Reiseroute Teil 2 – Italien und Frankreich

Ich starte an  „Stiefelspitze“ bei Reggio Calabria meine Wanderung durch das italienische Festland. Der Sentiero Italia (SI) bildet hier den Europäischen Fernwanderweg E1 und führt durch die Gebirgskette im Innern Kalabriens.

Direkt am Rande von Reggio Calabria beginnt das Aspromonte Bergmassiv, durch das sich der SI hindurchschlängelt. Hier werde ich auch meinen ersten richtigen Gipfel besteigen, nämlich den Montalto, der mit über 1.900 m der höchste Berg dieses Massivs ist. Dieses Gebirge ist eines der ersten Gebiete, welchea ich durchqueren werde, in den es noch wilde Tiere gibt. Ich habe keine Angst vor den Wölfen, sondern nur Respekt und dieser ist auch wichtig. Zudem wandere ich auf einem Wanderweg und werde eventuell gar nicht so weit von der Zivilisation abends entfernt sein.

Nach dem Aspromonte folgen die Nationalparks Serre und Sila. Der größte Teil des Serre Nationalpark ist unberührt, da er sich durch viele Schluchten und Wasserfälle kennzeichnet. Der Sila hingegen ist der Park mit dem höchsten Waldanteil in Italien.Nach dem Sila Nationalpark geht es in der Nähe der Küste durch das Massiv des Pollino. Umgeben von 2.000ern werde ich durch den größten Nationlparks Italiens wandern. Seit 2015 gehört dieser Park zum UNESCO Weltkulturerbe und soll mit seiner breiten Anzahl an Flora und Fauna wunderschön sein. Ich werde hier sehr wahrscheinlich den Monte Pollino (2.248m) und den Serra Dolcedormo (2.276m) erklimmen. Diese liegen nämlichen direkt am SI. Bis zum Bergmassiv des Pollino werde ich ca. 600km zurücklegen. Die Region werde ich danach verlassen und ca. 125km durch Basilikata wandern.

                                         Nationalpark des Pollino

Nach den wenigen Kilometer durch Basilikata geht es in die „glückliche Region“ Kampanien. Diese Bezeichnung erhielt die Region durch die Römer, da es eine sehr fruchtbare Gegend ist. Durch die Nationalparks Cilento und Vallo di Diano laufe ich durch die südliche Region Kampaniens, der Provinz Salerno.

Nach diesen beiden Nationalparks geht es durch das Gebirgsmassiv Monti Picentini auf dem Weg nach Neapel. Es geht an Salerno vorbei nach Amalfi. Die Amalfiküste ist weltbekannt und im Sommer ein Touristenmagnet. Ich hoffe, dass es zu meiner Zeit noch schön ist und ich die tollen Küstenwanderwege entlang laufen kann. Am Monte Cerreto mache ich mich auf in Richtung Pompeji. Diese antike Stadt wurde bei einem Vulkanausbruch 79 n. Chr. zerstört. Danach geht es entlang des Vesuvs nach Neapel. In Neapel werde ich eine Pause einlegen und mir diese ur-typische italienische Stadt anschauen und erkunden!

In Neapel werde ich auf die Via Francigena (VF) wechseln. Dieser Wanderweg war einst mal eine Fernstraße, die die englische Stadt Canterbury mit Rom und den Häfen Apuliens verband. Entlang dieser alten Fernstraße führt auch ein Teil der Via Appia, welche sogar älter als der Jakobsweg ist! Diese Straße war in der Antike die wichtigste Verbindung der damaligen großen Stadt Capua, welche im 2. Weltkrieg leider sehr stark mit Luftangriffen beschädigt wurde. Durch die Provinz Caserta verlasse ich die Region Kampanien und überquere die Grenze nach Latium.

Dadurch, dass ich hier die Wanderwege wechsle kann man nicht genau sagen, wie viel Kilometer es vom Pollino Massiv bis nach Neapel sind, aber es werden ca. 300 – 400 km sein. Von Neapel bis an die Grenze der Region Latium werde ich ca. weitere 600 km laufen, somit werde ich auf dem Weg in die „Heilige Stadt“ nach Rom die 2000 km Marke überschreiten.

In Rom werde ich mir ein paar Tage Zeit nehmen und vielleicht besucht mich auch jemand. Dort werde ich als Tourist auf den Plan treten und die Sehenswürdigkeiten der Stadt auf mich wirken lassen. Ich werde aber auch die Adreatinischen Höhlen besuchen, wo 1944 ein Kriegsverbrechen der Wehrmacht durchgeführt wurde.

Nach den hoffentlich erholsamen Tagen in Rom, geht es weiter Richtung Norden auf dem VF entlang. Von dieser Region habe ich aktuell noch keine Vorstellung, aber ich freue mich schon auf die nächste Region! Die nächsten 400 km werde ich durch die Toskana wandern, vorbei an den Städten Florenz und Pisa, welche ich eventuell besuchen möchte. Auch hier werde ich wieder einen Ort besuchen, der keine touristische Attraktion ist. Es geht in das Dorf Sant‘ Anna di Stazzema, wo dieses Mal die SS, beim damaligen Rückzug aus Italien, ein ganzes Dorf auslöschte…

Ich habe hier lange überlegt, ob ich wieder auf den E1 bzw. den SI durch die Toskana laufen soll, aber ich bleibe auf dem VF. Dieser führt mich durch den westlichen Teil der Toskana und durch die Region Ligurien. Auf Höhe des Passo della Cisa werde ich mich wieder auf den SI begeben, um Richtung Genua aufzubrechen. Bis auf Höhe Genuas werde ich gleichzeitig auch ein Teil des E1 wandern. Dieser biegt aber dann Richtung Norden ab, wo ich aber erst einmal noch nicht hin möchte. Ich verabschiede mich hier bis auf Weiteres vom E1 und hoffe Ihn bald wieder begehen zu dürfen 🙂

