegend eine frisch eingedeichte Sumpflandschaft an der Mündung des Rhins in die Elbe. Die Tour an sich war frühs von Regen begleitet, aber der Weg durch den Kreis Dithmarschen war sehr schön und ich habe es total genossen nach Brunsbüttel zu fahren. Die sehr landwirtschaftliche Gegend mit viel Weideland wirkte auf mich sehr ruhig und ich genoss diese Ruhe noch einmal bewusst, da ich wusste, dass es bald in die Metropole Hamburg gehen wird. Die Stadt Brunsbüttel selber ist nichts besonderes, aber dort angekommen war ein Vater mit seinen beiden Kindern unterwegs und die Tochter war so neugierig und fragte mich allmöglichen Dinge. Das coolste war: „Wenn du so viel unterwegs bist, warum dann nicht mit dem Auto?“ 😀 Ich antwortete: „Das wäre doch viel zu langweiligt.“ Und Sie. „Stimmt!“ 😀 In Glückstadt schaute ich dann mit einigen HSV Fans den letzten Spieltag der 2. Liga. Ich trauerte nach der bitteren Niederlage mit Ihnen… Bei Heiko, meinem Couchsurfer war es spitze. Er selber war viel mit dem Fahrrad unterwegs. Unter anderem fast die komplette Ostsee, auch der russische Abschnitt war dabei. Das hat mich sehr begeistert! Sein Abenteuer dieses Jahr an der Wolga entlang fällt nun leider aus wegen Corona. Mit einem Foto von einem Freund aus der Bretagne gab er aber eine Wette ab und will etwas spenden, wenn ich dieses Foto dem Freund vorbei bringe. Die Idee fand ich spitze und habe die Wette natürlich angenommen! Der Weg nach Hamburg am Tag darauf ging viel hinter dem Deich entlang und war sehr schön! Als ich das Ortsschild von Hamburg neben mir hatte war ich natürlich wieder sehr stolz!!! Entlang an den Landungsbrücken ging es über den Jungfernstieg ab nach St. Pauli. Ich löste die Wetteinsätze der Alten Herren (Fussball) ein und machte ein Selfie mit den Stadien von St. Pauli und dem HSV. Den Abend genoss ich mit Freunden im Schanzenviertel. Der Pausentag in Hamburg habe ich genutzt um mich über die Niederlande zu informieren, neue Kopfhörer zu kaufen und meine Sonnenbrille reparieren zu lassen, da die leider etwas verbogen wurde. An diesem Tag machte ich auch mit Jochen (war auf Sizilien dabei) aus, dass wir uns in Amsterdam treffen. Somit stand es fest: Ich fahre nach Amsterdam! Während der Tage war mein Fahrrad im Hotelzimmer am Kleiderschrank angeschlossen, da der Hausmeister es mir erlaubte, weil in letzter Zeit viele gestohlen wurden. Ein sehr lustiges Bild 😀

Von Hamburg aus ging es nun durch Niedersachsen nach Niederlande. Die erste Fahrt ging durch den Elbtunnel und entlang des Hafen nach Buxtehude. Die Tour selber war nicht schön, aber auch das gehört bei einer Großstadt dazu: Ewig lang im Industriegebiet oder an einer Bundesstraße zu fahren. In Buxtehude aß ich mein letztes Franzbrötchen und knipste den Hasen und den Igel. Die Geschichte kennt wohl jeder! 😉 Die Fahrt dann ab Buxtehude war einfach spitze! Durch Königreich und Jork ging es in das “Alte Land”. Dies ist ein sehr großes Obstanbaugebiet. Ich kam gegen Mittag schon in Stade an und traf dort gleich Simon und war zufällig in der Kneipe essen, wo er drüber wohnt. Klasse! 😀 Ich kaufte mir “Safari des Lebens” von John Strelecky um mal wieder ein Buch in der Hand zu haben. Der Tag war schön und auch Stade ist eine kleine, aber schöne Hansestadt. Abends waren Simon dann noch in einer Brauerei essen, wo es einen total leckeren Auflauf gab! 🙂 Auch Simon stellte mir eine Wette, dass ich nach Groningen muss! 🙂 Von Stade ging es mach Bremerhaven, durch das Christkinddorf “Himmelspforte” und durch schöne Landschaften. Ein besonderes Highlight sollte die Schwebefähre bei Osten – Hemmoor. Leider war ich aber alleine und somit fuhr diese nicht und ich musste die nächste Brücke nehmen. Kurz vor Bremerhaven schiffte es dann sehr stark und ich kam noch rechtzeitig in einem Bushäuschen und dann in einer Bäckerei unter. Bei Tosia und Holger gab es ein sehr leckeres Essen, wo ich mithalf die Zwiebeln und Knoblauch zu schnippeln. Ihrer Tochter Linea schenkte ich den einzig ganz gebliebenen Krebsfuß, welchen ich in Sylt fand. Die beiden waren vor den Kindern mit dem Auto einmal um die Welt gereist. Coole Story!

