Die Normandie

Ich möchte euch schon einmal vorwarnen, dass Wörter wie „schön“ oder „wunderschön“ hier sehr oft vorkommen werden! Die Landschaft hat mich wahrhaftig beeindruckt! Die Szenerie jeden Tag mit dem perfekten Zusammenspiel der Dörfer und der Landschaft, egal bei welchem Wetter, waren einfach beeindruckend! Diese Region ist definitiv unter den Favoriten auf der ganzen Tour, obwohl diese ja noch nicht zu Ende ist! 🙂

Los ging es von Paris in den Süden nach Massy. Im morgendlichen Verkehr ging es halbwegs gut mit dem rauskommen aus der Stadt. Ich hielt mich ja komplett an die Fahrradroute und somit hatte ich mit den Straßen kein Problem. Mein erster Stopp war dann bei ca. 35km das Schloss Versailles. Leider wäre es viel zu umständlich gewesen mir das Schloss anzuschauen und den Park. Geschweige den von Gaskartusche und Messer in meinen Taschen. 😀 So sah ich es leider nur von vorne und fuhr weiter. Nach Versailles ging es durch die Waldgebiete im Süden von Paris nach über Rambuillet nach Épernon nach Villiers-le-Morhier. Wie schon auf dem Hinweg nach Paris ist auch hier, wie im Rest der Normandie, die Landschaft durch Getreidefelder und Weideflächen geprägt. Es war ein schöner und sehr heißer Tag mit fast 30 Grad. Die zurückgelegte Strecke war jetzt nicht wie geplant, aber der Weg bis nach Versailles war mit Ampeln gepflastert und somit verbrachte ich mit den 35km fast den ganzen Vormittag. Als ich mich bei Rambouillet endlich in der Landschaft wieder fand war ich glücklich! Das Highlight an diesem Tag war das Kloster “Abbaye des Vaux-de-Cernay” auf diesem Weg. Die Ruhe tat mir sehr gut! Auf einem Campingplatz fand ich in der Nähe von Chartres mein Schlafplatz.

Am Tag darauf war genauso schönes Wetter. Die Tour sollte mich auf toll ausgebauten Fahrradwegen bis 20 km vor Alençon bringen. Es war von Paris über Chartres natürlich nicht der direkte Weg nach Alençon, aber bestimmt der schönste und ruhigste mit dem Fahrrad! In Chartres genoss ich meinen Kaffee vor der großen Kathedrale, bevor es durch die typische, hügelige Landschaft ging. Links und rechts die Hecken mit Ihren Weiden und Getreidefeldern. Von den Mähdreschern lag eine dünne Staubwolke in der Luft und irgendwie fühlte ich mich daheim. 😀 Es ging durch kleinere Städtchen, wie Illiers-Combray und Nogent-Le-Rotrou. Sonst waren es oft nur kleinere Dörfer die man kreuzte. Bei Le Mêle-sur-Sarthe fand ich wieder einen tollen Campingplatz. Als ich eintrat sah ich Milch und eine Flasche Orangensaft. Ich griff sofort zu 😀 Jetzt gab es Haferflocken mit Milch! Die Flasche Orangensaft war leider relativ schnell leer nach dem Zeltaufbau. Zusammen mit 2 anderen Radfahrern halfen wir einer Frau Ihr Pavillon umzusetzen. Später lud Sie uns ein auf einen Cidre. Ich kam mit Ramon ins Gespräch, mit dem ich dann weiterhin Kontakt hatte in den nächsten Tagen. Er fährt mit seinem Kumpel auch den Radweg nach Mont Saint-Michel und dann alleine weiter an der Küste bis nach Roscoff, was auch mein Ziel ist. Es war ein toller Abend!