Mit großen Schritten wird es die letzten Kilometer auf dem SI Richtung Frankreich weiter gehen. Von Genua werde ich noch ca. 200 km auf dem SI wandern. Es geht von Genua in Richtung der Ligurischen Alpen, vorbei am Punta Marguareis. Der Berg ist mit 2.651 m der höchste Berg der Ligurischen Alpen. Ich werde mich hier inzwischen in der Region Piemont befinden und die letzten Meter auf italienischem Boden beschreiten. Die nächsten Kilometer gehen entlang der französischen Grenze, wo ich dann auf den Wanderweg 52A Le Sentier panoramique du Mercanteur abbiege. Dies ist ein Wanderweg, der durch die Seealpen Richtung Süden zum Meer geht. Der 52A führt mich erst nach Süden und macht kurz vor Monaco einen Knick Richtung Norden. An diesem Knick in Sospel werde ich vom 52A auf den Wanderweg 52 nach Menton aufbrechen. Diese Stadt grenzt direkt an Italien und liegt am Fuße der Côte d’Azur. Von hier aus beginnt die Via Aurelai, ein Jakobsweg, der an der Küste entlang durch Monaco nach Niza führt. Bei Nizza endet auch der Fernwanderweg E2 welchen ich hier jetzt Richtung Norden bis nach Briancon wandern werde.

 Es geht mittendurch die hohen See- und Cottischen Alpen. Ich werde von 2.000er und sogar 3.000er umgeben sein. In Briancon werde ich den E2 verlassen und für ca. 650 km die Via Domitia entlang laufen. Dies war die erste Römerstraße, die in Gallien gebaut wurde. Sie wurde lt. Wikipedia ca. 122 v. Chr. fertig gestell und verband das erste Mal Italien mit Spanien. Diese Römerstraße gilt heute als Jakobsweg und führt durch die Provence, vorbei an Marseille, Avignon auf die Via Tolosana. Diese Straße ist auch ein Abschnitt der Via Domitia und führt mich durch Montpellier und Lodève auf den E4. Dort verlasse ich auch die Provence und wandere durch Okzitanien. Die Provence ist in meinem Kopf aktuell ebenbürtig mit der Landschaft der Toskana. Ich bin gespannt, welche der beiden Regionen mich am meisten begeistern werden. Durch kleine Dörfer zu wandern und die blühende Landschaft zu erleben. Ich weiß, dass der Umweg nach Norden nochmal einiges an Kilometer fordert, aber bei so vielen, kommt es auf ein paar 100 km nicht mehr an. In dieser Zeit, wo ich an der Côte d’Azur bin, ist Urlaubszeit und dann will ich nicht durch Sain-Tropez oder Marseille laufen. Dann liebe wieder ein letztes Mal die Alpen genießen, bevor es wieder in den Süden geht!

Auf Höhe von Le Rialet werde ich den Jakobsweg verlassen und auf dem E4 in Richtung Spanien weiter wandern. Durch Mazamet geht es nun nur nach Süden zur Stadt Carcassonne. In Carcassonne werde ich mir die große Festung Cité de Carcassonne anschauen. Die Festungsstadt wird von einer Mauer mit insgesamt 52 Türmen umgeben. Die Region Okzitanien ähnelt sehr stark der katalanischen Sprache und im klassischen Sinne war es die Region von Bordeaux bis nach Nizza. Ich bin gespannt in wie weit ich die Menschen mit meinem Französisch verstehen werde. Ein paar km sind es noch von Carcassonne bis ich zum ersten Mal durch Pyrenäen wandern werde. Um nach Spanien zu kommen musst diese durchqueren. Vorbei an Andorra geht es bei Bourg-Madame über die Grenze und ich werde spanischen Boden betreten. In Spanien werde ich nun fast 2.000 km auf dem E4 bis an den Golf von Gibraltar wandern.

Wenn ich es grob überschlage werde ich von der Südspitze Italiens bis an die Grenze Spaniens mehr als 5.000 km gelaufen sein. Dieser Abschnitt wird mich am Anfang im südlichen Gebirgsmassiv und kurz vor Ende in den Westalpen auch sehr fordern. Die Wanderwege hier werden sehr alpin sein und alles von mir abverlangen. Heute weiß ich noch nicht wie viel ich laufen werde oder wie viele „Zero Days“ ich einplanen werde, aber viel Kleidung werde ich die nächsten paar Tausend Kilometer nicht benötigen, da ich im Spätsommer gen Süden wandere. Einerseits denke ich mir gerade, dass ich doch im Sommer eigentlich im Norden sein müsste, aber andererseits war ich ja schon im Süden und konnte Italien im Frühling blühen sehen. Ich werde eh früher oder später auf Schnee treffen. Spätestens, wenn ich die Pyrenäen in Richtung Bordeaux überquere, aber auch hier wird es eine passende Route geben 😉

Mittlerweile ist es 00:37 am 14. April 2019. Ich sollte mich wohl in Richtung Bett bewegen 😀 Wo werde ich wohl in einem Jahr sein? Manchmal denke ich, warum mache ich es nicht sofort, was ist wenn was dazwischen kommt? Aber ich denke, dass es richtig ist mich darauf vorzubereiten und alles ein bisschen zu planen. In einem Jahr werde ich mich hoffentlich gesund und munter in Kalabrien befinden 🙂

Der Sentiero Italia

Artikel über die Neugründung des Sentiero Italia

Via Francigena

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