Von Bremerhaven ging es den Weserradweg nach Bremen. Der Tag war wie die letzten mit Gegenwind und Regen eine Herausforderung! Sehr oft ging es hier natürlich am Deich entlang, aber es war eine schöne Tour. In Brake genoss ich nochmal ein Krabbenbrötchen und in Bremen erfüllte ich mal wieder ein Wetteinsatz der Alt Herren und machte ein Foto mit dem Stadion. Sonst wäre ich gar nicht nach Bremen, aber im Nachhinein sage ich danke, da die Stadt sehr, sehr schön ist. Das alte Böttcherviertel und das alte Rathaus sind nur zwei bedeutende Sehenswürdigkeiten in Bremen. Mit Dario (Gastgeber), Joschi (Fahrradfahrer von Villingen nach Husum) und Katarina (Couchsurferin) hatten wir einen total genialen Abend. Wir waren im Szeneviertel essen und Dario zeigte uns die Stadt auf dem Fahrrad. Die Nacht in seiner Gartenlaube war dann nur das Tüpfelchen auf dem i! Das Joschi und Ich beim gleichen Gastgeber pennen durften war reiner Zufall! 😀 Am Tag darauf ging es hundemüde, aber dennoch früh nach Leer in Ostfriesland. Der Tag wurde lang, sehr lang. Bis Oldenburg blieb ich zwar trocken, aber der Wind nahm schon ordentlich zu. Doch ab dann war 60 km im Regen mit starkem Gegenwind angesagt. Ich habe mich am diesen Tag richtig gequält, aber die 3.000 km Marke geknackt!!! So geil! Und dann als Belohnung… Dann komme ich bei Andrea, Ihrem Mann und ihrer Tochter an und ich bekomme Kässpätzle serviert, weil Sie Schwäbin ist. Ich war im Himmel!!! Der Abend war schön. Wir redeten viel und am Tag darauf bekam ich tolles Frühstück! Beim Frühstück buchte ich ein Ticket für den Flixbus nach Groningen, da Sturmwarnung ausgesprochen wurde. Ich probierte es dennoch zu fahren, aber nach 20km gab ich auf. Das war gerade noch rechtzeitig für die Rückkehr am Bahnhof, denn dann schüttete es aus Kübeln! Die Fahrer des Busses nahmen mein Fahrrad mit, obwohl es aktuell nicht buchbar war und erhielten von mir 10€. Ich war Ihnen so dankbar!!! 🙂 In Groningen war es trocken und es regnete erst gegen Abend stark. Der Wind war aber schon sehr stark, sodass es trotz leichter Sonne sehr frisch war. Bei Malvin hatte ich einen super Abend und wir redeten über das Reisen und viele Dinge rund um das Leben. Er selber ist Deutscher und hat in Amsterdam studiert und arbeitet nun in Groningen. War am Nordkap und auch sonst schon viel mit dem Fahrrad unterwegs.

Wie es von Groningen aus weiter ging nach Amsterdam und wie es weiter geht erfahrt Ihr bald. Ich halte die Spannung noch ein wenig aufrecht! 😉 Ich bin wieder total dankbar für alle Gastgeber und Ihre Gastfreundschaft!!! Ich kann mich glaube ich nicht oft genug bedanken, aber vor allem in den letzten Tagen bei den Wetter war es einfach ein totales Geschenk. Die warme Dusche nach der Ankunft, das tolle Essen und vor allem der Austausch und die Gespräche machen aus dieser Tour nicht einfach eine Reise – nein es ist ein Erlebnis und eine Erfahrung die ich mir so nie erträumt habe! Was ich alles erleben durfte und wie oft die Touren von meinen Gastgebern durch Tipps ins positive beeinflusst wurde ist einfach toll!

Ich hoffe euch gefallen meine Posts in Instagram und WhatsApp und auch diese Blogeinträge und hoffe ihr seid mindestens genauso gespannt wie ich, wo die nächsten Tage mich so hinführen! 🙂

Euer Michi!

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