Am nächsten Morgen ging es also zur letzten großen Stadt bevor es nach Caen geht – nach Alençon. Die Stadt ist für mich ein sehr bedeutender Ort geworden. In einem Café stärkte ich mich und hatte das Bauchgefühl, dass ich zu dem einen Fahrradladen von einem Triathleten gehen sollte. Ich fand diesen am Vorabend. Nach dem Einkauf auf dem Markt ging ich dort hin und verdammt nochmal er sprach Englisch und ich konnte ihm alles erläutern. Nach 2h in der Stadt, wo ich das Geburtstagsgeschenk für meine Schwester besorgte und eine Karte an meine Oma schrieb, waren meine Bremsen für knappe 100€ ausgetauscht! Sensationell! Ich war so glücklich und schickte mehrere Stoßgebete gen den Himmel! Es war ein so großartiges Geschenk!!! Den Rest der Strecke sollte auch eine der anspruchsvollsten der Normandie werden. Es ging auf und ab, was zwar anstrengend war, aber überragende Aussicht auf die Landschaft bot. Überraschend traf ich die beiden vom Vorabend wieder und wir aßen zusammen Mittag! Ich genoss es jemanden zu kennen und sich auszutauschen. An diesem Tag ging es bis nach Domfront um es am nächsten Tag nach Caen zu schaffen! Da ich erst ab 12 Uhr weiter konnte war die Tour sehr anstrengend um es noch nach Domfront zu schaffen, doch ich schaffte es!!! Das Städtchen selber ist auf einem Berg und definitiv einen Besuch wert! Auch der Ort Bagnoles-de-l’Orne, welcher auf der Tour war, ist sehr sehenswert. Leider wurde dieser stark durch Bombenangriffe, vor der Landung der Alliierten beschädigt im 2. Weltkrieg. Beide Orte sind nicht weit voneinander entfernt, aber total verschieden. Während die Altstadt von Domfront sehr mittelalterlich wirkt, mit seinen Steinhäusern und der alten Burg, ist Bagnoles-de-l‘Orne von Fachwerkhäusern geprägt.

Die Fahrt nach Caen startete in Domfront und führte mich auf einem toll ausgebauten Fahrradweg entlang des Flusses „La Varenne“ bis nach Flers. Bei Flers hat man dann die Möglichkeit sich zwischen 2 Wegen zu entscheiden. Einer führt links und der andere rechts von Flers nach Pont d‘Ouilly. Instinktiv entschied ich mich wohl für den richtigen! Er verkörperte noch einmal die typische Normandie mit den Dörfern und den Hügeln. Besonders das Dorf „La Carneille“ hat seinen Charme! Mit seinen typischen Steinhäuseren und den bunten Blumen davor, eine schöne alte Kirche und einer alte Mühle. Die Tour führte ab diesem Zeitpunkt durch die Landschaft des Flusses Orne. Der Höhepunkt war „Roches d‘Oëtre“ (was ich immer noch falsch ausspreche). Das ist ein Felsmassiv in der „Suisse Normandie“. So nennt man die Region, wo die Orne eine atemberaubende Landschaft geschaffen hat. Hier stellte ich das Fahrrad ab und ging ein Stück zu Fuß um die Aussicht zu genießen! Am Morgen habe ich über Warmshowers zwei Familien in Caen angeschrieben und bekam sofort von einer zurück, dass ich gerne willkommen bin. So hatte ich kein Stress bei Caen etwas zu suchen. Das war spitze! 🙂 So konnte ich auch diesen Ausblick genießen! Von Point d‘Ouilly ging es weiter bergauf und bergab bis ich entlang der alten Bahngleise bis nach Caen fuhr. Die Stadt Caen hat eine riesige, alte Befestigungsanlage und eine schöne alte Kathedrale. Ich genoss den Tag in Caen und bei der Familie von Isabell hatte ich einen tollen Abend! Wir tauschten uns viel aus und Antoine, ihr Mann, half mir beim Planen der Tour entlang der Küste. Sie waren beide mit Ihren 3 Kindern 1 Jahr lang mit dem Fahrrad unterwegs. Das älteste war 9 und das jüngste 4. Sie waren in Südamerika und in Neuseeland. Total genial! Er hat ein Buch gemacht und er gab mir ein paar Tipps, wenn ich auch eines machen möchte! 🙂 Ein Funfact nebenbei: Würzburg ist die Partnerstadt von Caen, also die Stadt, welches mein erstes Ziel war auf der Tour! 🙂

Die nächsten drei Tage waren geprägt vom 2. Weltkrieg und die Landung der Alliierten am Strand und per Fallschirm. Ich interessiere mich persönlich sehr und somit waren es sehr viele Eindrücke für mich. Ich schweife es hier nur kurz, weil nicht jeder etwas damit anfangen kann. Die Alliierten landeten am 6. Juni 1944 an verschiedenen Strandabschnitten der Normandie. Den Abend zuvor landeten Fallschirmjäger im Landesinneren um im Landesinneren die Wege zu den Stränden frei zu machen. So mal ganz grob erklärt. Durch schlechtes Wetter und Beschüsse der Flugzeuge landeten die Fallschirmjäger sehr verstreut. Dennoch konnten Sie entscheidend dazu beitragen, dass die Deutschen an mehreren Fronten kämpfen mussten. An den Stränden und in den Ortschaften findet man kleinere Museen und immer wieder gut erhaltene Kriegsfahrzeuge von allen Truppen. Oft dienen diese als Monument. Die Landschaft ist von Bunkeranlagen geprägt. Nach diesen Tagen war mir klar, warum manche Franzosen die Deutschen immer noch nicht mögen! Bei uns im Land sind die Strände frei von diesen Bunkeranlagen und dort, wie auch in Belgien und Niederlande, haben wir etwas hinterlassen was für mich unvorstellbar ist. Die Anlagen waren auf Klippen mit unterirdischen Gängen verbunden. Der Bau des Atlantikwall wurde von Fritz Todt so akribisch und detailliert geplant und umgesetzt. Mir war das Ausmaß nie so bewusst und die Landschaft dort wird immer davon erzählen, ob wir wollen oder nicht! Auch war es seltsam auf Omaha Beach, der hauptsächliche Landepunkt der Amerikaner entlang zu fahren. Es waren Abertausende Seemienen im Meer und mit 3 – 6 Reihen Panzersperren und Stacheldraht war der Strand abgesichert. Das Museum „Operation Overlord“ und die Batterie bei Crisbecq habe ich mir angeschaut. Auch die Stadt Carentan, welche sehr wichtig war als Stützpunkt war ein Teil der Tour. Imposant war auch der Ort Port-en-Bessin-Huppain, welcher als Ölhafen kurzerhand ausgebaut wurde nach der erfolgreichen Landung der Alliierten. Das Wetter selbst war sehr nasskalt und windig die 3 Tage und wie das Wetter, so war auch meine Motivation. Zum ersten Mal hatte befand ich mich in einem riesen Loch und mir fiel es schwer da raus zu kommen. Somit kämpfte ich mich die 3 Tage durch nach Cherbourg, die nördlichste Stadt auf dieser Halbinsel. Das coolste passierte 1 Tag bevor ich nach Cherbourg fuhr. Am frühen Morgen traf ich einen Rennradfahrer, seine Name ist Camille, welcher mich kurzerhand in Cherbourg einlud! Ich habe es ihm paar mal gesagt, dass er in dieser Phase ein Engel war für mich. Ich war platt und im Kopf einfach k.o. und lädt mich jemand einfach so ein?! Solche Geschichten prägen mich und meine Tour. Ich kam komplett durchnässt und vom Wind gezeichnet bei Ihm und seiner Familie an! Wir hatten eine total schöne Zeit miteinander. Ich durfte Calvados probieren und die Rehwurst seines Onkels. Er bereitete hervorragende Makrelen zu mit Risotto! Zum Abschluss noch ein Apfel-Rhabarber Tarte… Einfach der Himmel auf Erden! Wir vereinbarten, dass wir am nächsten Morgen mit seinen Kindern an die „Nez de Joburg“ fahren und entlang der Küste. Dieser Vormittag war für mich wie Urlaub und ich genoss es total! Die Ausblicke und die Landschaft waren fantastisch! Es war überragend schön und ich sparte mir so mehrere Höhenmeter mit dem Fahrrad! Nach einem Mittagessen ging es dann entlang der Küste weiter. Am liebsten wäre ich noch ein Tag länger geblieben. Ich hoffe wir bleiben in Kontakt und wenn ich mal wieder in Deutschland sesshaft bin, habe ich sie zu mir eingeladen! 🙂 Es war sehr besonders und ich bin unendlich dankbar!!

Nun ging es noch 2 volle Tage entlang der Küste bis kurz vor Saint Mont-Michel. Meine Motivation war zurück! Ich schlief eine Nacht bei einem kleinen Campingplatz, der aber fest jemanden gehört und Familien sich treffen. Ich habe gefragt und durfte umsonst dort schlafen. Als ich dann am 2. Tag den Mont Saint-Michel sah war ich begeistert! Ich habe wieder einmal ein Ziel und eine Wette erreicht! Entlang der Küste war es schön und anders wie die östliche Seite, ist diese viel hügeliger! Ich hielt mich nicht an Radwegen wie Antoine es mir empfiehl, sondern hielt mich an die Küstenstraßen. Der Verkehr war hier nicht großartig!

Das Highlight der Normandie war natürlich Mont Saint-Michel. Ich habe gelernt, dass die Menschen der Normandie stolz darauf sind und sie sich mit den Bretonen oft darum streiten, wem diese Sehenswürdigkeit gehört. Sehr lustig! Schon gegen kurz nach halb 7 startete ich und genoss die Morgensonne und später die wenigen Touristen dort. Ich war gegen halb 9 dort und als ich ging, trafen immer mehr Leute mit Bussen ein. Also alles richtig gemacht! 🙂 Es war leider Ebbe und somit konnte man nicht das ganze Feeling dieses Berges im Meer haben, aber dennoch war es ein wirkliches Highlight für mich! Es ging dann weiter in die Bretagne. Hierzu verfasse ich einen eigenen Blogeintrag.

Ich genieße jeden Tag in Frankreich! Es ist ein schönes Land und es ist toll in jedem Ort die Möglichkeit zu haben einen Kaffee zu trinken, wenn man will. Ich liebe es in den frühen Morgenstunden Fahrrad zu fahren. Das Licht ist sehr besonders und aus den Dörfern strömt der Duft der „Boulangerie“. Dieser Geruch von frischem Croissant ist teilweise unwiderstehlich. Ein Baguette ist über den Tag mein Begleiter und wird zur Not geteilt und im Rucksack transportiert. Ich bin froh diese zweite Chance meiner Auszeit ergriffen zu haben! Jeder Tag, egal ob Regen, Wind oder Sonne ist ein besonderer! Auch wenn die Bilder oft schön sind habe ich auch Regentage und gerade trägt mich dieser eine Traum! Ich lebe meinen Traum frei zu sein. Es ist nicht leicht jeden Tag um 6 Uhr aufzustehen und dann 8-12h Fahrrad zu fahren. Es kostet Kraft und jeden Tag auf neuem muss ich mich motivieren aus meinem Zelt aufzustehen und es abzubauen und mein Fahrrad zu packen. Unter dem Tag gibt es oft Obst, Käse und Baguette/Brot. Frühs etwas süßes und abends was kleines kochen. Ab und zu gönne ich mir ein Bier abends oder mal ein Eis unter dem Tag. Das war jetzt mal ein kurzer Einblick in den Alltag 🙂

Aktuell habe ich schon 400km in der Bretagne zurück gelegt und sitze bei Roscoff an meinem Zelt und lausche dem Meer. Werde nun, es ist 19 Uhr, noch einmal ans Meer gehen und dann duschen und mir etwas kochen. Ich bin vor 12 Tagen in Paris gestartet und habe seitdem fast 1.500 km zurückgelegt ohne Pausentag. Insgesamt sind es mit den Wegen auf Sizilien schon über 6.200 km! Heute hatte ich mit 50km keine große Tour und mir den „Pausentag“ in Roscoff gegönnt. Anders als im geheimen geplant geht es nicht nach Irland mit der Fähre, weil da aktuell Fahrräder verboten sind, sondern weiter die Küste entlang bis nach Nantes. So sehen die nächsten Tage aus und ich freue mich sehr darauf. Das mit Irland wäre natürlich nur ein Abstecher gewesen und daher nicht schlimm, dass es nicht möglich ist. So spare ich Geld und kann eventuell doch noch weiter in den Süden! Mir geht es, nach dem kurzen Loch in der Normandie, wieder sehr gut und ich bin voller Tatendrang!!! Seid gespannt auf die Geschichten aus der Bretagne 😉 Bleibt gesund und genießt den Sommer! 🙂

Mit einem Foto des Monument der Eagle Company und des Mont Saint-Michel habe ich die nächsten Wetten eingelöst! Ich warte auf weitere traut euch! Auch Lars seine Wette mit einem Foto von Männern in Bärten läuft! 😊💪 Auf geht’s!

Euer Michi

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6 Kommentare

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    1. Hey Michael !
      Du bist ja fleißig an Eindrücken und Erfahrungen sammeln.
      Genießen die Zeit und bleibt Gesund.
      Gruß

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  2. Hello Michael I am Stéphane The french guy from Savoie. Yom met me on the EV1 between Larochelle and Rochefort…I hope all si ok…You can stop ta home near Albertville if you cycle on North Alps. Enjoye fun and safe ! Stephane

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